Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


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Literaturwissenschaft



Der Begriff Literaturwissenschaft wurde zuerst von Theodor Mundt in seiner «Geschichte der Literatur der Gegenwart» verwendet. Bis ins 19. Jahrhundert waren Theorien und Ideen über Wesen und Erscheinungsformen der Literatur ein mehr oder weniger unsystematisch betriebener Bestandteil der literarischen Produktion und -»Rezeption. Dazu gehörten z.B. normative Regelwerke , Meinungen über die Rolle des Dichters in der Gesellschaft, Ãœberlegungen zum Verhältnis der Dichtung zu anderen Künsten und geistigen Produktionen . Literaturwissenschaft als universitäre Institution und wissenschaftliche Disziplin entsteht im 19. Jahrhundert parallel zur Ausweitung des literarischen Markts, in Deutschland im Zusammenhang mit der Herausbildung eines Nationalstaates . Einerseits meint Literaturwissen-schaft einen Sammelbegriff für die Erforschung der Literatur, ihrer Geschichte, der literarischen -* Gattungen und —»Genres, ihrer besonderen ästhetischen Merkmale ; andererseits bezeichnet sie eine Disziplin der —> Ästhetik, die im Gegensatz zur —»Literaturgeschichte und -»Philologie Methoden der —»Interpretation und Analyse von Literatur entwik-kelt. Die Literaturwissenschaft konzentriert sich traditionellerweise auf literaturgeschichtliche Gegenstände; die Beschäftigung mit und die —»Wertung von neuester Gegenwartsliteratur fällt eher in den Zuständigkeitsbereich der —> Literaturkritik.

      Als historische Wissenschaft, deren Voraussetzungen immer auch von allgemeineren Werten und Zielsetzungen mitbestimmt werden, gehört das Nachdenken über die Geschichte der Literaturwissenschaft selbst zu einem ihrer wesentlichen Merkmale. Generell lassen sich zwei Hauptströmungen unterscheiden: Die geistesgeschichtliche Richtung nähert sich im Anschluß an Wilhelm Dilthey der Literatur durch nachvollziehende Einfühlung und ist um das Verstehen des literarischen Werks bemüht . Die andere Hauptströmung der Literaturwissenschaft begreift sich als eine Wissenschaft von den Gestalten und For-, men der Literatur, die in erster Linie die ästhetische Form, die Mittel und Techniken erforscht. Diese morphologische Richtung mündete nach dem Zweiten Weltkrieg in die sogenannte werkimmanente Methode, deren wichtigster Vertreter Emil Staiger war. Mit der Erforschung derformalen Elemente des literarischen Kunstwerks streben die Vertreter der werkimmanenten Methode den Nachweis einer Ganzheit und Stimmigkeit des jeweiligen Werkes an. Man geht davon aus, daß Form und Inhalt im literarischen Kunstwerk eine Einheit bilden, die von der Literaturwissenschaft dann durch Interpretation nachvollzogen wird. «Das sprachliche Kunstwerk» genügt sich selbst und muß vor allen Versuchen geschützt werden, es ideologisch zu verwerten. Das aber ist wiederum selbst eine ideologische Aussage, da die meisten literarischen Texte keineswegs von politischen oder gesellschaftlichen Aussagen frei sind.
      In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren erweiterte sich das methodische Spektrum in der Literaturwissenschaft erheblich. Im Zuge der Studentenbewegung gewann der historische Materialismus an Bedeutung, der von der Abhängigkeit literarischer Produktion von gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsverhältnissen ausgeht. Wichtiger Bezugspunkt war in diesem Zusammenhang Franz Mehring, der mit seinem im 19. Jahrhundert enstandenen Werk als Begründer des historischen Materialismus gilt. Vielbeachtet waren die theoretischen Beiträge von Georg Lukäcs. Lukäcs versuchte, das vereinfachende Ableitungsverhältnis der Literatur aus den ökonomischen Verhältnissen einer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen . Daneben spielen Ansätze im Umkreis des -»Strukturalismus eine wichtige Rolle. Im Rückgriff auf den russischen Formalismus befaßte man sich mit der Analyse der literarischen Formensprache und setzte linguistische Methoden zur Analyse literarischer Konstruktionsmerkmale ein.
      Der mit dem russischen Formalismus verwandte amerikanische New cri-ticism untersuchte vor allem die poetische Sprache und berücksichtigte dabei die Forschungsergebnisse der modernen Anthropologie, Psychologie und Soziologie. Der anthropologische Strukturalismus, der in Frankreich vor allem von Claude L6vi-Strauss entwickelt wurde, bezieht in die Analyse poetischer Werke außer den linguistisch-formalen Strukturen die Ergebnisse der Mythen-Forschung mit ein.
     


