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Komödie




Die Komödie stellt neben der -* Tragödie eine der beiden Grundformen des —> Dramas dar. Sie wird als komisches Bühnenstück> bezeichnet, das im Unterschied zur Tragödie stofflich meist im Bereich des Alltäglichen oder Phantastischen, nicht jedoch des Erhabenen angesiedelt ist und mit Respektlosigkeit Personen, aber auch Normen und Institutionen dem Gelächter preisgibt. Eine eindeutige Definition der Komödie kann es schon deshalb nicht geben, weil sie, anders als die Tragödie, ihrem Wesen nach eine Mischform ist, d.h. inhaltlichen sowie formalen Anregungen aller Art offensteht und sie verarbeitet. So gibt es sowohl Komödien, die vom -♦Schwank oder der —»Farce nur schwer abzugrenzen sind, als auch solche, die mit dem Tragischen in Verbindung treten und als —»Tragikomödie eine Grenzform bilden. Meist gehören die handelnden Personen nicht den höheren Ständen an, sondern sind Vertreter unterschiedlicher Schichten des Volkes . Neben den bekannten, literarisch anspruchsvollen Komödien hat es immer auch eine große Anzahl von Nachahmungen und einfachere Formen des Lachtheaters gegeben, die dem —» Volkstheater nahestehen. Die Anfänge der Komödie wurzelnim Dionysoskult , worauf schon der Name hinweist: Der Komos ist der fröhliche Festumzug zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos. Aus den improvisierten Theatereinlagen entwickeln sich eigenständige Stücke, die jedoch nicht die strenge Form der etwa gleichzeitig entstehenden Tragödien aufweisen, sondern im Gegenteil das Formlose feiern und die Verhältnisse auf den Kopf stellen. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie allgemeine und politische Mißstände werden dem beißenden Spott ausgesetzt. Daß die Komödie bald als dramatische Kunstform angesehen wurde, zeigt ihre Zulassung als eigener Wettbewerb innerhalb der Dionysien ab 486 v. Chr. Der erste große Komödiendichter ist Aristophanes, von dem elf Stücke vollständig erhalten sind, die z. T. noch heute aufgeführt werden. Bei ihm ist deutlich die belehrende Absicht zu merken, mit der er die Verhältnisse der Athenischen Demokratie unter Perikles geißelt und ihnen die traditionellen Werte des entgegenhält. Dabei bedient sich Aristophanes eines Tricks: Indem sich der -» Chor oder einzelne Schauspieler direkt an das Publikum wenden, können sie das Geschehen kommentieren oder die Absicht des Dichters verkünden . Auch sonst nehmen seine Stücke keinerlei Rücksicht auf die Gesetze poetischer Wahrscheinlichkeit, sie grenzen oft ans Phantastische oder Groteske. Einen anderen Komödientyp entwickelt hundert Jahre später Menan-der, von dessen Werk leider nicht sehr viel erhalten ist. Die in der Handlunggeschlosseneren Stücke stellen die einzelnen Personen in den Vordergrund, so daß vom Beginn der Charakterkomödie gesprochen werden kann. Seine Wichtigkeit für die Entwicklung der Komödie wird dadurch unterstrichen, daß die bedeutenden römischen Autoren Plautus und Te-renz die Stücke des Menander und anderer griechischer Autoren lediglich bearbeitet und auf die aktuelle Situation des alten Rom übertragen haben. Während die Originale nur in Fragmenten oder durch sehr späte Funde überliefert sind, haben die Bearbeitungen von Plautus und Te-renz eine große Wirkung gehabt. Im Italien des 15. und 16. Jahrhunderts gelten die Stücke der beiden römischen Autoren als Muster für die literarische Komödie, die sich an den Fürstenhöfen herausbildet. Neue Impulse jedoch empfängt die Komödie hier wie auch in Deutschland durch das Volkstheater. Die—»Com-media dell arte und das —»Fastnachtsspiel, die etwa gleichzeitig in den Städten Italiens bzw. Deutschlands entstehen, sind ihrem Wesen nach unliterarische Formen der Komödie, indem sie zum großen Teil aus Improvisation und Stegreifspiel leben. Ein fester Stamm von Rollentypen, die anhand von —»Masken, —»Gestik und Sprache ohne weiteres wiedererkennbar sind, bevölkert diese Stücke. Besonders die Commedia dell arte, die durch umherziehende Theatergruppen in ganz Europa verbreitet wird, hat nachhaltigen Einfluß auf die literarische Komödie bis ins 18. Jahrhundert hinein.


      Komödien auf hohem literarischem Niveau entstehen im 17. Jahrhundert in England, Spanien und Frankreich.
      Während die Komödien William Shakespeares und seiner Zeitgenos- sen an Formen der römischen Vor- bilder anknüpfen, schöpfen die Stücke Lope de Vegas, Tirso de Molinas und Calderön de la Barcas aus der Tradition des spanischen Volkstheaters. Während bei diesen Autoren die Handlung meist wie ein leichtes, wechselvolles Spiel vol-1er Melancholie zwischen Wachen und Traum, Liebe und Leid, Tor-heit und Intrige angesiedelt ist und den Menschen als den Irrenden, im Spiel der Mächte Umhergeworfe-nen zeigt, ist die Komödie Molieres ganz —»Satire auf die Zeit Ludwigs X

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, indem der Meister der Gha rakterkomödie die Schwächen und Fehler der Menschen schonungslos aufdeckt.
      Für die deutsche Komödie des 18. Jahrhunderts gilt Moliere als Mu- ster, doch abgesehen von Gotthold Ephraim Lessings «Minna von Barn- heim» und einigen Stücken des —»Sturm und Drang ist vorerst die Zeit der literarisch bedeutenden Komödie vorbei. So wundert es, wenn bei Friedrich Schiller folgendes zu lesen ist: «Wenn also die Tragödie von einem wich tigern Punkt ausgeht, so muß man auf der andern Seite ge- stehen, daß die Komödie einem wichtigern Ziel entgegengeht, und sie würde, wenn sie es erreichte, alle Tragödie überflüssig und unmöglich machen. Ihr Ziel ist einerlei mit dem Höchsten, wonach der Mensch zu ringen hat, frei von Leidenschaft zu sein, immer klar, immer ruhig um sich und in sich zu schauen, überall mehr Zufall als Schicksal zu finden und mehr über Ungereimtheit zu la chen als über Bosheit zu zürnen oder zu weinen.» Was hat den großen Tra-giker daran gehindert, sich in der Komödie zu versuchen? Bis heute hat die Komödie, die im 19. Jahrhundert zusehends zum —»Lustspiel wurde, ihre Nähe zum Volkstheater oder zum —»Boulevardtheater einerseits und zur Farce oder —»Burleske andererseits nur selten ablegen können. Nur einzelne Stücke wie Heinrich von Kleists «Der zerbrochene Krug» , Christian Dietrich Grabbes «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» oder Georg Büchners schwermütiges «Leonce und Lena» können im deutschen Sprachbereich als Komödien von Rang angesehen werden. Die Entwicklung hin zu den Mischformen und zum neutralen —> Schauspiel ist kennzeichnend für die Entwicklung im Drama. Neue Ansätze für die Komödie kamen in den letzten Jahren aus Italien, wo Dario Fo in seinen zeitkritischen Farcen und Satiren auf die Tradition der Commedia dell arte zurückgreift.
     


Aspekte der typenkomödie

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