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Höfische Dichtung



Während der Zeit des europäischen Hochfeudalismus entstand an den Höfen oder in ihrem Umkreis eine Literatur, die sich inhaltlich und formal an den Idealen und Gepflogenheiten der ritterlichen Standeskultur orientierte. Diese von Frankreich, insbesondere von der Provence, ausgehende Dichtung erlebte in Deutschland etwa von 1180 bis 1250 ihren Höhepunkt. Die Dichter waren Ritter, Spielleute oder Fahrende, die von der Gunst und den Gaben eines weltlichen oder geistlichen Fürsten oder einer adligen Dame bei Hofe abhängig waren. Zentren der höfischen Dichtung waren die Höfe der Staufer und Fürstenhöfe in Österreich und Thüringen.

      Die mittelhochdeutsche höfische Literatur kreist in ihren Formen um die ritterlichen Ideale der ere , triuwe , mäze , zuht oder minne . Wichtige Formen sind das höfische Epos, der —»Minnesang, religiöse Dichtungen wie Kreuzlieder und Marienlieder sowie die politische und die didaktische Spruchdichtung. Als höfisches —>Epos bezeichnet man den höfischen Roman, die Heldenepik und auch epische Kleinformen wie —»Bispel und Märe. Höfische -*Romane oder Epen wurden meist von Adligen verfaßt und vor einer ritterlichen Gesellschaft vorgetragen. Der im Epos geschilderte Held gehört meist ebenfalls dem adligen Ritterstand an; in seinen Taten und Abenteuern beweist er im Kampf gegen fremde, feindliche Ritter, starke Fabelwesen, oft im Dienst einer Dame des Hofes,daß er die Tugenden und Ideale der ritterlichen Standeskultur beherrscht. Die meist in vierhebigen Reimpaaren verfaßten höfischen Romane wurden gelegentlich durch Einschübe des Autors aufgelockert, in denen er sich mit Belehrungen und Kommentaren direkt ans Publikum wandte.
      Der höfische Roman entstand um 1150 in Frankreich. Zunächst wurden antike Stoffe übernommen und umgewandelt. Mit Chrestien de Troyes erreichte der höfische Roman einen ersten Höhepunkt. Die von ihm verfaßten Artusepen wirkten weiter auf die deutsche und europäische höfische Literatur.
      Hartmann von Aue, «Erec» , «Iwein» , Ulrich von Zatzikhofen, «Lanzelet» und schließlich als bedeutendstes Werk der «Parzival» von Wolfram von Eschenbach mit seinen Toleranz- und Humanitätsidealen sind die wichtigsten Vertreter der deutschen höfischen Epik. Im «Parzival» von Wolfram von Eschenbach kommt Parzival, ohne es zu wissen, dem Hof von König Artus nah, nachdem er die Gralsburg verlassen hatte:
«Der tac ie lanc hoher schein.ouch begunde liuchten sich der walt,wan daz ein rone was gefaltuf einem plan, zuo dem er sleich
,da wol tusent gense lagen.da wart ein michel gagen.mit hurte fluog er under sie,der falke, und sluog ir eine hiedaz si im harte kume enbrastunder des gefallen ronen ast.»


Hartmann von Aue schrieb auch zwei bedeutende Legendenepen, den «Gregorius» und «Der arme Heinrich» . Gregorius ist das Kind der verbotenen Ehe zwischen Bruder und Schwester. Nach seiner Geburt wird er ausgesetzt; in einem Kasten schwimmt er auf dem Meer, und eine Tafel erzählt das Geheimnis seiner Herkunft. Fischer eines Klosters finden ihn und bringen ihn zum Abt, der ihn aufzieht und zum geistlichen Leben bestimmt. Er aber will Ritter werden, zieht in die Welt und befreit, ohne es zu wissen, seine Mutter, die in der Hauptstadt ihres Landes von einem mächtigen Herzog bedrängt war. Mit ihr vermählt er sich. Eines Tages findet sie die Tafel und merkt, daß sie mit ihrem Sohn verheiratet ist. Gregorius läßt sich zur Buße mit einem Eisenband an einen Felsen fesseln; so lebt er siebzehn Jahre. Da sorgt Gott dafür, daß Gregorius zum Papst gewählt wird. Man sucht ihn. Durch ein Wunder findet sich der Schlüssel des Eisenbandes im Bauch eines Fisches; der reuige Sünder wird nun wahrhaftig Papst und vergibt auch seiner Mutter, die ihr Leben in Buße zubrachte. Zu den wichtigen höfischen Epen gehören daneben «Tristan und Isolt» von Gottfried von Straßburg und