Allgemeine und vergleichende literaturwissenschaft -der name und die sache

Man wird sich nie genug der aufregenden Arbeit hingeben können, Texte zueinander in Beziehung zu setzen. Marguerite Yourcenar Der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, auch kurz Komparatistik genannt, wird seit einigen Jahren ein reges Interesse entgegengebracht, das sich auch u .....
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Die konzeption einer neuen literaturwissenschaft

Aus den bisher aufgeführten Stationen einer vergleichenden Beschäftigung mit Literatur kann zumindest eine Konsequenz abgeleitet werden: Komparatistische Fragestellungen zu behandeln ist ein argumentativ schwerlich anfechtbares Verfahren im Umgang mit der Literatur - zumal diese fast immer, gleich o .....
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Ästhetik und literaturwissenschaft

Das Hauptanliegen dieses Buches kann in wenigen Worten zusammengefaßt werden: In den meisten zeitgenössischen Darstellungen der Literaturwissenschaft und ihrer Methoden werden die ästhetischen Grundlagen dieser Wissenschaft vernachlässigt, so daß häufig der Eindruck entsteht, als sei der Literatur- .....
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Bachtins kritik am formalismus in linguistik und literaturwissenschaft

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Literaturwissenschaft zwischen kant und hegel: polysemie und monosemie

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Kritische literaturwissenschaft: ideologiekritik

Wo von der Literaturwissenschaft als einem "ideologisch heterogenen Bereich" die Rede ist, stellt sich gleichsam von selbst die Frage nach dem Ideologiebegriff sowie die komplementäre Frage nach dem Verhältnis von Ideologie und Theorie oder Ideologie und Wissenschaft. Diese beiden Fragen sind deshal .....
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Kritische literaturwissenschaft: theorie

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Aspekte einer systemtheorelischen literaturwissenschaft

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Index » Literaturwissenschaft und Systemtheorie » Literatur ist codierbar - Gerhard Plumpe /Niels Werber

Kommunikation als zentrale kategorie einer systemorientierten literaturwissenschaft

Die Übertragung der Luhmannschen Systemlheorie auf die Literaturwissenschaft wird zunehmend kontrovers diskutiert - das zeigen auch einige der Beiträge in diesem Band. Dabei stehen unter anderem kritische Argumente im Vordergrund, die schon gegen Luhmanns Theorie sozialer Systeme vorgebracht worden .....
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Anmerkungen zu einer wissenssoziologischen theorieoption für die literaturwissenschaft

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Zum stand der dinge in den literaturwissenschaften

Ein aufmerksamer Beobachter der literaturwissenschafllichcn Diskussionen, der amerikanische Gcschichlsthcoretiker Haydcn White, äußert in seinem Buch Auch Klio dichtet die Befürchtung, daß die neueren, sog. postmodernen Theorien die Spaltung in „Hcrrcnlcscr" und „Kneehtlcser" verursachen könnten , .....
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Die position innerhalb der literaturwissenschaft

Vor der Diskussion lileraturwissenschaftlicher Fragestellungen ist ein Problem zu benennen, das der disziplinaren Verankerung von Mentalitäten- und Zivilisationsgeschichte entspringt. In der Praxis dieser Forschungsparadigmen werden immer wieder literarische Texte als Quellen zur Rekonstruktion hist .....
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Systemtheorie / literaturwissenschaft harro müller

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Grundzüge des literaturwissenschaftlichen »strukturalismus«

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Dekonstruktion und literaturwissenschaft

4.1 Den Strukturalismus erschöpfen: Roland Barthes Die so angedeutete unmittelbare literaturtheoretische Relevanz dieses Denkens, vor allem in seiner spezifischen Art und Weise, das Phänomen und den Daseinsmodus von Sinn in Texten zu beschrei- ben, läßt sich besser fast noch als an Derridas eigen .....
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In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wurde die Diskursanalyse als »ein neues Konzept der Human Wissenschaften« in die deutschsprachige Literaturwissenschaft eingeführt. Was war das Motiv dieses Willens, >traditionelle< Umgangsweisen mit literarischen Texten wie die Textanalyse und die sozialhi .....
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Leistungen und probleme literaturwissenschaftlicher diskursanalyse

