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Jugendstil



Der Begriff leitet sich wohl von der Münchner Wochenschrift «Jugend» ab, in der zahlreiche Künstler veröffentlichten. Daher die ursprüngliche Schreibung Jugend-Stil. So versteht man unter Jugendstil auch in erster Linie eine kunstgeschichtliche Epoche, die kurz vor der Jahrhundertwende einsetzt. Jugendstil ist eine ornamentale Kunst, die ihre Muster aus der Natur, besonders aus der Pflanzenwelt nimmt. Er bildet deren Linien überall, sei es in der Malerei, der Grafik, Architektur, Skulptur oder der Gebrauchskunst, sei es in der Bewegung des Tanzes nach. Als künstlerischer Ansatz bezieht er Position gegen die dekadente Kunst , die als schwülstig und morbid empfunden wird, genauso aber gegen den -»Naturalismus, dem er die bloße Abbildung des sozialen Elends vorwirft. Selbst ist erin die Reihe der ästhetisierenden Kunstrichtungen der Jahrhundertwende einzuordnen. Auf die Literatur bezogen darf man Jugendstil nicht als Epoche, sondern als Zeitstil ansehen, den einige Zeitgenossen in unterschiedlichem Maße verwirklicht haben. So lassen sich Jugendstilelemente bei Autoren finden, die sich entweder vorher anderer Schreibweisen bedient haben oder die später andere Ausdrucksweisen entwickelten . Zu ihnen gehört auch Else Lasker-Schü-ler, später eine der Hauptvertreterinnen der expressionistischen Lyrik , deren erster, 1902 veröffentlichter Gedichtband «Styx» auch optisch ganz in Jugendstilmanier gestaltet ist. «Syrinxliedchen

Die Palmenblätter schnellen wie Viperzungen
In die Kelche der roten Gladiolen, Und die Mondsichel lacht Wie ein Faunsaug verstohlen.
      Die Welt hält das Leben umschlungen Im Strahl des Saturn Und durch das Träumen der Nacht Sprüht es purpurn.
      Jüx! Wollen uns im Schilfrohr Mit Binsen aneinander binden Und mit der Morgenröte Frühlicht Den Süden unserer Liebe ergründen!»

Ausgeprägte Naturmetaphorik
und rauschhafte Empfindungen sind typisch für den literarischen Jugendstil. Besonders Pflanzen- und Wassermetaphern werden gern benutzt, um das Gefühl der Allverbundenheit auszudrücken. Als rein dekorativer Stil kann der Jugendstil in der Literatur auf längere Zeit jedoch keine Entsprechung finden. So ist das Jugendstilhafte in der Literatur im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zwar häufig als Element der Dichtung anzutreffen, eigene formprägende Kraft hat der Jugendstil in der Literatur jedoch nicht.
     


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