Wolfram von Eschenbachs «Willehalm» .
      Unter den lyrischen Formen ist der Minnesang zu nennen. Sein Inhalt ist die Verehrung einer Dame der höfischen Gesellschaft, die entweder real oder nur in der Phantasie des Minnesängers existiert. Die wichtigsten Vertreter des Minnesangs waren Heinrich von Vel-deke, Heinrich von Morungen, Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide. Heinrich von Morungen besingt eine Dame:
«Frouwe, wilt du mich genern,so sich mich ein vil lützel an.ich enmac mich langer nicht erwern,den lip muoz ich verloren han.ich bin siech, min herze ist wunt.frouwe, daz hant mir getanmit ougen und din roter munt.»



Lehrdichtung

In den Jahren bis 1736 entsteht Hallers philosophisch-lehrhafte Lyrik, namentlich die Gedanken über Vernunft, Aberglauben und Unglauben, Ãœber den Ursprung des Ãœbels und das Unvollkommene Gedicht über die Ewigkeit. Der ideengeschichtliche Gehalt der Texte steht außer Frage, auch wenn ihre Argumenta .....
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Thematik, problemstellung und spielarten der dramatischen dichtung

Ein- und Zuordnung der dramatischen Werke der Epoche 1890—1918 zu einem Gesamtbild werden durch die Vielzahl der vorliegenden Stücke und durch deren mangelnde künstlerische Reife erschwert. Trotzdem sei hier der Versuch gewagt, bemerkenswerte Leistungen im Bereich des dramatischen Schaffens za ver .....
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Novalis über künftige dichtung

Die hier aus Rousseau und Diderot belegten neuen Bestimmungen der Phantasie und der Dichtung verstärken sich in der Romantik Deutschlands, Frankreichs und Englands. Der Weg, den sie dann von da aus zu den Autoren des mittleren und späten 19. Jahrhunderts nehmen, ist genau verfolgbar und oft beschrie .....
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Arbeiterdichtung

Es konnte nicht ausbleiben, daß sich die Dichtung auch eines Standes bemächtigte, der im Begriffe schien, das Neuland der Zukunft zu erobern. Romantische Sehnsucht des 'Wan= dervogel" und Arbeitermythos gingen eine eigenartige Ver= bindung ein. Zuweilen unterlief auch das Mißverständnis, als sei die .....
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Frauendichtung

In der Frauendichtung der jüngsten Gegenwart ist dieser Charakter einer spröden gläsernen Gebrechlichkeit häufiger zu finden. Ilse Aichingers Roman 'Die größere Hoffnung", auf den wir im vorigen Kapitel eingegangen sind, hat jene Dünnwandigkeit, die jederzeit in die Tiefe hinein durch» brechen kann. .....
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Mißverstandene dichtung

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Abenteuer mit dichtung - jürgen theobaldy

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Dichtungen aus der karolingerzeit (9. jahrhundert)

In der Karolingerzeit trat die Dichtung in den Dienst der Mission. Die Geistlichen wollten dieses mächtigen Hilfsmittels bei der Ausbreitung des Christentums und im Kampf gegen das Heidentum nicht entraten. Dabei bedienten sie sich zunächst weiterhin der deutschen Sprache und der alten poetischen Fo .....
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Lateinische dichtung zur zeit der sachsenkaiser

Den Karolingern gebührt das Verdienst, die Dichtung in deutscher Sprache gefördert zu haben. Die Sachsenkaiser geben dem Latein den Vorzug. Das Christianisierungswerk war inzwischen vollendet, somit fühlten sich die Geistlichen der Ottonenzeit der bisherigen Aufgabe, die Heilige Schrift volkstümlich .....
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Weltfeindliche und weltfreundliche dichtung im ii. und i2. jahrhundert

