Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Jugendlexikon literatur

Index
» Jugendlexikon literatur
» Existentialismus

Existentialismus



Vom Zweiten Weltkrieg bis in die sechziger Jahre bestimmte der Existentialismus in Frankreich die philosophische Diskussion. Vorläufer waren Martin Heidegger und Karl Jaspers, Sören Kierkegaard, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Wilhelm Dilthey, Henri Bergson, Edmund Husserl. Gemeinsamer Nenner ihrer unterschiedlichen Lebensphilosophien war die Einsicht: In der Existenz des Menschen allein liegt der Schlüssel zu seinem Wesen. Alle philosophischen Fragen lassen sich ausschließlich aus der menschlichen Existenz und nicht mit Hilfe metaphysischer Annahmen erklären. Innerhalb des Existentialismus in Frankreich bildeten sich wiederum unterschiedliche Positionen heraus. Allen gemeinsam war der Ausgangspunkt, der bei der Existenz des Menschen ansetzte und formulierte, der Mensch schaffe sich selbst und sei durch Freiheit bestimmt. Die politische Situation in Frankreich, die Besetzung durch die faschistischen Truppen Hitlers gab der Erörterung des Stellenwerts von Literaturproduktion und -rezeption eine hohe Brisanz. Simone de Beau-voir, Jean-Paul Sartre und Jorge Semprün nahmen für sich die —* litt6-rature engag6e in Anspruch, mit der sie die Leser auffordern und befähigen wollten, sich aktiv zu gesellschaftlichen Fragen zu äußern. In der Zeitschrift «Les temps modernes» wird dieses Ziel verfolgt.

      Andrö Gide, Romain Rolland, Albert Camus, Gabriel Marcel lehnen diese Konzeption von Literatur, die unmittelbar und nach ihrer Meinung unvermittelt in gesellschaftliche Kämpfe eingreifen möchte, ab. Dabei hebt Gide die historische und politische Verantwortung des Autors hervor. Eine äußerst engagierte Auseinandersetzung führt er mit dem französischen Kolonialismus in seinen Tagebüchern «Kongoreise»
und «Rückkehr aus dem Tschad» .
      Auch Paul Val6ry setzt sich für eine litt6rature engag6e, eine Literatur der gesellschaftlichen Verantwortung, ein, die er in seinen fünf Essaybänden «Diverses» realisiert. In der Einleitung zu seiner Descartes-Anthologie erklärt er Descartes zum theoretischen Begründer der Freiheit. Ähnliche Einsichten äußert Sartre in seinem Aufsatz «Kartesianische Freiheit» . Andr Malraux unterlegt seine Arbeit mit einem «tiefen Empfinden der Absurdität», das dem existentiellen Lebensgefühl entspricht. Malraux Roman «Die Eroberer»
beschäftigt sich mit der Revolution in Kanton . Im Helden Garine findet Malraux eine Möglichkeit, politisches Unrecht als eine Verkörperung des Absurden darzustellen. Camus definiert später Kunst und Literatur als eine ästhetische Erscheinungsform der Revolte, in «Der Mythos von Sisyphos» und «Der Mensch in der Revolte» . Hat für Camus das literarische Kunstwerk zunächst nur den Zweck, die Absurdität aufzudecken, wird für ihn später die Erörterung der Beziehungen zwischen Literatur und Gesellschaft wichtig. Der Existentialis mus hat zahlreiche zeitgenössische Autoren beeinflußt: Jean Genet, Norman Mailer, Alfred Andersch, Hans Erich Nossack, Wolfgang Koeppen, Peter Handke und viele andere.
     


 Tags:
Existentialismus    




Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com