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Manierismus




Begriff aus der Kunsttheorie, der zweierlei meint: sowohl einen Stil als auch eine Epoche. Als Stilbegriff versteht man unter Manierismus eine Gestaltungsweise, die es nicht auf die vollendete Abbildung von Naturformen, auf harmonische Schönheit abgesehen hat, was für die Kunstauffassung von —» Klassik und —»Klassizismus charakteristisch ist, sondern auf Ausdrucksintensivierung, die durch groteske Verzerrung und Ãœberbetonung des Starren und Formalen erzielt werden soll und die innere Zerrissenheit der Welt zum Ausdruck bringen will. Die Vorliebe für das Phantasti-sche, Bizarre und Monströse in der Kunst findet in der Literatur ihre Entsprechung in unregelmäßigen, überlangen —» Perioden in der -* Lyrik, in umfangreichen Abschweifungen in —» Roman und —»Erzählung, in übertriebener, oft pathetischer Ausdrucksund Darstellungsweise im —»Drama. Diese Kennzeichen manieristischen Stils finden sich gehäuft in verschiedenen Kunst- und Literaturepochen, z.B. im -»Barock, in der —►Romantik, in der -»Dekadenz und in mehreren Richtungen des 20. Jahrhunderts . Als Epochenbegriff bezeichnet der Manierismus die Phase zwischen -»Renaissance und -»Barock, also im 16. und beginnenden 17. Jahrhundert, in der die genannten Stilformen in der Kunst und etwas später in der Literatur gehäuft auftreten. Die Lyrik in Italien und Spanien , aber auch in England und Deutschland sprengt die klassischen Proportionen. Von der Länge her immer gewaltiger, in der Metaphorik geradezu überbordend machen die Dichter vor keinem Thema halt. So wird der Floh genauso besungen wie jeder Körperteil der Geliebten, das eigene Spiegelbild oder der eigene Schatten. Auch die große Nase der Geliebten eignet sich wie in diesem Gedicht von Alessandro Adimari für ein-»Sonett.

      «Die schöne Groß-Nase

In einer See von Milch und Blut der frischen Wangen
Ist deiner Nase Turm zum Pharus ausgestellt.

     

Damit der Hoffnung Schiff am Felsen nicht zerschellt,
Glänzt ein gedoppelt Licht von oben ausgehangen.
      Recht was dem Himmel schmeckt, muß in die Höhe prangen.
      Cupido, der dein Äug als seinen Bogen hält,

Hat ihm so starken Pfeil mit Fleiße zugesellt,
Daß er uns desto mehr ins Herze könnelangen.
      O Nase, wert dem Stirn-Gebirge beizuwohnen,
Du kannst in dem Gesicht, das aller Hügel rein, Der Klugheit Wetzstein und der Schönheit Brücke sein. Wem deine stolze Zier in Augen ist ein Dorn, Der schmäh den Adler auch, das große Nasenhorn,

Den Naso, den Nasie, und alle Nasa-monen.»
Der Begriff Manierismus wurde früher abwertend für schwülstige Kunst benutzt. Seit den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts ist dieser umstrittene Begriff einer Umbewertung unterworfen, sicherlich auch weil Strukturen der modernen Kunst auf die des Manierismus zurückgeführt werden können.
     


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