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| Es war ein lächelnder Gerichtshof, vor dem
er dringend sich seinen Freispruch verbat.
Ludwig Hardt Wenn ich das unheimlichste und
stärkste Buch der letzten Jahre: Franz Kafkas
(im Verlag Die Schmiede zu Berlin) aus der
Hand lege, so kann ich mir nur schwer über
die Ursachen [ ... ] |
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| Das ist nicht wahr, wenn die Leute behaupten,
Träume seien verschwommen. «Jeder ist, während
er träumt, ein Shakespeare», sagt der Weise,
und noch im unsinnigsten Phantasma der Nacht
stehen Konturen und Farben unverrückbar fest.
Bäume zum Greifen und saftig grün, und in
den Gesichtern der Geträumten [ ... ] |
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| Und falls dieses Buch eine neue Odyssee
ist -: ich will mich lieber vor der Odyssee
blamieren, als, getreu nach Vaihinger, so
tun, als ob... Los. Wenn 1585 Seiten auf einen
heruntergedonnert kommen, dann darf man wohl
zunächst eine Weile verdutzt schweigen. Mit
und ist es nicht getan - der verdie [ ...
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| Eine gute Eigenschaft Berlins: man kann
die Stadt nicht jahrelang bluffen. Eine bessere
Eigenschaft Berlins: in der Literatur nützen
weniger als man glaubt; Besuche bei Kritikern
wären lächerlich (sind in Paris gang und gäbe)
—, in Berlin setzt sich die starke Kraft
sehr oft allein durch. Eine sc [ ... ] |
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| S. J. hat hier so oft auseinandergesetzt,
wer und was Karl Kraus ist, daß mir zu tun
fast nichts mehr übrig bleibt. Kraus hat nun
(im Verlag der Schriften von Karl Kraus, München,
Luisenstraße 31) zwei Bände erscheinen lassen:
— dieselben, die in Nummer 17 Eduard Saenger
besungen hat. Er wird mic [ ... ] |
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| Ehret eure deutsdien Meister! Im vorigen
Frieden — als ich noch ein kleiner Junge
war und sehr verliebt—: da ging mir eines
Tages das Geld aus. Das kann vorkommen. Und
Kitty brauchte eine goldne Armbanduhr. Und
da ging ich hin ... ich schäme mich ja furchtbar,
aber es ist doch wahr . . . und ve [ ... ] |
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| Der Dreiundachtzigjährige ist im vorigen
Jahre gestorben; und wenn Hermann Hesse nicht
seine Gedichte (bei Georg Müller) herausgegeben
hätte, wüßten wir gar nichts von ihm. So aber
wissen wir alles. Nur: die Deutschen lesen
solche deutschen Gedichte nicht. Kurt Hiller
hat einmal von der Lyrik gesag [ ... ] |
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| Wilhelm Schäfer hat es in Norddeutschland
nicht leicht. Der hysterische Haß, womit ihn
Literaten verfolgen, reicht nicht bis zum
Rhein, wo ein ruhiger Mann eine schöne Zeitschrift
herausgibt — — und uns ein gutes Buch
nach dem andern beschert. In den dreiunddreißig
Anekdoten waren schon Meister [ ... ] |
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| Unter den vielen Biographien, die zur Zeit
auf uns herunterprasseln, scheint es mir eine
zu geben, die nicht zu schreiben ist: das
Leben Jesu. Der Mann ist nicht gewesen, und
es ist sehr bezeichnend, daß die guten Bücher,
die über ihn handeln, ganz etwas andres zum
Thema haben als ihn und seine höc [ ... ] |
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| Die Zensur ist fort. Es ist nicht zu merken:
die Zeitungen erscheinen in derselben Tonart
wie vor ihrem Fall, das Einerseits-Andrerseits,
das Erwägen nach beiden Seiten, das zage Streicheln
ist geblieben. Man hätte meinen sollen, daß
nach dem Sturz des Zensors die Luft im Kessel
mit einem Knall d [ ... ] |
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| Wer, um sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen
Vermögensvorteil zu verschaffen, einen andern
durch Gewalt oder Drohung zu einer Handlung,
Duldung oder Unterlassung nötigt . .. Ein
