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Bilderbogen



Bedrucktes Blatt mit Kommentar . Briefmaler stellen die Bilderbogenhandschriftlich her, bis die Erfindung des Buchdrucks eine serielle Herstellung möglich machte und auch ausführliche Textbeigaben erlaubte. Religiöse Motive, Heiligenbilder und -geschienten sind zunächst Thema, dann kommen erbaulich-belehrende, zuletzt satirische und humorvolle Motive hinzu . Sensationsberichte bestimmen schließlich bis ins 19. Jahrhundert den Bilderbogen.

      Im Reformationszeitalter dient der Bilderbogen auch der Information und Agitation . Sebastian Brant mit Teilen des «Narrenschiffs» , Lukas Cranach und Albrecht Dürer, Ulrich von Hütten, Martin Luther, Melanchthon, Thomas Murner, Hans Sachs u. a. sind Autoren von Bilderbogen. Zunächst wird mit Holzschnitten gearbeitet, die im 17. Jahrhundert durch Kupferstiche ersetzt werden. Paulus Fürst in Nürnberg wird wichtiger Verleger für Kupferstich-Bilderbogen. Bis ins 19. Jahrhundert erzielten Bilderbogen hohe Auflagen, die Lithographien möglich machten. Die «Münchener Bilderbogen» von Kaspar Braun waren sehr beliebt, vermutlich dank der Mitarbeit von Wilhelm Busch, Moritz von Schwind, Franz von Stuck u. a. Humorvolle Bilderbogengeschichten richteten sich jetzt an ein Publikum von Kindern. Heute profitieren Illustrierte und —> Comicproduzenten vom Bedürfnis nach Bilderbogengeschichten.
      Dieser Romantypus ist in der Weimarer —»Klassik entstanden: Die


Entwicklung und Bildung eines Menschen zur verantwortlichen und rei-
; fen Persönlichkeit wird hier nachgezeichnet. Krisen und innere Kämpfe gehören zu diesem fast jedem Menschen bekannten Prozeß, so daß der Bildungsroman den Lesern zahl-
1 reiche Identifikationsmöglichkeiten bietet. Diese Romanform ist meist in mehrere Phasen gegliedert, die sich an verschiedenen Lebensabschnitten des Helden orientieren, etwa Jugendjahre - Wanderjahre - Läuterung. Die einzelnen Schritte der Bewußtwerdung können daher gut nachvollzogen werden. Hinzu kommt eine auffällige Konzentration auf den männlichen Helden; Frauen kommen in dieser Rolle nie vor. Entsprechend ihrer gesellschaftlichen Stellung haben sie entweder die Aufgaben teilnehmender Beobachterinnen oder engagierter Bezugspersonen wahrzunehmen. Auch in dieser Hinsicht war Johann Wolfgang Goethes «Wilhelm Meisters Lehrjahre» richtungsweisend. Philine ist fähig zur Unabhängigkeit und paßt sich nicht an die Gesetze und Normen der bürgerlichen Gesellschaft an; Mariane als Gegentypus ist überangepaßt und scheitert an dieser Einstellung; Aurelie geht auf Konfliktkurs mit der Gesellschaft und gibt so eine Interpretationsmöglichkeit für ihre Schwierigkeiten mit dem Leben. Na-talie schwebt in höheren Sphären, hat kaum menschliche Ausstrahlung und ist in ihrer Abgehobenheit verehrungswürdig.
      In den romantischen Bildungsromanen steht die Person des Künstlers im Mittelpunkt, so daß ein eigenes Genre, der Künstlerroman, entstand. Dem Künstler wird inseiner Entwicklung ein Recht auf nichtbürgerliche Lebensweise eingeräumt, seine gesellschaftliche Außenseiterrolle wird thematisiert. Novalis «Heinrich von Ofterdingen» bemüht sich um eine umfassende Poetisierung des Lebens. Ab dem 19. Jahrhundert formuliert der Bildungsroman Zweifel daran, ob durch Bildung gesellschaftliche Ziele wirksam erreicht werden können. Diese Einschätzung wurde bis dahin in allen bisherigen Bildungsromanen vertreten. Möglicherweise, so lautet nun die skeptische Einschränkung, ist Bildung eine Sackgasse, die von der gesellschaftlichen Wirklichkeit weg in die reine Theorie führen kann.
      In den «Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreissler in zufälligen Makulaturblättern» von E.T.A. Hoffmann werden zwar behende die Klassiker zitiert, zu einer besseren Kenntnis von Gesellschaft und Welt verhilft Bildungsbeflissenheit aber hier nicht. Im Gegenteil: Murr wird zu einem rechten Spießer, und wie das Bürgertum sucht er dies hinter der Pose des Gebildeten zu verstekken, wie der als —»Persiflage angelegte Roman zeigt. Gottfried Keller scheint in seinem «Der grüne Heinrich» ein Rezept gefunden zu haben, das Bildungsziel der optimalen Persönlichkeitsentfaltung des Helden mit dessen Engagement für Stadt und Gesellschaft zusammenzubringen, zumindest in der zweiten Fassung dieses Romans . Eine gescheiterte Künstlerlaufbahn und Schuldgefühle am Tod der Mutter begleiten seinen Weg, bis er schließlich ein bescheidenes Glück in der Ãœbernahme eines staatlichen Amtes finden kann.
      Thomas Manns «Der Zauberberg» geht nicht mehr von der Möglichkeit eines harmonischen Lebens in der Gesellschaft aus. Der —»Protagonist Hans Castorp hat am Schluß die Idee einer positiven Utopie vergessen und zieht in den Krieg. Damit sind alle Bildungsbemühungen überflüssig gemacht, ja ad absurdum geführt. Allerdings relativiert Thomas Mann die Konzeption des passiven Helden im Exil . Die Einsicht, als Autor in die politischen Verhältnisse eingreifen oder zumindest sich zu ihnen äußern zu müssen, schlägt sich in der Gestaltung der Hauptfigur im Roman «Joseph und seine Brüder» nieder. Der egozentrische Joseph macht eine Entwicklung durch, an deren Ende er für die Gemeinschaft tätig werden kann und nicht nur mehr sich selbst im Mittelpunkt sieht. Die biblische Figur Joseph erhält in der Darstellung eine aktuelle Dimension, indem sie vorführt, wie eine humane Lebensform für alle Menschen verwirklicht werden kann.
      Vorbildcharakter hat auch der Held in Heinrich Manns «Die Jugend des Königs Henri Quatre» und «Die Vollendung des Königs Henri Quatre» . König Henri wird als Politiker gezeigt, der weiß, daß politische Ziele nur kämpferisch durchgesetzt werden können. Mit diesem Roman hat der bürgerliche Bildungsroman einen gewissen Endpunkt erreicht.
     


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