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Einengung: Der Begriff der kulturhistorischen "Fremde



Erst die Literaturwissenschaft der letzten zehn Jahre hat einen Begriff davon erbracht, unter welchen Bedingungen sich der Leseakt vollzieht, wo die Möglichkeiten und wo die Grenzen der " Vereindeutigung" eines literarischen, zumal eines fiktionalen Textes liegen. Diese Problemstellung ist immer dann in den Vordergrund gerückt worden, wenn Erkenntnisse angrenzender Wissenschaften, der philosophischen Hermeneutik, der Kommunikationstheorie, der Linguistik, aufgegriffen wurden. Mit dem Verständnis für die historische Positionalität des literarischen Textes einerseits, des Leser andererseits ist auch die Einsicht in die historische Distanz zwischen Text und Leser gewachsen. Diese Distanz ist nicht nur eine der Zeit, sondern auch eine des Raums. Über sie hinweg wird Text-Sinn nicht einfach als Reaktivierung von Bedeutung erzeugt, sondern in einem Dialog zwischen selbständigen Subjekts-Positionen. Die vom Rezipienten am Text erfahrene Andersheit ist dabei nicht nur Widerstand, Verständnishindernis, Verundeutlichungskomponente, sondern auch und vor allem die Voraussetzung dafür, daß das rezipierende Subjekt sich seiner Besonderheit bewußt werden kann, indem es die Chance wahrnimmt, sich gegenüber dem lesend erlebten Anderen als Selbst zu formulieren. Historische "Fremde" ist also in diesem Zusammenhang als Kategorie einer konstruktiven Dialektik zu verstehen.
      Germanistik als Fremdsprachen- Philologie ist, indem sie deutsche Literatur verschiedener Epochen an Studierende anderer Sprach- und Kulturbereiche zu vermitteln sucht, auf die Kategorie der Fremde besonders verwiesen,- selbst wenn es so aussehen sollte, als sei gerade das Literaturgespräch mit Ausländern fremder Muttersprache kein geeigneter Rahmen für komplexe Methodenerwägungen. Denn die Komplexität ist, ob man es sehen will oder nicht, eine der realen Vermittlungsbedingungen in der Fremdsprachenphilologie, so daß ihre Aufhellung nur eine Klärung der konkreten Arbeitsbedingungen dieses Wissenschaftsbereichs bedeutet. Die hermeneutische Reflexion ist hier also in besonderem Maße Selbstreflexion einer Wissenschaft.
     

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