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Buch/Buchdruck/Buchhandel



Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg um 1450 erfüllte in Europa ein offensichtliches Bedürfnis. —»Bibeln, Meßbücher, Grammati-; ken, Editionen von antiken Autoren und von Kirchenvätern, juristische Werke und —»Volksbücher waren bislang meist nur inhandschriftlicher Form verbreitet und einem kleinen, exklusiven Leserkreis zugänglich gewesen. In der Frühdruckzeit stellten die bis 1500 erschienenen über 27000 Drucke eine begehrte Lektüre dar. Diese Frühdrucke werden -»Inkunabeln genannt. In Gestaltung und Schrift lehnen sie sich noch sehr an die —►Handschriften an, verwenden häufig Abkürzungen und haben kein Titelblatt. Jeder -»Wiegendruck zeigt eine ganz eigene Prägung. Inkunabeln mit Originaleinbänden sind heute selten, denn die Einbände wurden zu späterer Zeit häufig ersetzt. Sie bestanden aus mit Leder überzogenem Holz. Die Auflagenhöhen waren unterschiedlich, zwischen 100 bis 200 und 1800 Exemplaren. Bücher kosteten in der Anfangszeit sehr viel Geld. Die Kosten für ein Augsburger Catholicon z. B. entsprachen 1469 dem Wert von 13 Ochsen. Das -* Format der Bücher spielte für die Preise eine große Rolle. Zunächst wurden die Bücher nur in Folio hergestellt, die erst später von kleineren Formaten abgelöst wurden. Hierdurch und durch höhere Auflagen konnten günstige Preise erzielt werden, leisten konnten sich Bücher trotzdem nur wenige. Lohn und Gehalt wurden meist in Naturalien bezahlt; nicht nur Studenten schrieben Bücher für den Privatgebrauch ab. Für Einrichtung und Betrieb einer Buchdruckerwerkstatt war eine Menge Geld nötig, so daß die Produktion von Büchern und ihr rascher Umsatz funktionieren mußten, woll-te sich der Besitzer nicht ruinieren. Der Drucker war zu diesem Zeitpunkt fast immer auch der Verleger ; er erwarb —»Manuskripte, stellte im eigenen Betrieb die Bücher her , sorgte für ihre Verbreitung. Um das Produktionsrisiko nicht alleine zu tragen, gingen einige Drucker-Verleger-Buchhändler dazu über, mit Kollegen bei der Herausgabe teurer Bücher zusammenzuarbeiten. Andere wollten sich durch eine eigene Druk-kerei nicht unter Produktionszwang stellen und ließen anderswo druk-ken. Klagen über unverkäufliche Bücher sind schon früh zu hören, z. B. in der Reformationszeit : Die schädlichen Mönchsbücher gingen überhaupt nicht, die reformatorischen Schriften dagegen florierten. Martin Luthers Ãœbersetzung des Neuen Testaments erzielte hohe und schnell aufeinander folgende Auflagen. Sie erschien 1522 in einer Auflage von 3000 Exemplaren und war schon nach ein paar Wochen vergriffen.

      Von der Reformationszeit an nahm das Analphabetentum zwar geringfügig ab, Schulen wurden eingerichtet, im großen ganzen produzierte der Drucker-Verleger aber für ein gebildetes Publikum. Die Bücherverzeichnisse und Messekataloge geben die Bedürfnisse von Lesenden wieder, die Lateinisch lesen. Sprachgrenzen bestanden demzufolge nicht, so daß der Buchvertrieb international arbeitete. Der Venezianer Aldus Manutius verkaufte beispielsweise seine Editionen nach Frankreich und Deutschland, während der Frankfurter Johann Fust auf den Messen in Lyon und Paris Umsätzemachte; der Nürnberger Anton Ko-berger eröffnete Filialen in Paris, Lyon und Krakau, in Leipzig, Breslau und Wien. In der Hauptsache wurde diese Literatur in den großen Messestädten vertrieben, in Deutschland vor allem in Leipzig und Frankfurt am Main. Die Drucker-Verleger übernahmen zusätzlich noch den Vertrieb der Bücher ihrer Kollegen, so daß sie auch noch als Sortimenter arbeiteten. Verrechnung erfolgte in bar. Den Vertrieb außerhalb der genannten Bücherzentren übernahmen < Buchführen. Sie stellten ihr Sortiment Klöstern und Bibliotheken vor, hinzu kamen aber auch vereinzelt ortsansässige Buchhändler in den Universitäts- und Reichsstädten. Außerdem verkauften alle Buchhändler Bücher, bei ihnen kauften eher die Schulen und interessierten Handwerker. Volksbücher, Kalenderliteratur, Schwankbücher wurden von Händlern, die auch andere Ware feilboten, auf den Jahrmärkten vertrieben. Verschiedene Vertriebsformen richteten sich nach den Interessen eines jeweils spezifischen Leserkreises.
