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Symbolismus




Der Begriff wurde von Jean Morias geprägt, der am 18.8.1886 in der Literaturbeilage der französischen Zeitung Le Figaro sein Manifest des Symbolismus veröffentlichte. Dabei war das nichts Neues: Schon seit gut 40 Jahren gab es Dichter, zunächst einzelne, dann immer mehr, die symbolistisch schrieben, und zu Zeiten Morias war schon eine literarische Strömung, um nicht zu sagen Mode, daraus geworden.

      Als erster bedeutender Symbolist geht Charles Baudelaire in die Literaturgeschichte ein. 1857 veröffentlichte er den Gedichtzyklus «Die Blumen des Bösen» , der bald nach Erscheinen Gegenstand eines Gerichtsprozesses wird. Baudelaire wird zu einer Geldstrafe und zur Streichung von sechs Gedichten verurteilt wegen der «verderblichen Wirkung der Bilder, die er den Leser sehen läßt, und die, in den beanstandeten Stücken, durch einen krassen und das Schamgefühl verletzenden Realismus notwendig zur Aufreizung der Sinne führen». Der Wirkung tat das jedoch keinen Abbruch. Wie kaum ein zweiter Gedichtzyklus des 19. Jahrhunderts haben Baudelaires «Fleurs du mal» die Entwicklung der modernen —»Lyrik beeinflußt. Die Spannung der Gedichte rührt aus dem Kontrast zwischen klassischer Form und eigenwilligem Inhalt her. In rätselhaften, oft mit Todes-metaphorik durchsetzten Bildern beschreibt Baudelaire die Zerfallserscheinungen der Zivilisation. In den nur schwer zu übersetzenden Gedichten durchdringen christliche und satanische —» Symbole einander, Schönheit wird mit Bildern des Schreckens durchsetzt. So beginnt die «Hymne an die Schönheit» :
«Stiegst du vom Himmel, aus denschlimmen Gründen, O Schönheit? Himmels und der Hölle
Schein, Schenkt aus dein Blick die Guttat unddie Sünden, Und drum vergleicht man füglich dichdem Wein.»
Der Mensch ist das «vollkommene Raubtier», eine armselige Kreatur, die wenig gemein hat mit dem Menschenbild Jean-Jacques Rousseaus und der—»Aufklärung. Die Entrechteten und Ausgestoßenen, Lumpensammler, Trinker und Mörder, sind es, die die dichterische Welt Baude-laires bevölkern und ihm zur Beschreibung des Menschseins schlechthin dienen. Der symbolistische Lyriker Paul Verlaine schreibt über die «Blumen des Bösen»: «Ich vergleiche diese seltsamen Blumen mit den seltsamen Versen, die ein taktvoller Marquis de Sade schriebe, wenn er die Sprache der Engel beherrschte.» Die Bildsprache Baudelaires wirkt nachhaltig auf die Generation der Symbolisten, die sich in den siebziger und achtziger Jahren in Frankreich, dann aber bis ins 20. Jahrhundert hinein auch in anderen europäischen Ländern verbreitet.
      Im Unterschied zur gleichzeitigen Strömung des —»Realismus, später des —»Naturalismus, vertreten die Symbolisten einen krassen —> Ästhe-tizismus, der in der Parole —»l art pour l art zusammengefaßt ist. Sprache und Dichtung, aber auch die Lebenserscheinungen ingesamt verstehendie Symbolisten als Zeichen, hinter denen sich tieferliegende, eigentliche Aussagen verbergen. Was sie interessiert, ist nicht die Beschaffenheit der Welt und das Schicksal der Menschen, sondern das Geheimnis des dichterischen Kunstwerks, das den Eingeweihten einen Blick in die verborgenen Bereiche des Lebens gestattet. Mit Hilfe der Sprache wollen sie reine Kunstwerke schaffen, in denen der Text auf mehrdeutige Sprachbilder, die Sprache auf ihren Zeichencharakter, aber auch auf Klang und Rhythmus reduziert wird. In letzter Konsequenz soll der Dichter mit geradezu mathematischer Präzision arbeiten, gemäß der Äußerung Lautrdamonts: «Poesie ist Geometrie par excellence.» Das Ergebnis sind Gedichte und Texte von rätselhafter Schönheit, die nur schwer ins Deutsche zu übertragen sind.
      Es verwundert nicht, daß es im Symbolismus vielfältige wechselseitige Anregungen zwischen Literatur und bildender Kunst gibt. Die Symbolisten setzen der rohen und unbearbeiteten Natur, der sie zumindest keinen ästhetischen Wert beimessen, die Schönheit des Kunstwerks gegenüber. Hier, im Kunstwerk, offenbare sich die menschliche Schöpfungskraft in höchstem Maße, hier könne der Mensch seine edelsten Anlagen zur Geltung bringen. Der symbolistische Dichter fühlt sich als Seher, der sich immer nur an eine kleine Gemeinde von Eingeweihten wendet, so daß die Bildung von Gruppen kennzeichnend ist. Das Haus Stephane Mallarmös in Paris wird ein Treffpunkt, der französische und ausländische Dichter und Maler anzieht.
     

Der deutsche Lyriker Stefan George z. B. hielt sich hier 1889 während seines Besuchs in Paris längere Zeit auf und machte die Bekanntschaft von Mallarme und Verlaine. Von den bedeutendsten französischen Symbolisten sei noch auf Arthur Rimbaud hingewiesen, der 17jährig mit dem Gedicht «Das trunkene Schiff» einen der vollendetsten und zugleich rätselhaftesten Texte vorlegte. Nach einer intensiven und höchst schöpferischen Phase von drei Jahren beendete Rimbaud 1873 seine literarische Arbeit und begann als 19jähriger ein Abenteurerleben in verschiedenen Ländern Europas, in Asien und Afrika. Er starb unbekannt, sein literarischer Ruhm setzte erst später ein. In der deutschsprachigen Literatur sind neben George und dem George-Kreis besonders Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke zu nennen, doch auch im lyrischen Werk der Expressionisten Georg Trakl und Gottfried Benn wird der Einfluß des Symbolismus deutlich.
     


Der symbolismus

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