Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Jugendlexikon literatur

Index
» Jugendlexikon literatur
» Lügendichtung

Lügendichtung



Verbreitete Literaturgattung früherer Jahrhunderte, die von vornherein auf den Anschein verzichtet, von


Wahrem zu berichten. Sie nimmt sich durch groteske Un- glaubwürdigkeit in der Schilderung die Freiheit, Wirkliches satirisch zu beleuchten und durch Karikatur dem Spott auszusetzen. Zugleich stellt sie den Wahrheitsge- halt von Tatsachenberichten in Frage, indem sie auf spielerische Weise alles Erzählen in das Reich der Lüge und der Phantasie hebt. Der griechische Satiriker Lukian, vielleicht der Vater der Lügendich- tung, schreibt einleitend in seinem phantastischen Reisebericht mit dem bezeichnenden Titel «Wahre Ge- schichte»: «Indem ich wünsche, an der Welt der Schriftsteller und Lüg- ner teilzunehmen, und außerstande, Tatsachen berichten zu können , sage ich im voraus das einzig Wahre, nämlich daß ich Lügen erzählen werde. So beginne ich also mit dem, was ich weder sah noch hörte, und, was mehr ist, ich schreibe über Dinge, die nie geschahen und je geschehen könnten.» So begründet Lukian eine literarische Gattung, die in Francis Rabe- lais Romanwerk «Gargantua und Pantagruel» einen weltliterarischen Höhepunkt erreicht. Weitere bekannte Beispiele der Lügendichtung sind «Abenteuer Sindbad des Seefahrers» aus den Geschichten aus «Tausendundeine Nacht», Andreas Gryphius —»Komödie «Horribilicribrifax» , Christian Reuters «Schelmuffskys Warhafftige Curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung Zu Wasser und Lande» und die Lügengeschichten des Karl Hie-ronymus Freiherrn von Münchhau-sen, die in der Fassung von Gottfried
August Bürger große Verbreitung gefunden haben.
     


 Tags:
Lügendichtung    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com