politisches Lehrbuch der Fauna Germanica,
wie man es sich nicht besser wünschen kann:
'Bauern, Bonzen und Bomb [ ... ] |
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| Aber es wäre unnütz, eudi zu raten. Die
Gesdilechter müssen vorübergehen, der Typus,
den ihr darstellt, muß sich abnutzen: dieser
widerwärtig interessante Typus des imperialistisdien
Untertanen, des Chauvinisten ohne Mitverantwortung,
des in der Masse verschwindenden Machtanbeters,
des Autoritätsglä [ ... ] |
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| Der mathematische Grundriß zu Heinrich Manns
Roman , jene erste Arbeit, mit der der Aktivismus
in Deutschland eingeführt wurde, das heißt:
der Gedanke, daß ein Parteiprogramm, das den
Leuten nicht in allen Geschäften des Tages
wehe tut oder sie anfeuert, zu nichts nutz
ist. Er enthält des weitern de [ ... ] |
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| «Es ist wahr», erwiderte Angelus, «ohne
zu sehen, bist du gegangen, ohne zu wissen,
hast du gehandelt, keinem hast du vertrauen
dürfen.» [ ... ] |
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| Wenn die Operettenautoren Haskel und Jablonski
einen Schmarren 'Anneliese von Dessau> zusammenschustern
und ein fetter Tenor, ein bieriger Baß und
zwei kreischende Sopran-Nutten unter Zuhilfenahme
von etwas Statisterie, bengalischem Licht
und einem Eßlöffel voll Deutschland, Deutschland
über alles ! [ ... ] |
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| Benaröne> heißt eine entzückende kleine
Geschichte von Arnold Zweig (im Roland-Verlag
zu München erschienen). Das liest man mit
großer Freude und unter beständigem Schmunzeln.
Es ist eine Schulgeschichte. Nun ja, Onkel
Thomas Mann blickt segnend hernieder (ohne
den großen Schulvormittag aus den 'Bud [ ...
] |
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| In der vorbildlich noblen und sachlichen
Art, in der der Verlag S. Fischer seine Autoren
fördert, hat man dort auch den fünfzigsten
Geburtstag Hermann Hesses begangen. Hugo Ball
hat ein Buch über das Leben und das Werk des
Geburtstagskindes geschrieben. (Hugo Ball
charakterisiert. «Er ist der Stepp [ ... ] |
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| Wer Hermann Hesse lieb hat, den wird dieses
Buch (aus dem Verlag S. Fischer) sehr interessieren.
Hesse ist jetzt siebenunddreißig Jahre alt
und der lange her. Hesse hat die Welt seines
erfolgreichsten Buches noch ein paar Mal gestaltet,
und jedes Mal stärker, bewußter; am schönsten
wohl im , im . [ ... ] |
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| Wenn ein Buch erschienen ist, dann machen
sie sich darüber her, und die Redaktionen
hallen wider vom Rascheln der Manuskripte,
die alle, alle dasselbe mitteilen: Man lese
das neue Buch «Schwester Maria und frühes
Leid> von Gebr. Mann! Und dann vergeht eine
Zeit; ein Literat, der grade die Grippe ge
[ ... ] |
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| Fremde Literaturen von innen zu sehn: das
ist uns nicht oft vergönnt. In Paris habe
ich die Nasenspitze in diesen Laden gesteckt
— schön wars nicht, es roch auch nicht gut.
Die bessern Leute verhalten sich dort still
oder sitzen in der französischen Provinz,
und in die Augen springt das Gelle, das [
... ] |
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| Hier sind die amerikanischen Buddenbrooks.
Wenn Hanno nicht frühzeitig amTyphus gestorben
wäre, sondern eine ehrbare lübecker Kaufmannstochter
geheiratet hätte, deren zweiter Sohn dann
später — — nach Amerika ausgewandert wäre:
dieser Herr von Sinclair Lewis (bei Kurt Wolff
in München erschie [ ... ] |
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| (John Dos Passos [ ... ] |
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| Land ist ewig. Geld ist nicht ewig. Darum
kann man Land nicht gegen Geld vertauschen.
