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Impressionismus



Epochenbegriff der bildenden Kunst für eine um 1870 entstandene Richtung in der französischen Malerei; es ist umstritten, inwieweit er sich auf die Literatur übertragen läßt. Denn eigentlich bezeichnet er den Versuch, optische Eindrücke bildnerisch wiederzugeben. Dabei sollen die Gegenstände in einer Art Momentaufnahme, im Wechselspiel von Licht und Schatten wiedergegeben werden. Zugrunde liegt die Erkenntnis, daß man die Gegenstände nicht so abbilden könne, wie sie sind, sondern lediglich, wie sie erscheinen. In der Malerei wurden Techniken entwickelt, die Konturen der abgebildeten Objekte aufzulösen, sei es durch Punktflächen, sei es durch Strichschattierungen, um die flüchtige, auch das Atmosphärische einbeziehende Wirkung festzuhalten. Was konnte dem in der Literatur entsprechen? Auch hier mußte es, wenn man von Impressionismus sprechen wollte, um die Wiedergabe von subjektiv-sinnlichen Eindrücken gehen. Die Literatur weitete das Wahrnehmungsfeld aus, indem neben Farben und Formen auch Gerüche und Laute dichterisch wiedergegeben werden konnten. —»Lyrik und Kurzprosa waren die vorherrschenden Formen im literarischen Impressionismus. Diese —»Gattungen erlaubten den Autoren am besten, Situationen einzufangen, Wahrneh-mungsnuancen auszudrücken und die Poesie der Erscheinung wiederzugeben; ein Beispiel ist Richard Dehmels Gedicht «Manche Nacht»:

«Wenn die Felder sich verdunkeln, Fühl ich, wird mein Auge heller; Schon versucht mein Stern zu funkeln, Und die Grillen wispern schneller.
      Jeder Laut wird bilderreicher, Das Gewohnte sonderbarer, Hinterm Wald der Himmel bleicher, Jeder Wipfel hebt sich klarer.
      Und du merkst es nicht im Schreiten, Wie das Licht verhundertfältigt Sich entringt den Dunkelheiten. Plötzlich stehst du überwältigt.»
Es gab auch andere Versuche, Situatives einzufangen. Arthur Schnitzler hat in der 1901 erschienenen Erzählung «Lieutenant Gustl» den —»inneren Monolog als Stilmittel benutzt, um den ungeordneten Gedankenstrom der Titelfigur wiederzugeben. Insofern kann Schnitzlers neuer Ansatz auch in die Nähe des Impressionismus gerückt werden, obgleich er sich in anderer Hinsicht auch sehr davon unterscheidet. Denn die analytische Schärfe, mit der Schnitzler in seiner Erzählung die Denk- und Wahrnehmungsmuster einer ganzen Gesellschaft bloßlegt und durch —»Satire kritisiert, ist dem Impressionismus fremd. Den impressionistischen Autoren geht es, genauso wie den Malern, nicht darum, den Blick auf Hintergründiges, Verborgenes zu richten . Ihnen gilt nur die Wahrnehmung als wahrhaftig , der interpretatorische Blick in die Tiefe dagegen als verfälschend. So war bei vielen Autoren, die sich mit diesem Mangel an Tiefe nicht zufriedengeben mochten, die impressionistische Schreibweise nur eine vorübergehende Phase, wie z.B. bei Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal, aber auch bei Marcel Proust, Oscar Wilde und Anton Ce-chov.
      Der Impressionismus hat als literarische Epoche keine große Bedeutung gehabt, weil die Literatur sich nicht als das geeignete Medium erwies, die Eindrücke des Augenblicks wirkungsvoll wiederzugeben. Im Spektrum der Literatur der Jahrhundertwende ist der literarische Impressionismus nur eine, wenngleich nicht besonders starke Schattierung.
     


Der impressionismus

Es hat nicht an Versuchen gefehlt, auch eine „naturalistische Lyrik" zu entwickeln. Insbesondere Arno Holz glaubte, in seinem „Buch der Zeit" den Stil einer eigenständigen Lyrik auf dem Boden des Naturalismus gefunden zu haben. In seiner theoretischen Schrift „Revolution der Lyrik" wollte er den .....
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