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Narrenliteratur



Lehrhaft-satirische Dichtung, die besonders im Spätmittelal-ter und bis in die Neuzeit hinein beliebt war. Die Narrenliteratur hat ihren Ursprung in karnevalistischen Bräuchen, in denen die Welt der Vernunft mit ihren Hierarchien und Denkformen umgekehrt und verlacht wurde. Der Narr war der Gegentyp zum vernünftigen Bürger, und so eignete er sich auch in der Literatur vorzüglich dazu, die Fehler und Schwächen der Menschen bloßzustellen. Indem jedoch die Narrheit des Menschen als eines der Grundübel der Welt angeprangert wird, spricht sich in der Narrenliteratur zugleich die Hoffnung aus, durch Ãœberwindung dieser Narrheit die Welt verbessern zu können. Das berühmteste Narrenbuch war das «Narrenschiff» des Elsäs-ser Humanisten Sebastian Brant, das in 112 Kapiteln einen umfassenden Katalog der menschlichen Torheiten aufführt. Seine Absicht ist es, den Menschen dazu anzuhalten, die Torheit zu überwinden: «Zu nutz vnd heylsamer 1er / vermanung vnd er-volgung der wyßheit / vernunfft und guter sytten». Das Buch, das mit einer Vielzahl von kunstvoll-realistischen Holzschnitten versehen war, die zum größten Teil dem jungen Albrecht Dürer zugeschrieben werden, wurde neben der —»Bibel zum größten Bucherfolg vor Johann Wolfgang Goethes Roman «Die Leiden des jungen Werthers» . Brants «Narrenschiff» regte zu einer Vielzahl weiterer Werke an, z.B. Thomas Murners «Narrenbeschwörung» und «Der Schelmen Zunft» . Weitere wichtige Titel sind: Erasmus von Rotterdam «Lob der Torheit» , Hans Sachs «Das Narrenschneiden» und Abraham a Sancta Clara «Ein Kamvoller Narrn» . Auch den Schelmenroman kann man der Narrenliteratur zuordnen.
     


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