Einmal habe ich gefragt, warum denn die deutschen
Autoren die Herren Geschäftsleute gar so jämmerlich
abbildeten: immer im Auto, immer Millionenschecks
unterschreibend, immer mit der Türkei tele-
fonierend und [ ... ] |
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| Im Studio des Champs Elysees, einem der
wenigen pariser Theater, in dem neben Jouvet
überhaupt noch experimentiert wird, startet
ein neues amerikanisches Stück: 'Die Rechenmaschine'
von Eimer L. Rice. Haben Sie schon mal im
Theater geschlafen? Ich treibe immer unter
der Bank Allotria, besonders [ ... ] |
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| Man nennt mich Zimmermann. Upton Sinclair
In Nummer 26 des XX. Jahrgangs haben wir [
... ] |
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| Südamerika ist krumm. Joh. Aug. Galletti
(1750-1828) Beschäftigt mit meinem Werk: [
... ] |
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| Morgenstern ist der Busch unsrer Tage. Wie
unsre Väter sich an den niederdeutschen Holzschnittzeichnungen
des großen Philosophen ver-lustierten —
unter uns: in dieser Beziehung bin ich mein
eigner Papa —, so kugelt sich ein ganzes
junges Geschlecht über Palmström, Korfen und
Muhme Kunkel, daß es [ ... ] |
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| Es war einem Berufenem überlassen worden,
das herrliche Buch aus dem Nachlaß Christian
Morgensterns: (bei R. Piper & Cie. in München)
eingehender und tiefer zu würdigen, als ich
imstande gewesen wäre. Ich möchte nur eines
dazu sagen. Es ist mir und meinen Freunden,
die an diesem Blatte mitarbeiten [ ... ] |
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| Daß Morgensterns in achter und sein nun
in sechster Auflage vorliegen, freut einen
doch. Denn das heißt immerhin, daß es in Deutschland
zwanzigtausend Leute gibt — Käufer und Leser
— die an derlei Dingen Vergnügen empfinden.
Woran? Sicher nicht nur an der unheimlichen
Kunst, so Kompliziertes [ ... ] |
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| Es gilt ja vielleicht nicht für fein, ihn
ernsthaft literarisch zu werten. Seine Schuld.
Er begeht die Unklugheit, überall mitzutun:
mit den 'Fliegenden> harmlos blöd zu sein,
mit den lustig, mit noch andern witzig, mit
dem bissig. Das Bild verwischt sich, und der
Künstler kommt nicht allzu gut we [ ... ] |
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| Über den Kriegsberichterstatter Roda Roda
wäre mancherlei zu sagen. Als meine alte Liebe
damals in die Pressequartiere der österreichischen
Brigaden stieg, trauerte ich tief und anhaltend.
Es war schade um den Mann. Er hat dann eine
Reihe Feuilletons geschrieben, die ich lieber
nie gelesen hätte †[ ... ] |
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| Man stelle sich vor, daß man zum Abendessen
einen netten Bekannten erwartet, der grade
aus Amerika zurückgekehrt ist. Er kommt, es
wird gegessen, und nachher sitzen alle in
der kleinen Kaffee-Ecke des Wohnzimmers zusammen,
man streckt behaglich die Beine aus und sagt:
«Na, alter Junge — nun erzähl [ ... ] |
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| Meine sehr mäßige deutsche Schulbildung
langt nicht, um Ihnen zu sagen, wie man einen
Stein nennt, an dem ein Stückchen Quarz sitzt
und ein Stückchen Glimmer und ein bißchen
sowas und bißchen sowas... Diesen lateinischen
Namen also weiß ich nicht. Aber solch ein
Buch gibt es. Es ist so ziemlich das [ ...
