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Literatursoziologie



Literatursoziologie untersucht das Verhältnis von Literatur und Gesell-


Schaft. Das klingt sehr allgemein, und darin besteht auch eine Gefahr dieser wissenschaftlichen Disziplin, die erst in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts aufkam. Nicht selten begnügte man sich damit, die Rolle der Literatur in einer Gesellschaft anhand der literaturvermittelnden Institutionen zu beschreiben. Einer kritischen und fundierten Literatursoziologie geht es aber darum, herauszufinden, in welcher Weise gesellschaftliche Ver- hältnisse in der Literatur abgebildet werden und wie Literatur auf die Gesellschaft zurückwirkt. Das heißt, Literatursoziologie erforscht die Be- Ziehungen zwischen Literatur und Leser, denn darin liegt die gesell- schaftliche Funktion von Literatur begründet. Da die —»Wirkung von Literatur nicht auf der bloßen Vermittlung von Informationen basiert, son- dem darüber hinausgeht, fragt Lite- ratursoziologie nach der besonderen Qualität von Literatur, ihrer Entste-hung, Vermittlung. Eine rein empi- risch verfahrende Literatursoziologie kann nicht herausfinden, worin die besonderen Merkmale ästhetischer Kommunikation bestehen. Theodor W. Adorno sieht in der Kunst die Möglichkeit angelegt, mit spezifisch ästhetischen Mitteln Widerstand gegen eine Gesellschaft zu formulieren, deren Kommunika- tionsverhältnisse vom Prinzip des Warentausches durchdrungen sind. Literarische Kunstwerke entspre-i chen so in formalen Mitteln, Techni-ken und Schreibweisen gesellschaft-lichen Beziehungen, bauen zu ihnen aber eine kritische Distanz auf, indem sie Vorstellungen eines befreiten Lebens entwerfen. Adorno untersucht also Literatur daraufhin, ob sie im Namen einer , freien Gesellschaft und eines auf Autonomie zielenden Menschenbildes die gesellschaftliche Wirklichkeit zugleich wiedergibt und überschreitet. Diese literatursoziologische Methode läßt sich kaum verallgemeinern; ihrem Ansatz entsprechen nur wenige lesenswerte Arbeiten aus dem Umkreis der kritischen Theorie. Literatursoziologie beschäftigt sich ferner mit dem Zustandekommen bestimmter literarischer Schreibweisen, über die der Autor in seinem Werk mit dem Lesepublikum kommuniziert. Wie berücksichtigt der Autor Erwartungen, Erfahrungen oder auch die literarische Kompetenz der Leser? Welche Rolle spielen die Medien • beim Zustandekommen einer Schreibweise? Welcher Schicht gehört der Autor an, an welche Leser wendet er sich, wie reagiert er auf die gesellschaftliche Wirklichkeit seiner Leser in seiner Schreibweise? Bestätigt er eher den Sinnhorizont der Leser, oder überschreitet er ihn? Selbstverständlich muß sich Literatursoziologie auch mit den literarischen Institutionen einer Gesellschaft befassen. Diese wirken durch Literaturförderung , durch Honorare und die Vermittlung in den Medien nicht nur auf die materielle Lage der Schriftsteller, sondern auch auf ihr öffentliches Ansehen, ihr Prestige ein. Es macht einen großen Unterschied, ob literarische Produktion durch Preise, Tagungen, Auszeichnungen etc. honoriert wird oder ob z.B. junge Autoren allein auf ihre Erfolge oder Mißerfolge auf dem literarischen Markt verwiesen sind. Auch die Vermittlung von Literatur über —»Verlage, den Buchhandel, —»Bibliotheken, die Medien u.a. ist ein Forschungsbereich von Literatursoziologie, denn dort zahlt das Lesepublikum nicht nur den für Literatur geforderten Preis, sondern wird Literatur erst zu einem öffent-lichten Ereignis. Die öffentliche Wertschätzung eines Autors, sein Ansehen und sein Einkommen sind mehr oder weniger relevante Bestandteile seiner literarischen Arbeit. Literatursoziologie will das genauer wissen. Sie untersucht z.B. das sich historisch wandelnde Verhältnis von Erfolg und Schreibweise. In diese Richtung führt eine von Karl Corino herausgegebene Sammlung von Einzeluntersuchungen zum Verhältnis von und . Eine der wichtigsten Fragen der Literatursoziologie ist die nach der Rezeption literarischer Werke. Mit Hilfe wirkungsästhetischer Kategorien untersucht sie die Erfahrungen, die Leser bei der Lektüre machen.

      Der gesamte Bereich der literarischen Kommunikation, in die sämtliche an Produktion und Rezeption beteiligten Personen und Institutionen eingebunden sind, gehört zum Interessenbereich der Literatursoziologie.
     


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