Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


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Film



Jean Cocteau stellt einen Anspruch an den Film, der ihn gleichzeitig definiert: «Der Film erfordert eine eigene Syntax. Diese Syntax wird durch das Aufeinanderprallen der Bilder erreicht.» Mit dieser Bestimmung Cocteaus war die Vorstellung vom Tisch, im Film fotografiertes Theater zu sehen, wie die Bühnenstücke von Alexandre Dumas, Victo-rien Sardou, Eugene Scribe, Henrik Ibsen unter Beweis stellten. Eine gewisse Nähe zu den altbekannten —♦Genres ist nicht wegzudiskutie-ren. «Der Film nähert sich dem Theater durch die Struktur, dem Roman durch die innere Form» . Allerdings, so B6la Baläzs, will der Film «nicht Romane illustrieren, sondern selbst dichten auf... eigene Art. Nicht in der Begebenheit, sondern in der Erscheinung sucht er den Stoff, nicht in der Erzählung, sondern im Bildrhythmus.» Der Film ist existentiell auf die praktischen Erkenntnisse der klassischen —»Dramaturgie angewiesen, muß aber nicht sklavisch die Formprinzipien des —»Dramas übernehmen. Verfügt der zu verfilmende —»Stoff über dramatische Momente, begünstigt das die Dynamik der Verfilmung. Der Stummfilm beweist, daß er in der Lage ist, «die Bildkraft des Wortes durch die Bildkraft des Bildes» zu ersetzen . Im Film gerät der formalisierte Bühnenraum in Bewegung, die dramatische Struktur wird sichtbar aufgebrochen, indem eine Geschichte erzählt wird. Hierfür stehen die erste Verfilmung von Heinrich von Kleists «Der zerbrochene Krug» durch Emil Jannings, die englischen Verfilmungen von William Shakespeares Dra-



men «Hamlet», «Julius Caesar», «Heinrich

V.

». Obwohl sich diese er- sten Versuche genau an die Textvor- lagen halten, entsteht doch der Ein- druck, eine Geschichte werde darge- stellt.
      In seiner Geschichte greift der Film immer wieder auf literarische Vorla- gen zurück. Angefangen bei den zahllosen Verfilmungen von Johann Wolfgang Goethes «Faust», mit de- nen George Melies durch «Faust und Margaretha» den Anfang machte. In Deutschland wurden be- reits 1905 Verfilmungen von Shake- speares Dramen «König Lear», «Ein Sommernachtstraum» vorgenom- men. Friedrich Schillers «Die Räuber» widerfuhr ebenfalls zu diesem Zeitpunkt eine filmische Bearbei- tung und erhielt einen glücklichen Schluß, um dem erwachenden Publikumsgeschmack entgegenzukommen. Leistungen die- ser Art trugen zum schlechten Image des Films bei: Er wurde als kulturfeindlich und dekadent ein- gestuft. Tatsächlich bediente er sich der Meisterwerke der —»Weltlite- ratur wie in einem Supermarkt, von rühmlichen Ausnahmen einmal ab- gesehen. Max Reinhardt machte einen filmischen Versuch mit «Ein Sommernachtstraum» , Hugo von Hofmannsthal legte 1911 ein Filmszenarium vor: «Das fremde Mädchen».
      Der Film entwickelte eine eigene Äs- thetik in Sprache und Bild, indem er Form- und Ausdrucksprinzipien des Expressionismus aufgriff. Das gleiche gilt umgekehrt für die Entfal-tungsmöglichkeiten, die der Expres-sionismus im Film findet. Ein Ab- schied vom Kinodrama ist: «Das Ki nobuch. Kinodramen von Richard
Bermann, Walter Hasenclever, Fran-tiäek Langer, Else Lasker-Schüler, Paul Keller, Max Brod, Kurt Pinthus und einem Brief von Franz Blei» . «Das Kabinett des Dr. Cali-gari» nahm Anregungen der expressionistischen Bühnenkunst auf, bewies aber die weit größere Spielfreiheit des Films. 1921 entstand «Rhythme 21» von Hans Richter: der erste abstrakte Film des —»Dadaismus.
      «Film und Theater haben nichts miteinander gemein», kann Carlo Mie-rendorff nun mit Recht behaupten. Eine wichtige Rolle spielt jetzt der literarische Film. Beispiele: «Rose Bernd» von Gerhart Hauptmann , «Fräulein Julie» von August Strindberg , «Nathan der Weise» von Gotthold Ephraim Lessing , «Dr. Mabuse, der Spieler» von Norbert Jacques , «Nibelungen» in der Regie von Fritz Lang , «Raskolnikow» von Fedor M. Dostoevskij , «Faust» in der Regie von Friedrich Wilhelm Murnau; Textfassung zusammen mit Gerhart Hauptmann , «Der blaue Engel» von Heinrich Mann , «Berlin Alexanderplatz» von Alfred Döblin , «Die Dreigroschenoper» von Bertolt Brecht .
      Hinzu kamen Verfilmungen von Erfolgsautoren wie Vicky Baum, Goethe, Theodor Fontane, Erich Kästner und anderen. Hierbei war das Kriterium für Verfilmung nicht die Eignung der literarischen Vorlage, sondern, wie sich denken läßt, die Gunst des Publikums. Mit der Erfindung des Tonfilms kamen Opern und Operetten hinzu. Die Wirkung des Films wiederum auf das -* Theater läßt sich im folgenden
Zeitraum nachvollziehen. «Der Film hat das Theater wieder entfesselt», beschreibt Alexander Tairow die befreiende Wirkung des Films. Brecht weiß die Techniken von —»Montage, Ãœberblendung, Trick für das Theater zu nutzen: «Filme zeigen montiert Vorgänge aus aller Welt.»


