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Futurismus



Anfang des 20. Jahrhunderts in Italien aufgekommene revolutionierende Bewegung in der Literatur und bildenden Kunst.
      «Man muß das in der Literatur zerstören, das heißt die ganze Psychologie. Der durch die Bibliotheken und Museen vollkommen verdorbene, einer entsetzlichen Logik und Weisheit unterworfene Mensch ist ganz und gar ohne Interesse. Wir müssen ihn also in der Literatur abschaffen. ...An die Stelle der längst erschöpften Psychologie des Menschen muß die lyrische Besessenheit der Materie treten. ... Wir wollen in der Literatur das Leben des Motors wiedergeben, dieses neuen instinktiven Tieres, dessen Hauptinstinkt wir verstehen, wenn wir die Instinkte der verschiedenen Kräfte erkannt haben, aus denen er besteht.»

Filippo Tommaso Marinetti gilt als des Futurismus, dessen Programm er 1909 und 1912 in der Pariser Zeitung «Le Figaro» veröffentlichte . Inprovokanten Thesen fordert er den radikalen Bruch mit allem Traditionellen, mit den Werten der Vergangenheit in allen Bereichen. Er ruft zur rückhaltlosen Hinwendung an die Zukunft, an das technische Zeitalter auf. Der Puls der neuen Zeit heißt Geschwindigkeit, das Zauberwort der Futuristen. Die herkömmlichen Wahrnehmungs- und Darstellungsstrukturen werden als unzureichend angesehen und verworfen.
      Für die Literatur bedeutet das, daß das Wort aus der—»Syntax der Sprache befreit wird. Es soll unreflek-tiert das Innere des Menschen offenbaren, zugleich soll damit der fehlende Sinnzusammenhang zwischen den Dingen freigelegt werden. Anknüpfend an Friedrich Nietzsches Begriff vom Ãœbermenschen sehen die Futuristen in der Entwicklung der Technik die Möglichkeit, den Menschen aus der alltäglichen Fron zu befreien.
      Das Leben soll dynamisiert werden, der Rausch der Geschwindigkeit den Menschen aus den Fesseln der irdischen Schwere lösen. So begeistern sich die Futuristen für das Automobil und das Flugzeug, beides technische Neuerungen, die am Anfang des Jahrhunderts den Beginn einer neuen Entwicklung erahnen ließen. In mythischen —»Metaphern begrüßen sie das Maschinenzeitalter . Der

Bruch mit dem Alten kann nicht radikal genug sein, so daß sie den Krieg als «Hygiene der Welt» bejahen. Früh schon schloß sich Marinetti dem Faschismus an , dem er bis zu seinem Tode anhing.
      Der Futurismus ist Teil einer Aufbruchsbewegung, die vor dem Ersten Weltkrieg unter Künstlern und Literaten in vielen europäischen Ländern um sich griff. Gemeinsam ist ihnen, daß sie die hergebrachten Wahrnehmungs- und Abbildungsstrukturen als nicht mehr ausreichend ansahen, um die sich verändernde Welt wiederzugeben. Der Futurismus ist, zu Unrecht allerdings, auch als «italienischer —»Expressionismus» bezeichnet worden. In der Tat spielt er nur in Italien und in Rußland eine Rolle, ohne jedoch
eine ähnlich breite Wirkung zu erzielen wie z. B. der Expressionismus in Deutschland. Künstlerischen Einfluß hat er zweifellos auf den Kubismus und den —»Surrealismus ausgeübt.
      In Rußland trug der Futurismus Sozialrevolutionäre Züge und war eng mit der kommunistischen Oktoberrevolution von 1917 verbunden. Autoren wie Vladimir

V.

Majakov-skij und Velimir Chlebnikov haben hier ihre geistige Heimat. Der Versuch, in den zwanziger Jahren den Futurismus quasi als Staatskunst zu etablieren, scheiterte.


Formalismus, futurismus und ausdrucksebene

Jeder Versuch, die Position der russischen Formalisten aus Kants Kritik der Urteilskraft abzuleiten, so wie ich einige zentrale Theoreme Marxens, Lukäcs und Goldmanns aus Hegels Ästhetik abgeleitet habe, ist vorab zum Scheitern verurteilt, weil die formalistischen Theorien eng mit der Praxis der f .....
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