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Bekenntnisdichtung



Johann Wolfgang Goethe sah alle seine Werke als «Bruchstücke einer großen Konfession an». Natürlich werden alle literarischen Arbeiten von der Persönlichkeit und den Ãoberzeugungen ihrer Autoren geprägt. Die Bekenntnisdichtung zieht ihren Definitionsradius jedoch etwasenger und fordert einen objektivierten Rahmen, in dem die Bekenntnisse vorgelegt werden. Der autobiographische Roman bietet diesen Rahmen, aber auch Liebes- und religiöse Dichtung, in denen Bekenntnisse plaziert werden. Berühmte Beispiele sind: Friedrich Schlegel, «Lucinde» , Johann Wolfgang Goethe, «Die Leiden des jungen Werthers» , Joseph von Eichendorff, «Ahnung und Gegenwart» , Wolfgang Borchert, «Draußen vor der Tür» , Peter Weiss, «Abschied von den Eltern» . «... Nie mocht ich in Gesellschaften sein, wo gezankt wurde oder wo sonst jemand unzufrieden war; nie, wo schmutzige Zoten aufs Tapet kamen oder es sonst kunterbunt - wohl aber, wo es lustig in Ehren herging und alles content war. Mehr als einmal hab ich mein eigenes Geld angespannt, um anderen Vergnügen zu machen. - Viel hundert Gulden hab ich entlehnt, um andern zu helfen, die mich hernach ausgelacht oder es mir abgeleugnet oder die ich mir wenigstens damit statt Freunden zu Feinden gemacht. - Das schöne Geschlecht war freilich von jeher meine Lieblingssache, doch ich hab ja über dies Kapitel schon gebeichtet. Gott verzeih mir s, wo ich gefehlt! - Diesmal ist s um Entschuldigungen und Trostgründe zu tun. Und da bin ich in meinem Innersten zufrieden mit mir selber, daß gewiß kein Weibsbild unter der Sonne auftreten und sagen kann, ich habe sie verführt; keine Seele auf Gottes Erdboden herumgeht, die mir ihr Dasein vorzuwerfen hat; daß ich kein Weib ihrem Mann abspenstig gemacht, und eine einzige
Jungfer gekostet - und die ist meine Frau. Diese meine Blödigkeit freutet mich immer und würde mir noch itzt anhangen. Auch das ist mir ein wahrer Trost, daß ich sogar nur nie keine Gelegenheit gesucht - höchstens bisweilen in meiner Phantasie, die Narr-
1 heit hatte, einen guten Anlaß zu wünschen; aber, wenn sich denn derselbe glücklicher- oder unglücklicherweise ereignete, ich schon zum voraus an allen Gliedern zitterte -, meinem Weib hab ich nie Unrecht getan - es mußte denn das Unrecht heißen, daß, ich mich nie ihr Untertan machen wollte.» .
     


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