Gegen Ende des 10. Jahrhunderts erlitt die christliche Welt durch die Erwartung des nahen Weltendes eine Erschütterung, mit der sich eine tiefgehende geistige Wandlung vollzog: Abkehr von allem Irdischen und völlige Hinwendung an das Himmlische. Aus diesem Geiste wurde in Südfrankreich das Kloster .....
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Die dichtung der ritterlichen welt

Unter Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich VI. hat das mittelalterliche Reich der Deutschen seine politische Glanzzeit erlebt. Das prächtige Reichsfest zu Mainz, Pfingsten 1184, auf welchem Friedrich I. vor rund 70 000 deutschen und französischen Gästen seine beiden Söhne zu Rittern schlu .....
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Das höfische epos

Das Höfische Epos unterscheidet sich vom Volksepos nach Entstehung und Gehait. Im Höfischen Epos, deren Dichter wir namentlich kennen, werden die Ideale des Rittertums in zuchtvoller Sprache besungen. Die bedeutendsten deutschen Dichter des Höfischen Epos sind Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, .....
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Auf der Grundlage der naturalistischen Lehre, daß der Mensch ein Produkt aus Erbe und Umwelt sei, und unter dem Einfluß der sozialistischen Ideen entstand die deutsche Arbeiterdichtung. Arbeiterdichter nannten sich vor allem jene Lyriker, die entweder selbst dem Arbeiterstand angehörten oder, aus an .....
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Hermann stehr (i864-i940) - die heimatdichtung

Ein anderer Literaturzweig, der zum mindesten seiner geistigen Herkunft nach im Naturalismus wurzelt, ist die Heimatdichtung. Zwar haben auch Dichter früherer Epochen ihre Heimat besungen ; die bewußte Gestaltung der heimatlichen Umwelt aber als schicksalhaftes Milieu ihrer Menschen setzte erst mit .....
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Vorchristliche dichtung

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Ritterlich-höfische dichtung

Bis in das 11. Jahrhundert waren die Autoren deutschsprachiger Texte vorwiegend Geistliche. Auch der Inhalt bezog sich meistens auf religiöse Themen oder war zumindest in einen heilsgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet. Dies änderte sich im 12. Jahrhundert; es entstand eine weltliche Literatur, .....
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Geistliche dichtung im spätmittelalter

Die cluniazensische Reform, zunächst auf das Klosterleben beschränkt, hatte sich schon im Hochmittelalter auch auf den Weltklerus und die Gläubigen ausgedehnt. Bettelorden und Predigerorden lehrten eine neue Religiosität der Armut. Eine ihrer Hauptaufgaben war die christliche Belehrung des Volkes .....
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Versgeschichte am beispiel der deutschen dichtung seit dem i6. jahrhundert

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Wirklichkeitsbesessene dichtung

Becher, Meister der kommunistischen Literaturdirektiven, verkiindet in seinem Vorwort zu ,Levisite , daB das 'spannungs-lose Gesabber unserer offiziellen Poeten" ihn anwidere, daB er nicht fiir die zur Bedeutungslosigkeit verurteilten Intellektuellenzirkel und fiir die 'stinkenden Kadaver" in den L .....
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Die höfische gesellschaft als forschungsproblem

In den neueren sozialgeschichtlichen Handbüchern kommt die höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts meistens überhaupt nicht vor. Das hat seinen Grund darin, daß aus den lateinischen Geschichtsquellen, mit denen die Historiker zu arbeiten gewohnt sind, darüber kaum etwas zu erfahren ist. D .....
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Dichtung als geschichtsquelle

Das Quellenmaterial, aus dem die höfische Kultur des hohen Mittelalters rekonstruiert werden muß, umfaßt verschiedene Bereiche der Ãœberlieferung: 1. Literarische Texte in deutscher Sprache bilden die umfangreichste und wichtigste Quellengruppe. Dazu gehören hochfik-tionale Texte, wie Minnelieder .....
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Index » Fiktion und Realität

Höfische epik

In Frankreich gab es in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts drei Arten von Großepik, die aus ganz verschiedenen Traditionen kamen: - Die Heldenepik aus mündlichen Ãœberlieferungen, die historische Stoffe aus der Merovinger- und Karolingerzeit behandelte. Der älteste und berühmteste Text war da .....
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Index » Die Rezeption der französischen Adelskultur in Deutschland

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