Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Jugendlexikon literatur

Index
» Jugendlexikon literatur
» Bibel

Bibel



«Biblia»: die «Schriften» nennt man seit der Zeit der Kirchenväter die zum -»Kanon gehörenden Schriften des Alten und Neuen Testaments. Die Bibel ist kein einheitlicher Text, sondern eine immer wieder bearbeitete Sammlung von einzelnen Schriften, die nach Inhalt, Alter, Umfang und Form unterschieden werden müssen. Die Bibelwissenschaft versucht den Überlieferungsprozeß der für den christlichen Glauben nach wie vor grundlegenden Schriften des Alten und Neuen Testaments nachzuzeichnen. Die Bibel ist aber auch für die Literatur-und Sprachgeschichte sowie für die Geschichte der Textauslegung und der —»Ãœbersetzung von herausragender Bedeutung. Das Alte Testament ist in Althebräisch, einige Abschnitte sind in Aramäisch geschrieben, das auch Jesus sprach. Die Schriften des Neuen Testaments sind in Griechisch verfaßt. Abgesehen von den Problemen der Exegese bildet schon jede Übersetzung eine veränderte Interpretation der Bibeltexte. Das trifft besonders auf das Alte Testament zu, denn die hebräische Schrift notiert nur die Konsonanten. Erst im -»Mittelalter fixierten jüdische Gelehrte, die sogenannten Masoreten, den hebräischen Text und fügten Vokale und Betonungen ein. Der Kirchenvater Origines schuf eine sehr umfangreiche, rund 6000 Seiten umfassende Ausgabe des Alten Testaments, wobei er neben dem hebräischen Text in Spalten noch fünf andere Übersetzungen rückte. Darunter die «Septua-ginta», die griechische Übersetzung des Alten Testaments. . Der Kirchenvater Hieronymus schließlich über- trug große Teile des Alten Testaments ins Lateinische. Seine Bibel, die «Vulgata» wurde während des Konzils von Trient als für die katholische Kirche verbindlich festgesetzt. Sie galt als sinngetreue Kopie des heiligen Originals.

      Der Bischof Wulfila schuf eine gotische Bibelübersetzung, von der im «Codex Argenteus» Bruchstücke erhalten wurden. Diese Über-
Setzung war zugleich eine herausragende sprachschöpferische Leistung; denn Wulfila erfand nicht nur nach griechischem Muster eine eigene Schrift, sondern eine literarische
Sprache, in der er viele Begriffe und grammatische Strukturen neu schuf. Im Mittelalter erschienen viele poetische Bearbeitungen der vier Evangelien, die man Evangelienharmonien nennt. Dabei wird in möglichst enger
Anlehnung an die Bibel versucht, einheitlich über das Leben und das Wirken Jesu zu berichten. In der gesamten Kultur des Mittelalters sind die Lektüre und Auslegung der Bibel zentral. Dabei wurde der Wortlaut der Bibel besonders bei schwer verständlichen oder fremd klingenden Stellen mit Hilfe der allegorischen
Schriftauslegung umgedeutet. Die Allegorese sucht im sprachlichen Ausdruck einen tieferen Sinn, der hinter den Worten verborgen liegt. Zum Beispiel wurde so das «Hohelied Salomons», eine Samm-lung von offen erotischen Liebesliedern, allegorisch umgedeutet. Die Braut und der Bräutigam wurden als eine verschlüsselte Darstellung der christlichen Kirche und Christus verstanden. Die Bibel wurde in all ihren Aussagen für wahr genommen. Erst als im 16. Jahrhundert das geozentrische Weltbild aufgrund neuer astronomischer Erkenntnisse aufgegeben werden mußte, geriet die verbindliche Autorität der biblischen Aussagen ins Wanken. Jetzt erklärten kritische Geister, daß in der Bibel nicht die Geschichte der gesamten Menschheit abgehandelt wird, sondern nur die Heilsgeschichte des jüdischen Volkes. Man unterschied seitdem in der Bibel einzelne Autoren und bemühte sich bei der Auslegung ihrer Schriften darum, die jeweilige historische und kulturelle Umgebungin Betrachtzuziehen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts schließlich kam die historisch-kritische Methode auf. Man sah, daß der Wortlaut der Bibel von den historischen Überlieferungen mitunter vollkommen abwich und abergläubische und stammesreligiöse Anschauungen in die Texte eingegangen waren. Deutsche Bibelübersetzungen hatte es auch schon vor Martin Luther gegeben . Die erste Gesamtausgabe von Luthers Übersetzung erschien 1534; die letzte, von ihm selbst verantwortete Ausgabe, 1545. Die Sprache seiner Bibelübersetzung beeinflußte nachhaltig die Herausbildung einer deutschen Nationalsprache. Die von Luther weiterentwickelte «sächsische Kanzleisprache» wurde in die übrige Literatur seiner Zeit übernommen und wirkte so wieder auf die Umgangssprache zurück. Durch Luthers außerordentlich populäre Übersetzung wurde die Bibel für viele Gläubige überhaupt erst lesbar und verständlich. Die mit der Reformation aufkommende selbständige Bibellektüre der Protestanten bildete die historische Grundlage der Lesekultur in Deutschland. Inzwischen wurde die Bibel in mehr als tausend Sprachen übersetzt. In immer neuen Bearbeitungen wird versucht, den Gehalt der Bibel an die modernen Sprach- und Verständnisnormen anzupassen. Darin geht das «Neue Testament 68. Gute Nachricht für Sie» am weitesten.
     


Bibel

Die Aussage, bei der Bibel handele es sich um den Weltbestseller der Buchgeschichte, ist eine gelinde Untertreibung. Über die Weltgesamtauflage sind verlässliche Zahlen nicht zu erlangen, doch die jährliche Produktion von Bibeln und Bibelteilen soll zwischen 500 Millionen und 700 Millionen Exemplar .....
[ mehr ]
Index » Autoren

Bibel

Vorbemerkung Die Geschichte der Bibelauslegung bietet ein besonders instruktives Beispiel dafür, wie die Auslegungs- und Verstehensgrundsätze dem historischen Wandel unterworfen sind und wie sie vom Verwendungszusammenhang der Texte bestimmt werden. Das liegt zunächst einfach daran, daß die Bibel i .....
[ mehr ]
Index » Beispiele der Texthermeneutik

 Tags:
Bibel    




Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com