      Bislang wurde die Bezahlung von Büchern im großen und ganzen in bar abgemacht. Mit dem Dreißigjährigen Krieg ändert sich das: sollten nicht mehr außer Landes fließen, die Bücher wurden nun getauscht. Einen Vorteil hatte diese Form des Tauschhandels: Innerhalb des deutschen Reiches blieb die Verbreitung der Bücher über die jeweiligen Handelsgrenzen hinaus gewährleistet. Getauscht wurde -»Bogen gegen Bogen. Ende des 17. Jahrhunderts lief Leipzig Frankfurt am Main als Buchzentrum den Rang ab. Zweimal im Jahr fanden nun in Leipzig die großen Messen statt, in der Fastenzeit und zu Michaelis . Buchhandlungen entstanden mehr und mehr. Die geschäftstüchtigen unter ihnen versorgten auch das Land, etwa wie heute der Versandbuchhandel. Andere wieder hatten Filialen und/oder besuchten Jahrmärkte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg gründeten Kommissionäre auch Firmen in den Messestädten, so daß auch zwischen den Messen Lager zur Verfügung standen, die auf Wunsch für Käufer Bücher beschaffen konnten. Zusätzlich gab es jetzt vereinzelt den Service : Jeweils bei Erscheinen wurde unverlangt das neue Buch dem - immer noch fast ausschließlich - gelehrten Publikum zugesandt. Die wichtigsten Bücher erhielten die Leser im gesamten 18. Jahrhundert nicht in Originalausgaben, sondern als —»Nachdrucke. —»Urheber- und Verlagsrechte existierten nicht, der Nachdruck war ein Geschäft, unter dem vor allem die Autoren zu leiden hatten Bis etwa 1800 war die Erfindung Gutenbergs drucktechnisch kaum weiterentwickelt worden. Erst jetzt wurde manuelle Arbeit durch Maschinen ersetzt. Friedrich Königs Schnellpresse brachte 1819 so viel wie acht Handpressen. 1820 wurde die Stereotypie erfunden: Vom einmal hergestellten Satz können beliebig viele Auflagen gemacht werden. Die 1796/97 entdeckte Li-thographie erlebte um 1800 einen großen Aufschwung, da sie das Flachdruckverfahren vor allem für Bilder ermöglichte. Sie basiert auf dem Gesetz gegenseitiger Abstoßung von Wasser und Fett. Die Druckform wird so präpariert, daß nur die Teile die fettige Farbe annehmen, die druk-ken sollen. —»Strichätzung und —»Autotypie/Netzätzung machten Massenauflagen möglich. Diese Erfindungen wurden durch die Langsiebmaschine, die die Papierherstellung mechanisierte, erst wirksam. Das Berufsbild des Buchhändlers veränderte sich, da er sich nicht länger ausschließlich auf die Gelehrten als Lesepublikum konzentrieren mußte .Die Frage des Nachdrucks und der Urheberrechte war ungeklärt, der Wiener Kongreß hatte angekündigt, der deutsche Bundestag werde sich dieser Probleme annehmen. Friedrich Christoph Perthes mußte aber den «Buchhandel als Bedingung des Daseins einer deutschen Literatur» anführen. Dies wirft ein Schlaglicht auf das Fehlen eines kulturell einheitlichen deutschen Reiches, das auch zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht in Sicht war, so daß die Gründung des «Börsenvereins des Deutschen Buchhandels» als eine intelligente Hilfsmaßnahme des Buchhandels erscheint, in kultureller Hinsicht die Leserwünsche zu erfüllen und politisch die deutsche Einigung vorwegzunehmen.
      Der «Börsenverein» schaffte gleichzeitig eine Grundlage, auf der der Staat zu einer Regelung des Urheberrechtes gezwungen werden konnte, eine lange Geschichte, die schließlich und endlich zum Reichsgesetz über Urheberschutz von 1871 führte.