] |
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| Neulich habe ich hier davon erzählt, wie
mir in den sechs so sehr zu empfehlenden Bänden
des von Roda Roda (erschienen bei Albert Langen)
im letzten Band ein Mann aufgefallen ist,
dessen Humor völlig neuartig erscheint: Jaroslav
Haäek. Ein pariser Leser der hat uns dann
einiges vom Lebenslauf dies [ ... ] |
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| ist erschienen — der Dritte und der Vierte
stehen uns noch bevor — also für die Lachlust
in diesem Winter ist ausgesorgt: kein Artikel
eines preußischen Kunstkonservators, keine
deutsche Briefmarke, kein deutscher Juristentag
ist vonnöten, um ungeheure Heiterkeit zu erregen
— Schwejk ist da! S [ ... ] |
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| Es ist ein Jammer, daß es keinen rechtschaffenen
Teufel mehr gibt. Jetzt behilft man sich da
mit den Welschen, mit den Juden, mit den Radfahrern,
mit dem Vertrag von Versailles .'.. aber das
Richtige ist das alles nicht. Immerhin muß
einer da sein, der schuld ist. Gehts gut,
dann haben wir es herrli [ ... ] |
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| Eine schreibende Frau mit Humor, sieh mal
an! Irmgard Keun (erschienen bei der Deutschen
Verlags-Aktiengesellschaft Universitas in
Berlin). Ungleich, aber sehr vielversprechend.
In der ersten Hälfte des Büchleins wimmelt
es von ziselierten Einzelheiten. Schilderung
der Fahrgäste in der Straßenbahn [ ... ] |
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| Da drüben an der Wand hängt er, das Bild
hat er mir selbst geschenkt, und auf die Rückseite
hat er etwas draufgeschrieben. Der Kopf mit
der grauen Maurerfreese sieht an Herrn Courteline
vorbei. («Wir kenn uns zwah nich vaständijen»,
sagt das Bild, «aber wir leben in Freundschaft.
Valleicht jrade des [ ... ] |
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| «Stirbt die Kunst?» — Diese seltsame Frage
ist jetzt zum zweiten Male aufgetaucht. Schon
vor Jahresfrist hatte Moszkowski, der Chefredakteur
der 'Lustigen Blatten, die Frage gestellt,
in etwas unklarer Weise behandelt und schließlich
bejaht. Jetzt kommt ein Berufener, um sie
abermals zu stellen u [ ... ] |
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| Ein erschütterndes Zeitdokument liegt vor
mir: , Aufsätze aus den Jahren 1914—1916
von N. Lenin und G. Sinowjew (bei Carl Hoym
in Hamburg). Die fünfhundert bedeutendsten
Seiten, die im Kriege geschrieben worden sind.
Die Verfasser flüchteten bei Kriegsausbruch
aus dem österreichi- sehen Galiz [ ... ] |
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| Wir haben nun genügend Distanz zu den Dingen
gewonnen. Der heiße Zorn über die Offizierskaste
und ihren Ungeist ist verraucht — wir haben
nun Muße gehabt, durch neues Material unser
Urteil zu bestärken. Das deutsche Offizierkorps
hat im Kriege seine Vorgesetzten-Pflichten
nicht erfüllt; es hat se [ ... ] |
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| Emil Ludwigs Buch über Wilhelm II. (erschienen
bei Ernst Rowohlt) ist einzig nach seiner
Wirkung zu beurteilen. Hier ist zum ersten
Mal eines aus der Opposition, das an indifferente
Intellektuelle der Provinz herankommt, an
Schichten, die wir niemals erreichen, und
die unsre Bestrebungen nur aus [ ... ] |
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| Lassen Sie mich in Ruh. Der Krieg langweilt
mich schon lange. Leopold Graf Berchtold Dies
ist das stärkste Buch Emil Ludwigs — eine
journalistische Leistung ersten Ranges. {'Juli
14», im Verlag Ernst Rowohlt zu Berlin.) Journalistisch
deshalb, weil Geschehnisse plastisch wiedergegeben
werden; hi [ ... ] |
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| Vater, ich rufe dich! Brüllend umdräut mich
der Dampf der Geschütze! Theodor Körner Rauh
hat das Schwert den alten Traum zerschlagen.
