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Ironie




Die Ironie lebt von der Doppeldeutigkeit im Reden und deren Aufdek-kung. Charakteristisch und begriffsprägend ist die didaktische Haltung des Sokrates, sich im Gespräch mit den Schülern als Unwissender zu geben, um so ihren philosophischen Erkenntnissen auf die Sprünge zu helfen. Auch Aristoteles bezieht sich bei seinem Versuch, Ironie zu definieren, auf die Praxis des Sokrates und sieht in ihr eine Form großzügiger Unaufrichtigkeit, um sich selbst zurückzusetzen. Vergleichbar ist diese Definition dem englischen Understatement . Nicht zu übersetzen ist in diesen rhetorischen Formen der Selbstdarstellung eine gewisse Schalkhaftigkeit. Joachim Heinrich Campe möchte den Begriff Ironie eindeutschen und schlägt «schalkernst» vor .

      Eine Verwandtschaft zur —»Satire, und —»Parodie ist gegeben, gepflegt wird diese Verwandtschaftsbeziehung allerdings nicht. Die Satire setzt auf direkten Angriff, während die Ironie als Redefigur subtil und mit Anspielungen vorgeht. Die Parodie bezieht sich nachahmend auf ein Vorbild, um es zu verspotten.
      Die poetischen Aktivitäten der Frühromantiker gaben der Ironie den letzten Schliff. Ihre Ãœberlegungen zur Ironie haben sich als so interessant erwiesen, daß bis in unsere Zeit die Begriffe romantische Ironie und literarische Ironie identisch verwendet werden .Unter Berufung auf Sokrates unternimmt es Friedrich Schlegel, die Ironie als Vermittlungsprinzip zwischen den wichtigsten Gegensätzen des idealistischen Weltbildes zu setzen . «Das Gefühl von dem unauflöslichen Widerstreit des Unbedingten und des Bedingten, der Unmöglichkeit und Nothwendigkeit einer vollständigen Mittheilung» , als das er Ironie definiert, sieht er als Prinzip in den Meisterwerken der —»Weltliteratur realisiert, z.B. in Johann Wolfgang Goethes «Wilhelm Meisters Lehrjahre» . Johann Gottlieb Fichte, dem Friedrich Schlegel wichtige Impulse für seine Ãœberlegungen zur Ironie verdankt, setzt das Ich als absolute Kategorie, aus der sich alle Werte ableiten. Alle Instanzen, die dem Ich gegenüber Ansprüche geltend machen, werden einer ironischen Prüfung unterzogen. So kann die romantische Ironie spontan die unbewußte Seite der Phantasie zu Wort kommen lassen; die entsprechende Literatur der Frühromantik hat märchenhafte Züge: Clemens Brentano, «Godwi» , Ludwig Tieck, «Der Gestiefelte Kater» . Weitere Versuche, Ironie umzusetzen, gelingen E.T. A. Hoffmann in seinen Märchen. Christian Dietrich Grabbe trägt im Lustspiel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» zu dem Mißverständnis bei, Schlegel meine mit Ironie die Zerstörung der poetischen Illusion. Vollends mißverständlich ist demnach auch die Subsumtion von Heinrich Heines Lyrik unter die romantische Ironie.
      Die Ironie blieb trotz Mißverständnissen ein bravouröses Mittel zur Gesellschaftsanalyse in der Romanliteratur. Die realistischen Romane und später die Romane Thomas Manns stellen lesenswerte Beispiele dar.


Ambivalenz, ironie und reflexion: von broch zu musil

Bevor ich auf einige ideologiekritische Begriffe eingehe, die den Romanen Hermann Brochs und Robert Musils zugrunde liegen, möchte ich an das sechste Kapitel anknüpfen, in dem von der Beziehung zwischen Theorie und Fiktion die Rede war. Im Zusammenhang mit Adornos Parataxis und Derridas Dekonstrukti .....
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Thomas mann: »königliche hoheit« (i909) - der schmelz der ironie

Frischzellenkur für die Monarchie Als sich in einem namenlosen - von Thomas Mann also ins Reich der Fabel, der Fiktion verwiesenen - deutschen Land die Geschwister des Herrscherhauses im Palais der Prinzessin Ditlinde treffen, faßt der Regierende Großherzog Albrecht II. seinen ganzen Amtsüberdruß .....
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