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Tierliteratur



Literarische, meist in epischer Form verfaßte Werke, in denen Tiere im Mittelpunkt stehen . Schon in den ältesten überlieferten Dichtungen der —»Weltliteratur begegnen Tiere mit menschlichen oder auch göttlichen Charakterzügen. Häufig werden menschliche Verhaltensweisen und Verhältnisse auf Tiere übertragen, um in didaktisch-satirischer Absicht Kritik zu üben. In Tiermärchen treten Tiere oft als gutmütige Helfer von Personen auf, die unschuldig in Not geraten sind, aber auch - wie der böse Wolf in «Rotkäppchen» - als Feinde. In Gesellschaften, die eng mit Tieren zusammenleben, wird versucht, in Sagen die Herkunft und Eigenarten der Tiere zu erklären. Am weitesten verbreitet sind Tierfabeln, die schon in der ägyptischen und indischen Literatur anzutreffen sind. Für die abendländische Tradition der Tierfabel sind die didaktischen Fabeln desgriechischen Dichters Äsop von überragender Bedeutung. Das griechische Sammelwerk «Physiologos» , das vermutlich im 2. nachchristlichen Jahrhundert in Alexandria oder Syrien entstand, ein Erzählwerk über reale oder phantastische Tiere und Pflanzen, wirkte nachhaltig auf die mittelalterliche Tierdichtung. Seit dem —> Mittelalter wurde der Fuchs Renart zur bedeutendsten literarischen Figur der folgenden Tierdichtung. Auf dem altfranzösischen «Roman de Renart» beruht u. a. das erste deutschsprachige Tierepos «Reinhart Fuchs» des elsässischen Dichters Heinrich der Glichezaere. Seine Wirkungen reichen bis zu Johann Wolfgang Goethes satirisch-gesellschaftskritischem Hexameterepos «Reineke Fuchs» . Die europäische Tierfabel wurde im 17. Jahrhundert durch Jean de La Fontaine wiederbelebt. Im 18. Jahrhundert schrieben in Deutschland u. a. Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Christian Fürchtegott Geliert, Gotthold Ephraim Lessing und Johann Gottfried Herder vielgelesene Tierfabeln. Diese Tradition der Tierdichtung reicht bis zu George Orwells Roman «Farm der Tiere» . Im Tierroman bzw. der Tiererzählung des 19. Jahrhunderts werden Tiere zu literarischen -*, denen ohne Zuschreibung menschlicher Eigenschaften eine eigene Existenz zugestanden wird. Im 19. und 20. Jahrhundert treten in der Tierdichtung auch Konstellationen auf, in denen das Schicksal des Menschen mit dem gelegentlich dämonisch gezeichneten Tier verknüpft wird . Besonders häufig kommen Tiere als Objekte des Mitleids oder vermenschlichte Figuren in der —> Kinder- und Jugendliteratur vor.

     


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