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Comics




Worum es sich bei Comics handelt, braucht wohl kaum erklärt zu wer- den. In den USA werden monatlich etwa 650 Titel in rund 100 Millionen Exemplaren verbreitet; in der Bun- desrepublik kommen pro Monat unefähr zwei Millionen Heftchen auf den Markt. Lange Zeit wurden Co- mies zur —»Schundliteratur gerechnet, und immer noch sind Literaturwissenschaftler oder Pädagogen der Meinung, daß von der Comic-Lektüre sehr schädliche Wirkungen ausgehen: «Psychologisch gefährlich wegen der Reduzierung aller Formen und Gehalte zum bloßen primitiven und handlungsreichen Stoff und der Abstumpfung der kindlichen Phantasie», heißt es in einem der am weitesten verbreiteten Sachwörterbücher der Literatur, und ein kritisches Wörterbuch der Literaturwissenschaft meint, Comics «bewirken zwangsläufig eine geistig-psychische Verarmung ihrer Konsumenten».

      Sicher bieten die meisten Comics nicht gerade die Form von Literatur, die sich kritisch und kreativ mit der Wirklichkeit auseinandersetzt, und bestimmt ist ein Comic aus der «Su-perman»- oder der «Batman»-Serie nicht dazu geeignet, gesellschaftliche Vorurteile oder Gewaltphantasien abzubauen.
      Interessanter scheint aber die Frage, weshalb Comics oft geradezu suchtartig verschlungen werden, welche Bedürfnisse durch ihre Lektüre befriedigt werden können. Dazu haben jüngere Literaturwissenschaftler folgendes herausgefunden: Die Inhalte der Comics sind nicht entscheidend, auch die Helden und Heldinnen wie Superman, Tarzan, Barbarella oder Wonderwoman spie-len als Identifikationsfiguren keine große Rolle. Wichtig ist die Mischung von Bildern und Sprechblasen oder erklärenden Untertexten. Bilder und Texte werden mehr oder weniger gleichzeitig wahrgenommen, sie folgen aber unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung.
      Die Bilder z. B. in der Superman-Serie sind auf starke Augenbewegungen hin produziert. Andauernd wechselt die Perspektive, folgen unterschiedliche, vom Film her bekannte Einstellungen. Die Bewegung der Augen versetzt die Wahrnehmung in ein als angenehm empfundenes Durcheinander, der Leser wird in die Comic-Geschichte regelrecht hineingezogen. Der Text erfordert eine Lektüre, die im Verhältnis zur Bildwahrnehmung vom Leser später gelernt wurde. So wirbeln beim Lesen eines Comics verschiedene Entwicklungsstufen durcheinander. In ihrer Sozialisation lernen die Menschen u. a., ihre Interessen und Bedürfnisse mit bestimmten An-schauungs- und Kommunikationsformen in Einklang zu bringen. Im Comic wird dieser Lernprozeß auf für den Leser lustvolle Weise rückgängig gemacht. Die sogenannten Päng-Wörter sind onomatopoetische Bildungen , die ebenfalls einem entwicklungspsychologisch frühen Stadium entsprechen.des Denkens, Sprechens und der Wahrnehmung auszuruhen. Comic Strips tauchen um 1900 in den Unterhaltungsteilen amerikanischer Tageszeitungen auf. Sie knüpfen an die jahrhundertealte Tradition der —»Bilderbogen und Einblattdrucke an. Als unmittelbare Vorbilder gelten z.B. die Bildergeschichten von Wilhelm Busch. Als erster von unzähligen folgenden amerikanischen Comic Strips gilt die sozialkritische Lausbubengeschichte «The yellow kid» von R. F. Outcault . Den Durchbruch schaffte das neue Genre mit R. Dirks «The Katzenjammer kids» , die wiederum direkt von Wilhelm Buschs «Max und Moritz» beeinflußt waren. Die Kunst der Comic-Produzenten bestand vor allem darin, ein stabiles Schema zu erfinden, das es erlaubte, bestimmte Figuren in immer wieder neue Situationen und Handlungen zu verwickeln. Dabei darf es auch grotesk-witzig oder übernatürlich-magisch zugehen.
      Der König der Comics im 20. Jahrhundert ist Walt Disney. «Mickey Mouse» und «Donald Duck» gehören zur Weltunterhaltungsliteratur. Ins Deutsche wurden sie nach dem Zweiten Weltkrieg kongenial von der Historikerin Erika Fuchs übersetzt. Seit den dreißiger Jahren verließen die Comics allmählich die Zeitung, um sich als Heftchen oder- seit etwa 1960 - als Taschenbücher ein Massenpublikum zu erobern. Der Zweite Weltkrieg mit seinem Heldenkult und der anschließende ideologische Kampf gegen den Kom-munismus schlugen sich vor allem in den amerikanischen Comics nieder; die Comic-Helden wurden nun in den Dienst der Weltanschauungen des freien Westens genommen. Seitdem findet man - etwa in «Super-man» oder «Batman» - häufig primitive Ãœbersetzungen von ideologischen Denksystemen. Die großen Comic-Serien versuchen stets, den neuesten Moden des Zeitgeistes zu folgen. Innerhalb der Medienkultur wirken erfolgreiche Fernseh- oder Kinofilme auf die Comics, die besonders bekannte Filmhelden übernehmen. Aber auch in umgekehrter Richtung beeinflußt der suggestive Stil der Comics zum Beispiel die bildende Kunst, etwa den Pop-Art-Maler Roy Lichtenstein.
      Die Comics haben die Wort- und Bildsprache der Gegenwart stark beeinflußt. Mickey Mouse, Asterix und Obelix sind zu allerorts zitierfähigen Figuren geworden. Die Popularität der Comics erkennt man schon daran, daß immer wieder versucht wurde, die oft zweifelhaften Helden und Heldinnen der Kriegs-, Porno-, Action- oder Science-fiction-Comics durch revolutionäre oder zumindest sympathisch-intelligente Figuren zu ersetzen. Für die erste Tendenz kann «Fritz the cat» von Robert Crumb stehen, für die zweite die «Peanuts» von Charles M. Schulz.
     


Comics zur darstellung von nationalsozialismus und holocaust

Sich in Form von Comics mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander zu setzen, haben der Amerikaner Art Spiegelman und Friedemann Bedürftig / Dieter Kaienbach versucht. Spiegelman, polnischer Jude, der Auschwitz und Dachau überlebte, erzählt in seiner Bildgeschichte 'Maus" die Geschi .....
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Comics für kinder und jugendliche - definition, comic, bildgeschichte, bilderbuch

Definition Comic bezeichnet eine ursprünglich rein humoristische, um die Wende zum 20. Jahrhundert in der nordamerikanischen Presse aufkommende Form der Bildgeschichte. Als eine Gattung der erzählenden Literatur, die sich sowohl des Schrift-texts als auch der Sprache des Bildes bedient, hat der C .....
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