So lang bewahrt auf tiefstem Herzensgrund:
Geeint in Freiheit sollte Deutschland ragen,
Ein Bund des Volkes, nicht ein Fürstenbund!
Albert Tracger Ob sie sich hi [ ... ] |
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| Ich klingelte. — «Wohnt hier Herr Mynona?»
— «Wer?» sagte die Haushälterin, die mir
geöffnet hatte. — «Mynona», sagte ich; «Mynona,
über den wir so viel und mit so viel Nachdenken
gelacht haben - ein lachender Philosoph, denken
Sie, was das in Deutschland heißt! Ein Mann,
der auf dem Grunde [ ... ] |
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| Habe des Süßen und Sauren viel genossen
— aber des Sauren war mehr. Der Alte Dessauer
Arthur Holitscher hat seine Erinnerungen geschrieben,
und sechsundfünfzig Jahre Mitteleuropa ziehen
an uns vorüber. (. Im Verlag S. Fischer.)
Ein Rebell —? [ ... ] |
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| Der Zusammenhang zwischen der bildenden
Kunst und dem Leben ist nicht ganz aufgeklärt.
Es ist noch nicht heraus, ob die Damen in
England um 1830 so ausgesehen haben, weil
Burne-Jones sie so hingehaucht hat, oder ob
er so malte, weil sie so aussahen. Jedenfalls
waren sich beide einig: der Maler und [ ...
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| (Ja, du kriegst deine Besprechung —!)
Egon Erwin Kisch,der tschechische Journalist,
hat (bei Erich Reiß in Berlin) ein bunt eingeschlagenes
Buch herausgegeben: [ ... ] |
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| In dieser Ecke der Bibliothek pflegen zu
stehen: der alte (recht langweilig und würdig
von Paul Ernst bearbeitet); der [ ... ] |
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| Deutschland, die verfolgende Unschuld. Karl
Kraus Zu den Bibeln des Deutschtums, wo es
am knastrigsten ist, gehört auch ein dicker
Wälzer, von Hans Grimm. Der Mann hat in Deutsch-Südwest
gelebt und hat vor dem Kriege einige beachtliche
Novellen veröffentlicht. (; alle seine Arbeiten
sind bei Alber [ ... ] |
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| Es ist mir eine Freude, ein kleines neues
Buch Otto Flakes anzeigen zu dürfen, den ich
neben Heinrich Mann für unsem bedeutendsten
Essay- isten halte. Dergleichen geht uns am
meisten an. «Das kleine Logbuch ist bei S.
Fischer erschienen, und es paßt in jede Manteltasche.
Ob es auch in jeden Kopf p [ ... ] |
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| Während die demokratische Republik Deutschland
den dunkeln Spießbürger Herrn Külz in den
des Völkerbundes gegen Erdbeben und Überschwemmungen
delegiert, wo der Maire von Zittau zusammen
mit dem reaktionären Roten Kreuz gute Figur
machen wird; während der Reichskanzler Luther,
jeder Kubikfuß ein Ko [ ... ] |
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| «Versuchen wir die drei großen Systeme:
Freud—Adler—Jung möglichst 'kurz in ihrem
innern Wesen (nicht in ihren ausgesprochenen
Lehren) zu fassen, so könnte man vielleicht
sagen: In Freuds Forschungsarbeit spürt man
überall den heißen Atem der Großstadt. Die
Überhelle, die blendende Dialektik g [ ...
] |
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| Daß in Deutschland sich um die Probleme
des Tages einer müht, der nicht befürchtet,
sich mit seiner Opposition in aussichtslosen
Widerspruch zu der Realität zu setzen, ist
so selten, daß es gebucht werden will. Brauchen
wir nicht eine Stärkung von außen? Macht es
nicht Mühe, tagaus, tagein dasselbe [ ...
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| Wenn Sie sich noch besinnen, was eine Bierzeitung
ist: da ist ein Buch erschienen, das ist im
besten Sinne eine Weinzeitung, eine Sektzeitung,
eine Whiskyzeitung. Es ist ungeheuer amüsant.