Diskursanalytische Konzepte sind in der Literaturwissenschaft seit ihrem Aufkommen umstritten gewesen: Sie wurden emphatisch begrüßt und heftig kritisiert - neutral haben sich die wenigsten Forscher zu ihnen verhalten. Um einige Streit- und Standpunkte dieser Auseinandersetzungen zumindest anzudeute .....
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Index » Verfahren der Textanalyse » Diskursanalyse, Diskursgeschichte

Feministische literaturwissenschaft: anfänge und entwicklung

Was die Literaturwissenschaft in Deutschland anbelangt, so hat sie feministische Theorie-Impulse eher von Zeit zu Zeit absorbiert als beigesteuert. Die feministische Literaturwissenschaft befindet sich daher von Anfang an an einem Schnittpunkt zwischen französischer und anglo-amerikanischer Theorieb .....
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Index » Verfahren der Textanalyse » Feministische Zugänge -Gender Studies

Empirische literaturwissenschaft

Während sich die hermeneutisch orientierte Rezeptionsforschung um eine Verknüpfung von Werk- und Rezeptionsanalyse bemühte, hat die Empirische Literaturwissenschaft eine radikale Trennung zwischen Werk und Aneignung vorgenommen. Wie die empirisch orientierte Literatursoziologie , so will auch sie .....
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Index » Grundfragen der Textrezeption » Theorien der literarischen Rezeption

Der mediale charakter literarischer texte und die reichweite literaturwissenschaftlicher textanalyse

Wer literarische Texte untersucht, tut gut daran zu beachten, dass bei genauer Betrachtung in der Literatur wie in der bildenden Kunst im Grunde nicht ein einziges Medium, sondern mehrere Medien Verwendung finden. Diese grundlegende Vielfalt ihrer Ausdrucksmittel entspringt zunächst dem Unterschied .....
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Index » Analyse literarischer Texte

Perspektiven in literaturwissenschaft und rezeptionsforschung

Zahlreiche Untersuchungen literarischer Typen und Motive berücksichtigen zwar die sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekte der jeweiligen Themenstellung, geben sich aber kaum Rechenschaft über die literarischen Kriterien und methodischen Grundlagen. So liefern sie Materialien und Bausteine zur hist .....
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Index » Grundbegriffe der Texterschließung

Sozialgeschichtliche literaturwissenschaft

Daß jene und behauptetes Verfahren gewiß an der Diskreditierung sozialgeschichtlicher Orientierungen der Literaturwissenschaft mit schuld ist. Diese Diskreditierung lag darin, daß unter diesem Etikett oft nichts anderes vorgenommen wurde als eine - methodologisch gesehen - traditionelle Textexeges .....
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Literaturwissenschaft in sozialgeschichtlichem interesse

Die konsequenteste sozialhistorische Orientierung liegt darin, syn-chronisch wie historisch Literaturwissenschaft in sozialgeschichtlichem Interesse zu betreiben. Man mag dabei die Anwendung auf die Gegenwart als bezeichnen, solange eine Verwechslung mit den genannten literaturgeschichtlichen Unter .....
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Empirisch-konstruktivistische literaturwissenschaft

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Das verhältnis zur hermeneutischen literaturwissenschaft und andere offene probleme

Mit der Empirisierung der Literaturwissenschaft ist eine Veränderung der Schwergewichte literaturwissenschaftlicher Forschung verbunden, wie das für jeden Paradigmawechsel gilt , und zwar gleichgültig, ob man von einer Ersetzungs-, Ergänzungs- oder Integrationsrelation zur hermeneutischen Literaturw .....
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Geschlechterdifferenz und literaturwissenschaft

Vom Spielbein zum Standbein? Wo heute in der etablierten Fachöffentlichkeit Veranstaltungen zur < Feministischen Literaturwissenschaft > stattfinden, geschieht das überwiegend in einem säuberlich umzäunten Gebiet - und zwar als Zugeständnis an die unübersehbar gewordene Forschung von Frauen. Was de .....
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