Die neuen medien film und hörspiel

Das Interesse der Expressionisten an der Ãœberschreitung der tradierten Grenzen zwischen den verschiedenen Künsten dokumentiert auch ihre Nutzung von neuen Publikationsmöglichkeiten, welche die moderne ur-bane Gesellschaft bietet. Dazu gehören auf der einen Seite Litfaßsäulen, auf denen Anschläge pl .....
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Peter handke: »der kurze brief zum langen abschied« (i972) - faszination des films

Neue Wahrnehmung der Mitwelt Mit zwei spektakulären Ereignissen sprang der vierundzwanzigjährige österreichische Schriftsteller Peter Handke im Jahre 1966 auf die Bühne der literarischen Öffentlichkeit, mit Schmähreden gegen eine Autorenvereinigung und gegen die zeitgenössischen Zuschauer im Th .....
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Film und fernsehen

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Film

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Leben in filmbildern

Eins der Mădchen aus der Girlsgeneration jedenfalls scheint den lite-rarisch adăquaten Ausdruck der ,Girlkultur im Roman gefunden zu haben: Irmgard Keun, Jahrgang 1910. Irmgard Keun, von Alfred Doblin lanciert - ohne Mănner geht es im Betrieb noch nicht -, veroffentlicht damals schnell hinterei .....
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Symptome: erfolg des buches, verbot des films

Dabei hat Remarque zunăchst grofie Schwierigkeiten gehabt, sein Manuskript tiberhaupt unterzubringen. Als dann nach vielen vergeb-lichen Bemiihungen die ,Vossische Zeitung - nicht ohne lăngere, vorsichtig Voraberklărungen - Ende November 1928 den Roman des bis dahin weithin unbekannten Sportjour .....
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Slasher-filme und serien-mörder

Die Subjektivierung und Psychologisierung des Phantastischen führen zu einer Verinnerlichung des Schreckens und des Horrors angesichts der beängstigenden Ambivalenz der Welt und dem immer wieder erfahrenen Leid der menschlichen Existenz; indem diese Verinnerlichung wieder nach außen zu wirken beginn .....
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Index » Tendenzen der Phantastik im Spannungsfeld zwischen Rationalismus und Irrationalismus » Realität des Horrors - Horror der Realität

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Medienspezifische faktoren des kinderfilms

Die spezifischen Merkmale des Kinderfilms lassen sich besonders gut beim Vergleich mit dem Kinderbuch erkennen. Zeichensystem Der Film ist - im Unterschied zum Buch - ein mehrsinniges Medium. Die Aussagenübermittlung geschieht auf visueller und auf auditiver Ebene: Informationträger sind das Bil .....
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Die verfilmung von i960

Der Courage-Film, der dann schließlich gedreht wurde, vier Jahre nach Brechts Tod, ist nach eigenem Bekunden seiner Autoren Manfred Wekwerth und Peter Palitzsch eine Dokumentarverfil-mung der Theaterinszenierung des 'Berliner Ensembles". Eine Ãœbersetzung in die spezifischen Ausdrucksformen des ande .....
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