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Die Gruppe als Ko-Autor und »selbst gewählte Familie«



In unserer Kultur gibt es einen unausrottbaren Mythos: den Mythos von der Einsamkeit des Schriftstellers und damit auch von der Entfremdung. Was für andere schöpferische Bereiche, wie die Musik, unvorstellbar wäre - hier wird es geradezu gefordert. Der Schreibende soll sich in seinen Elfenbeinturm zurückziehen und von dort aus über die Welt und sich selber nachdenken. Hier wird eine ganz andere Möglichkeit vorgeschlagen, welche die Geselligkeit und das gemeinsame Erzählen entdeckt.

      In meinen Selbsterfahrungs-Seminaren wurde das Schreiben zu einem wichtigen Bestandteil von dem Augenblick an, als mir klar wurde, dass dieser kreative Prozess des Schreibens gerade durch die Anwesenheit anderer Menschen in einer Gruppe
- nicht nur andere Qualitäten bekommt und dadurch ein erstaunlich fruchtbares Medium für Selbsterfahrung wird,
- sondern auch eine sehr schöne Möglichkeit ist, die im Allgemeinen doch eher flüchtigen Erlebnisse und Ergebnisse eines solchen Gruppen- und Selbst-Prozesses festzuhalten
- und sie - noch interessanter - um eine neue Dimension des Unbewussten zu bereichern.
      Es zeigt sich nämlich, dass beim Aufschreiben, nachdem man die ersten konkreten Erfahrungen der vorangegangenen Stunden festgehalten hat, sich plötzlich »aus der Tiefe« andere, teilweise verschüttete Erfahrungen zu Wort melden, die gewissermaßen von alleine »in die Feder fließen«. Es ist dies eine Erfahrung, die jedem Berufsschriftsteller vertraut ist: dass sich nämlich das Schreiben bald selbständig macht. Beim Verfassen literarischer Texte ist dies wahrscheinlich früher und stärker der Fall als beim Schreibeneines Sachartikels. Man muss nur begreifen, dass dies kein Nachteil ist, sondern, ganz im Gegenteil, eine Grundvoraussetzung jeder kreativen Tätigkeit.
      Vor allem Anfänger neigen dazu, sich »am Riemen zu reißen« und die unbewussten Einflüsse einzudämmen; aber ich kenne auch langjährige Profis, die diese Lektion noch nicht wahrhaben wollen und sich lieber heroisch mit ihren Schreib-Blockaden quälen, bis hin zum Alkoholismus und sogar zum Selbstmord; bei Hemingway findet man beides, und nicht nur bei ihm.
     

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Die  Gruppe  als  Ko-Autor  »selbst  gewählte  Familie«    





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