      Der «Börsenverein» engagierte sich auch bei der Frage der —»Zensur, dabei blieb es aber doch vor allen Dingen den Verlagen des —»Jungen Deutschland überlassen, die Zensurgesetze zu umgehen. 1874 wurde diese vielschichtige Frage durch das Pressegesetz einheitlich für das deutsche Reich geregelt. Die Erfindung der Eisenbahn und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten, die Telegraph und Telefon boten, brachten eine bessere Versorgung mit Büchern mit sich. Der ambulante Buchhandel verlor an Reiz und war nicht mehr notwendig, ein neuer Zweig, der Bahnhofsbuchhandel, trat hinzu.
      1800 zählte der Meßkatalog 3906 Neuerscheinungen; in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kamen die auflagenstarken Familienzeitschriften hinzu; die «Gartenlaube» hatte 1872 bereits eine Auflage von 310000 Exemplaren . Gut im Geschäft waren seit den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts billige Buch- und Schriftenreihen, z.B. das «Pfennig-Magazin», die «Miniatur-Bibliothek», «Reclams Universal-Biblio-thek»; «Brockhaus Konversationslexikon» ging per Stück zu 50 Pfennig an den Kunden und umfaßte im Ganzen 240 Heftchen.
      Der Verleger Adolf Kröner erarbeitete 1888 eine für den gesamten reichsdeutschen Buchhandel verbindliche Verkehrs- und Verkaufsordnung, die den festen Ladenpreis für alle Bücher durchsetzte. Der Konditionsverkehr mit Rückgaberecht der nicht verkauften Exemplare war damit passö - der Buchhandel tätigte Buchbestellungen beim Vertreter, der die Verlagspro-gramme dem Buchhandel vorstellte. Das Publikum fand also nur noch die vom Sortimenter ausgewählten Bücher vor und nicht mehr prinzipiell alle Neuerscheinungen. In den zwanziger Jahren rief Kröner eine «Jungbuchhändlerbewegung» mit eigenen Tagungen und Zeitschriften ins Leben. 1933 wurden dem «Börsenverein» alle Initiativen beschnitten, der Buchhandel wurde Bestandteil der Reichsschrifttumskammer.
      Nach 1945 entwickelte der «Börsenverein des Deutschen Buchhandels» in Frankfurt am Main eine Monopolstellung als Fachverband in der Bundesrepublik.
      Der «Börsenverein» gibt das «Börsenblatt für den deutschen Buchhandel» heraus; darüber hinaus ist er Träger der «Schulen des Deutschen Buchhandels»; weiter ist die Organisation der jährlich in Frankfurt am Main stattfindenden internationalen Buchmesse die Aufgabe des «Börsenvereins». Der Buchhandel ist mehrstufig aufgebaut: Man unterscheidet zwischen herstellendem , verbreitendem , Zwi-schen-Buchhandel und den -»Buchgemeinschaften. Der verbreitende Buchhandel bezieht Bücher direkt beim Verlag oder beim Zwischenhandel, welcher dem Einzelhandel die kurzfristige Besorgung von Büchern verschiedener Verlage aus einer Hand ermöglicht. Technische Neuerungen und hohe Kostensteigerungen haben sich auf den gesamten Buchhandel stark ausgewirkt. Ãœber 40 Prozent des Ladenpreises geht bei nicht-fachlicher Literatur heute an den verbreitenden Buchhandel, mehr als die Hälfte des Verlagsanteils dient der Deckung verlagsinterner Verwaltungskosten. In den achtziger Jahren kann der Ladenpreis aus Herstellungspreis x 6 errechnet werden.
      Diese Kostenintensivierung macht häufig eine Mehrfachverwertung notwendig, da die Verlage ihre Kosten nicht mehr aus dem Buchverkauf allein decken können. Medien, Taschenbuchverlage, Buchgemeinschaften werden zu wichtigen Partnern, eine Notwendigkeit, die nicht selten zu Konflikten zwischen Verlagen und Autor führt. Verlage mit verschiedenen Produktionsbereichen vermindern ihr Risiko, indem anspruchsvolle Literatur von den Verlagen oft aus kommerziell erfolgreicheren Sparten finanziert wird.
     


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