Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Jugendlexikon literatur

Index
» Jugendlexikon literatur
» Illustration

Illustration




Mit der Erfindung des Buchdrucks erhielt die Illustration eine neue Qualität. Schuf vorher die Buchmalerei ausschließlich Unikate und waren Lektüre wie das Betrachten von Bildern nur ganz wenigen vorbehalten, konnte jetzt das Bild zu allen sprechen, die an Büchern interessiert waren. Sebastian Brant sagt am
Anfang des «Narrenschiffs» : «Dem Unkundigen dient das Bild als Lektüre.»

In den —* Inkunabeln finden sich seit 1460 Illustrationen, die noch mit der Hand ausgemalt wurden. Doch die Technik entwickelte sich schnell. Schon lange vor den ersten auf —> Papier gedruckten Bildern wurden mit Holzmodeln im Hochdruckverfahren Muster auf Stoff gedruckt, der sogenannte Zeugdruck . Um 1400 wurden statt Ornamenten Bilder geschnitten und so die ersten Heiligenbilder als Holzschnitte auf Papier gedruckt. Diese Einblattdrucke waren sehr gefragt, denn die Gläubigen waren dadurch nicht mehr auf die Öffentlichkeit der Kirche angewiesen und konnten sich selbst auf dem Markt ein Heiligenoder Mutter-Gottes-Bild kaufen. Auch die Holzschnitte Albrecht Dürers wurden auf diese Weise von seiner Frau verkauft.
      Reißer und Formschneider arbeiteten bei der Herstellung des Holzschnitts zusammen. Der Reißer zeichnete das Bild auf den Holzstock, der Formschneider schnitt die Druckform. Frühe Holzschnitte kennen noch keine Schraffuren und zeigen ausschließlich eine offene Linienzeichnung. Die Flächen zwischen den Linien wurden vom Briefmaler mit Farbe ausgemalt. Die Holzschnitte wurden differenzierter, indem Tonflächen und Schatten durch Schraffuren hergestellt wurden, das Ausmalen erübrigte sich jetzt.
      Die Schrift gehörte bald zum Holzschnitt. Zuerst von Hand in die Vorlage eingeschrieben, wurde sie ab
1420 mit dem Bild zusammen in die Holzplatte geschnitten. Blockbücher entstanden, in denen Bild- und Textfolgen zum Buch zusammengestellt wurden. Auch nach Johannes Gutenbergs Erfindung erfreuten die Blockbücher sich noch lange Zeit großer Beliebtheit, da sie mit vielen Bildern versehen waren und die wenigsten Leute lesen konnten. Der Holzschnitt ließ sich ohne Schwierigkeiten für die nun fortgeschrittene Buchproduktion verwenden. Holzschnitt wie Buchdruck mit Bleilettern arbeiten im Hochdruckverfahren, so daß sich Bild und Schrift in einem Durchgang vervielfältigen lassen.
      Auch der Kupferstich fand in der Buchillustration Verbreitung. Die druckenden Linien werden mit dem Stichel in die Kupferplatte graviert, die Drucke entstehen im Tiefdruckverfahren. Allein der Künstler stellt die Druckform her, ein Formschneider wird nicht gebraucht, der, wie beim Holzschnitt, für etwaige Schnitzer verantwortlich gewesen wäre. Ein anderes Problem tritt jetzt auf: Häufig sind Dichter und Illustrator nicht einer Meinung, so daß es zu Widersprüchen zwischen Text und Illustration kommt, z. B. in Pamphilus Gengenbachs «Gauchmatt» . Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, überwachte Sebastian Brant seine Illustratoren sehr gewissenhaft und streng. Adolph von Menzel und Moritz von Schwind nehmen sich große Freiheiten und gestalten oft in Ergänzung der Vorlage. Daniel Cho-dowiecki dagegen hält sich peinlich genau an die Motive der klassischen Dichtung und versucht sie in seinen Kupferstichen möglichst detailgetreu nachzubilden. Doch zurück zu den Anfängen des Kupferstichs. Das Stechen einer Platte ist sehr zeitaufwendig, Dürer brauchte z. B. für «Ritter, Tod und Teufel» ein Vierteljahr. Mit einer einzigen Kupferplatte sind nicht mehr als 200 Drucke herzustellen, so daß der Kupferstich nicht recht populär werden kann. Im 16. Jahrhundert wird die erste Radierung angefertigt. Das Bild wird nicht mehr durch einen Stichel auf die Kupferplatte eingegraben, sondern in sie eingeätzt. Die Radierung ist, wie der Kupferstich, ein Tiefdruckverfahren, so daß die Illustration in einem zweiten Durchgang erfolgen muß oder aber Einzelblätter in das Buch geklebt werden. Der Holzschnitt bleibt im 16. Jahrhundert deshalb weiterhin das wichtigste Bilddruckverfahren. Im 17. Jahrhundert wird der Kupferstich beliebt, da er naturwissenschaftliche und geographische Themen präziser illustrieren kann; außerdem kommt er dem Stilgefühl des -»Barock entgegen. 1820 wurde der Stahlstich erfunden, der verfahrenstechnisch dem Kupferstich verwandt ist.
      Im 18. und 19. Jahrhundert erfreut sich der Holzschnitt wieder großer Beliebtheit; in der -» Romantik sind Schwind, Ludwig Richter, Eugen Napoleon Neureuther, Wilhelm von Kaulbach, Alfred Rethel beliebte Buchillustratoren.
      Ab 1800 bietet die Lithographie ganz neue Möglichkeiten. Mit Feder oder Kreide wird auf Li-thographiestein oder auf Umdruck-papier gezeichnet und im Flachdruckverfahren beliebig vervielfäl-tigt. Allerdings muß sie genau wie der Tiefdruck gesondert vom Text gedruckt werden.
      Starke Verbreitung fand im 19. Jahrhundert die Holztechnik , so daß Spezialwerkstätten, die mit diesem Verfahren arbeiteten, eingerichtet wurden. Im Gegensatz zum Holzschnitt wird die Zeichnung nicht in das Holz geschnitten, sondern mit dem Stichel in das Holz gestochen. Die Linien werden aus der Holzplatte herausgehoben und erscheinen dementsprechend weiß auf schwarzem Grund im Abdruck, was dem Ergebnis mehr Prägnanz verleiht. In diesem Verfahren konnten Details herausgearbeitet werden, ebenso wie mit der Schraffurtechnik Tonflächen aller Grauwerte wiedergegeben werden. Der Faksimileholzschnitt ermöglichte zusätzlich eine fast perfekte Nachbildung von Künstlerzeichnungen, die auch deren Besonderheiten Rechnung trugen. Wilhelm Buschs Bildergeschichten waren in ihren Erstausgaben Holzstichdrucke. «Leipziger Illustrierte», «Gartenlaube» und viele andere Zeitschriften lebten in ihren Illustrationen vom Holzstich. Er hatte ähnliche Funktionen wie heute die reproduzierte Fotografie. Um dem Bedürfnis nach aktuellen Bildern nachzukommen, entwickelten die Xylographen folgende Verfahren: Nach dem Auftragen oder Aufkopieren des Bildes wurden die Platten zersägt, so daß mehrere Xylographen an den einzelnen Platten arbeiten konnten. Die Platte wurde nach abgeschlossener Arbeit zusammengeleimt und von einem Stecher überarbeitet, der Teilbilder und Anschlußstellen korrigierte.
     


Buchillustration

Buchillustration ist der Oberbegriff für Buchmalerei und Druckgraphik. Buchmalerei bezeichnet die handgemalte Buchillustration des Mittelalters, die sich besonders auf die liturgischen Bücher , antike Autoren, naturwissenschaftliche Lehrbücher, im späteren Mittelalter auch auf deutsche Texte, z.B. C .....
[ mehr ]
Index » Literaturwissenschaft und Systemtheorie » Buch

 Tags:
Illustration    




Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com