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Frauenliteratur



Unter diesem Sammelbegriff werden unterschiedliche Interessenlagen und Verfahrensweisen zusammengefaßt. Grob umrissen kann darunter verstanden werden: 1. Literatur von Frauen, 2. Literatur für Frauen, 3. Literatur von Frauen für Frauen, 4. feministische Literatur. Alle Begriffe entstammen der Diskussion der Neuen Frauenbewegung der siebziger Jahre, und in ihr haben sie ihren Stellenwert für die Identitätssuche in dieser Bewegung. Diese vier Varianten von Frauenliteratur beanspruchen keineswegs Vollständigkeitscharakter, sie lassen sich un-ter dem Stichwort literarische Produktion von Frauen zusammenfassen.

      Das herkömmliche Verfahren, literarisches Material entweder nach Epochen- oder nach Stilbegriffen zu ordnen, erweist sich in diesem Zusammenhang als nicht recht brauchbar. Wenn Frauenliteratur als Orientierungsbegriff für alle von Frauen geschriebenen Texte verwendet wird, so schließt dies zumindest die gönnerhafte Zuordnung der schreibenden Frauen in den Anhang der Literaturgeschichten aus. Von den Literarhistorikern des 19. und 20. Jahrhunderts wurden Schriftstellerinnen immer gerne dorthin verwiesen. Ãœber das Sonderkapitel der «schreibenden Dame» hinaus geben die Literaturgeschichten kaum Auskunft über Schriftstellerinnen. So übergeht beispielsweise die französische Literaturgeschichte der Pldiade die Werke der Autorinnen Marquise de Lambert, Madame Du Deffand, Madame Epinay, Julie de Lespinasse, indem sie nur die Salons erwähnt, nicht aber ihre Brief- und Memoirenliteratur.
      Frauenliteratur kann nicht als kontinuierliche Abfolge von Schriftstellerinnengenerationen nachgezeichnet werden; dieser Umstand mag dafür verantwortlich sein, daß sie in den Literaturgeschichten kaum erfaßt ist. Da Frauen - bis zur Frühromantik - immer von der Öffentlichkeit ausgeschlossen waren, gab es so gut wie keine literarischen Gruppenbildungen. Hinzu kam die Voreingenommenheit der männlichen Literaturgeschichtsschreiber, so daß einmal ausgesprochene Verdammungsurteile oder


Fehleinschätzungen sich jahrhundertelang hielten. Die Literaturgeschichte der Unterlassungen und falschen Zuordnungen wurde angereichert durch lächerliche Kriterien von Weiblichkeit, die als Wertmaßstab zur Beurteilung von Werken aus weiblicher Feder zugrunde gelegt wurden. Die vielseitige literarische Produktion der Autorinnen der italienisch-französischen Renaissance mußte sich zum Beispiel in erster Linie der an sie gerichteten Frage ihrer Zeitgenossen stellen, inwieweit ihre Werke dem Bild schöner Weiblichkeit entsprechen, ob sie von «echtem Gefühl» zeugen. Im Zuge der Neuen Frauenbewegung nehmen Frauen vorsichtige Ein- und Zuordnungen von schreibenden Frauen in die Literaturgeschichte vor, so zum Beispiel Hiltrud Gnüg/Renate Möhrmann , «Frauen Literatur Geschichte, Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart» . Aus der Perspektive der Produzentinnen beurteilt Christa Reinig die Arbeitssituation schreibender Frauen:
«Literatur ist ein hartes Männergeschäft von 3000 Jahren her. Das muß jede Autorin erfahren, wenn sie das Wort gebraucht. Von da aus geht es plötzlich nicht recht weiter. Die Formen und Formeln der Dichtersprache sind nicht geschaffen, daß ein weibliches Ich sich darin artikulieren kann. Es gibt die Möglichkeit der Resignation. Das der Erzählerin ist männlich. Sie spiegelt vor, daß die Geschichte, die sie unter ihrem Verfassernamen erzählt, von einem Mann erlebt wurde. Es gibt den Kampf. Die Droste-Hülshoff hat ihn gekämpft. In einem autobiographischen Gedicht läßt sie sich mit anreden. Sie hat ihr Leben aufgebraucht, ehe es ihr gelang, ihr weibliches Ich im Gedicht zu verwirklichen.»
Auch Virginia Woolf ist sich des Dilemmas einer fehlenden Tradition im Geschichtsverständnis von Frauen bewußt: «Man konntenichtzur Landkarte gehen und sagen Columbus entdeckte Amerika und Columbus war eine Frau; oder einen Apfel nehmen und bemerken, Newton entdeckte das Gesetz der Gravitation und Newton war eine Frau; oder in den Himmel schauen und sagen, es fliegen Flugzeuge über uns und Flugzeuge wurden von Frauen erfunden. Es gibt keine Markierung an der Wand, die die genaue Größe der Frauen angibt. Es gibt kein säuberlich in Zentimeter unterteiltes Metermaß, das man an die Qualitäten einer guten Mutter oder an die Zuneigung einer Tochter oder an die Treue einer Schwester oder an die Tüchtigkeit einer Haushälterin anlegen kann.» Trotz der genannten Schwierigkeiten haben Frauen immer geschrieben, und zwar dort, wo sich ihnen die Möglichkeit bot. In Stiften und Klöstern, in Beginenhäusern oder an den Höfen, in den Frauenzimmerbibliotheken.
Bildungseinrichtungen für Frauen, weibliche Orte, boten ihnen immer gewisse literarische Entfaltungsmöglichkeiten. Oft als geduldete Ausnahme, oft ohne sich der männlichen —»Ã„sthetik anzupassen. Andererseits wird das Fehlen einer weib-


Frauenliteratur

Konflikte werden uns erst bewußt, wenn wir uns leisten können, sie zu bewältigen. Unsere Lage als Frau sehen wir differenzierter, seitdem wir die Gelegenheit gehabt haben, sie zu verändern. Wir befinden uns alle auf unerforschtem Gebiet und sind noch weitgehend uns selbst überlassen. Wir suchen nach .....
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