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Aufspaltung in Innere Gestalten



Im Jahr 1960 wurde in der Bundesrepublik Deutschland die unvorstellbare Zahl von 22 524 verschiedenen Büchern verlegt. 1982 waren es fast dreimal , 2001 waren es schon fast viermal soviel . Und auf der Frankfurter Buchmesse dieses Jahres werden es kaum weniger sein - aus aller Herren Länder mehr als 300 000 Titel.

      Man könnte angesichts solcher Zahlen die Horror-Vision bekommen, dass irgendwann jeder Mensch, der meint, eine originelle Idee zu haben oder etwas Außergewöhnliches mitteilen zu müssen, darüber ein Buch schreiben wird.
Aber warum eigentlich nicht? Diese Bücher müssen ja keineswegs in den Buchhandlungen ausliegen, und wenn ja, dann vielleicht nur in ganz bestimmten Läden, spezialisiert auf solche Literatur. Oder auf einer Archiv-Website im Internet. Die Selbsterfahrungstexte, von denen in diesem Buch die Rede sein wird, könnten so etwas wie das Zeugnis der zunehmenden Selbstbefreiung des modernen Menschen werden, die sich hier und heute beobachten lässt. Vieles davon, wenn nicht das meiste, wird im Selbstverlag erscheinen und nur an einen sehr kleinen Leserkreis verteilt werden . Noch mehr dieser Texte werden wahrscheinlich überhaupt nie gedruckt erscheinen, sondern nur vorgelesen werden.
      Wir haben heute ja schon einen gespaltenen Buchmarkt: einen, der die Massenliteratur und die Bestseller produziert und verteilt. Und dann den anderen, mit seinen »Mini-Pressen« und den mit ihnen sympathisierenden Buchläden, der »alles Ãobrige« zwischen zwei Buchdeckel presst, manchmal sogar einen Bestseller produziert und eine eigene Gegen-Buchmesse abhält. Geldverdienen ist in dieser zweiten Buchwelt oft eher schon Nebensache. Worauf ich jedoch ziele, das ist eine dritte Textwelt, die noch viel bescheidener auftritt; man könnte sie die »Mikro-Pressen« nennen. Ein Beispiel: die selbst getippten und oft nur in wenigen Dutzend Auflage selbst kopierten oder im Klein-Offset hergestellten Anthologien mit Geschichten, die in Schreib-Werkstätten entstanden sind. Von Geldverdienen ist da nun gar keine Rede mehr. Wer, von einer »höheren« professio-nellen Warte aus, die Stirne über derlei Produkte runzelt, und zwar meist, ohne sie zu kennen, sei gewarnt. Dort entstehen Texte, die zusätzlich zu ihrer Frische und Authentizität noch den üblichen ästhetischen Ansprüchen genügen, mit denen sich so manche hoch gelobte Literatur leider viel zu häufig ausschließlich begnügt.
      Die Schrift-stellerei ist, je nachdem man sie treibt, eine Infamie, eine Ausschweifung, eine Tag-löhnerei, ein Handwerk, eine Kunst, eine Tugend ...

      Friedrich von Schlegel
Mit dem vollen Bewusstsein dieser komplizierten, buchüberladenen Situation veröffentliche ich nun selbst ein weiteres Buch ... Warum?
Warum wird so viel geschrieben? Warum schreibe ich dieses Buch über das Schreiben? Für mich kann ich diese Frage gerne beantworten. Ich wollte mir endlich einmal klar werden über Sinn und Zweck meines eigenen Schreibens. Außerdem bin ich selber der Meinung, »eine originelle Idee zu haben oder Außergewöhnliches mitteilen zu müssen« - zum Beispiel das Konzept des »Inneren Schreibers«. In ihm vermute ich die Quelle aller Inspirationen und Kreativität, die einem beim Schreiben zugänglich wird . Dieses Buch entstand nicht zuletzt auch deshalb, weil ich diesem Inneren Schreiber in mir selber näher kommen, ihn besser kennen lernen wollte. Und vor allem deshalb: weil ich besser verstehen wollte, warum er oft gerade nichtdann oder nicht das will, was ich tun möchte . Dieses Buch ist also auch so etwas wie die Zwiesprache zwischen mir und meinen Inneren Gestalten - von denen der »Schreiber« ja nur eine unter vielen ist.
     

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Aufspaltung  Innere  Gestalten    





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