Es heißt: [ ... ] |
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| I. Als Gottes Atem leiser ging Als ich noch
die Weisheit der Welt in aufgeplatzten Mappen
aus der Berliner Staatsbibliothek nach Hause
trug, war auch einmal ein kleines Büchlein
darunter: 'Schopenhauer als Verbilden von
einem Grafen Keyserling, dessen Name keinerlei
andre Assoziationen erweckte, al [ ... ] |
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| Und daraus ergibt sich völlig unzweideutig
zweierlei, was künftige Kritiker wohl berücksichtigen
mögen: Erstens, daß Graf Keyserling bis heute
trotz aller Wirkungskraft und sogar Popularität
seiner Persönlichkeit nahezu ebenso unverstanden
ist, wie es Nietzsche bei Lebzeiten war. Und
zweitens, daß e [ ... ] |
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| Subordination ist das fortgesetzte und mit
Erfolg gekrönte Bemühen eines Untergebenen,
dümmer zu scheinen, als der Vorgesetzte ist.
Deutscher Kriegsartikel Das hat jeder erlebt
—: wenn man das erstemal eine Eisenbahnstrecke
fährt, paßt man auf jeden Baum am Wege auf.
Beim dritten Mal legt sich d [ ... ] |
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| Aus dem Antisemitismus kann erst etwas Richtiges
werden, wenn ihn ein Jude in die Hand nimmt.
Roda Roda So um die zehnte Abendstunde, wenn
die Luft in den Kneipen schon etwas dick geworden
ist und der Alkohol die Gehirntätigkeit verlangsamt
hat; um die zehnte Abendstunde, wenn die Stammtischru
[ ... ] |
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| Da laßt mich mal ran. Dieses Buch will besprochen
sein. Dieses Buch ist: , verfaßt von Arnolt
Bronnen (erschienen bei Ernst Rowohlt zu Berlin);
heißt: Oberschlesien. Ausgezeichneter Einband:
eine graue Generalstabskarte der Gegend, die
Demarkationslinie zwischen Polen und Deutschland
blutrot einge [ ... ] |
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| «rapprochement (raprosdimä) m. 1. Zusammenrücken
n, Wiederannäherung f; (rtfunion) Vereinigung
f. 2. fig. (reconciliation) Annäherung ^Versöhnung
f» Sachs-Villatte Die pariser vom 19. Juli
enthält auf der ersten Seite folgenden Artikel:
Das merkwürdige Schamgefühl [ ... ] |
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| Was Literaturkritik sei, das haben die verschiedenen
literarischen Kulturen und ihre großen Schriftsteller
und Kritiker in ganz unterschiedlicher Weise
definiert. In der angelsächsischen Welt versteht
man unter »criticism« eine vernünftige und
systematische, dem >common sense< verpflichtete
Erörteru [ ... ] |
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| Das Bedürfnis, auf Kunst zu reagieren und
sich über die Erfahrung von Kunst auszutauschen,
ist sicher so alt wie diese selbst. Wir wissen
wenig darüber, wie die Zuhörer der homerischen
Epen, die Zuschauer der attischen Tragödie
oder das Publikum des höfischen Romans im
Mittelalter ihre Erlebnisse ar [ ... ] |
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| Diese sehr verallgemeinerten Bestimmungen
lassen sich umsetzen in eine historische Typologie
der Grundformen von Literaturkritik, in der
ihre Geschichte nicht als Entwicklung, sondern
als immer wieder neue, konkreten Bedürfnissen
entspringende Ausformung fortdauernder Möglichkeiten
erscheint. In ein [ ... ] |
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| Wo liegt die Instanz für die Kritik der
Kritik ? Gibt es, jenseits von pädagogischen
Funktionszuweisungen, ein inneres, literarisches
Kriterium ihrer Selbstkritik ? Man könnte
meinen, es sei die Interpretation, der logische
Nachvollzug der Texte. Und in der Tat ist
richtig, daß noch die rudimentärst [ ... ] |