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Ballade



Die Ballade wird oft als Erzählgedicht bezeichnet. Meist wird in knapper Form und kunstvoller Sprache von einer spannenden, manchmal unheimlichen Begebenheit erzählt. Ursprünglich als —»Lied von Spielleuten vorgetragen, hat die Volksballade ihre Wurzeln in den mittelalterlichen —>Heldenliedern . Nicht belegt ist jedoch, daß zu den Liedern tatsächlich getanzt wurde, wie der Name nahelegt .


      Die Ballade ist zwar in erster Linie ein Gedicht, doch wird sie ebenfalls der epischen und der dramatischen Gattung zugeordnet, so daß Johann Wolfgang Goethe, selbst ein bedeutender Balladen-Dichter, vom «Ur-Ei» der Poesie sprechen kann. Er sieht hier alle drei Grundformen der Dichtung vereinigt, indem er sich die Ballade immer von einem Sänger vorgetragen denkt. Die Volksballaden fanden im Spätmittelalter in den romanischen Ländern und in England große Verbreitung. Themen waren in den meisten Fällen Episoden aus dem Ritterleben oder Sagenmotive . Während man sich in den romanischen Ländern anderen dichterischen Ausdrucksformen zuwandte, blieb die Ballade in den nordischen Ländern, also auf den britischen Inseln, in Skandinavien, aber auch in Deutschland lebendig, so daß zu Beginn des systematischen Sammeins und Erforschens um die Mitte des 18. Jahrhunderts die Volksballade als eine ausgesprochen nordische Dichtart galt.
      Großes Aufsehen erregte im Jahre 1760 der Schotte James MacPherson mit seinem angeblichen Fund einer Sammlung altirischer Balladen und Sagen, die dem legendären Barden Ossian aus dem 3. Jahrhundert zugeschrieben wurden. Obgleich die Sammlung bald als geniale Fälschung erkannt wurde, hatte sie aufgrund ihres hohen künstlerischen Wertes, aber auch wegen ihres stofflichen Reizes eine enorme Wirkung. Sie prägte nachhaltig das Bild von der düsteren, nebelverhangenen, aber geheimnisvollen Welt der nordischen Ballade. Goethe läßt Werther ausrufen: «Welch eine Welt, in die der Herrliche [Ossian] mich führt! Zu wandern über die Heide, umsaust vom Sturmwinde, der in dampfenden Nebeln die Geister der Väter im dämmernden Lichte des Mondes hinführt.» In Deutschland steht Johann Gott-fried Herders Sammlung «Volkslieder nebst untermischten Stücken» am Anfang der umfangreichen Erforschung der Volksballade, die großen Einfluß auf die Balladendichtung der —»Klassik und der -♦Romantik hat.
      Das Jahr 1774 gilt mit dem Erscheinen von Gottfried August Bürgers «Lenore» als das Geburtsjahr der Kunstballade. Bürger nimmt viel vorweg, was in der Folgezeit charakteristisch für diese Gattung sein wird: den mittelalterlichen Einfluß geheimnisvoller Mächte auf das Schicksal des Menschen, den raschen Erzählfluß, die klangmalerische Sprache. Die Ballade endet sogar nach Bänkelsängerart mit einer Moral:
«Nun tanzten wohl bei Mondenglanz Rundum herum im Kreise Die Geister einen Kettentanz Und heulten diese Weise: »
Aus dem gleichen Jahr datiert auch Goethes erste bekannte Ballade «Der König von Thule», der er zahlreiche weitere, z. T. populär gewordene, folgen läßt . Kennzeichnend für den Inhalt seiner Balladen ist das undurchschaubare Spiel magischer Mächte mit dem Menschen. Die Freundschaft mit Friedrich Schiller, seinerseits Dichter zahlreicher bekannter Balladen , regt beide zu fruchtbarer
Beschäftigung mit der Ballade an.
      Das Jahr 1797 geht als ihr «Balladenjahr» in die Literaturgeschichte ein. Anders als Goethe stellt Schiller den
handelnden Menschen in seinem Kampf um die freie sittliche Entscheidung dar.
      Im Unterschied zu den beiden Klassikern stellten die Romantiker wieder den volkstümlichen Charakter der Ballade heraus.
      Achim von Arnim und Clemens Brentano versuchten, mit ihrer Sammlung «Des Knaben Wunder-horn» im Liedgut den unverfälschten Ausdruck des Volkes zu dokumentieren. Auch Balladendichter wie Joseph von Eichendorff, Ludwig Uhland, Heinrich Heine und Eduard Mörike bemühten sich um eine betont einfache Ausdrucks-
weise. Das 19. Jahrhundert brachte neben einer großen Anzahl herausragender Balladendichter-z. B. Adelbert von
Chamisso, Annette von Droste-Hülshoff, Nikolaus Lenau, Theodor Fontane und Conrad Ferdinand Meyer - geradezu eine Balladensucht hervor. Jeder Literat fühlte sich berufen, über alles und jedes in
B alladenform zu dichten, so daß diese literarische Form schließlich neuer Impulse bedurfte.
      Diesen neuen Weg in Richtung Bän-kellied und —»Moritat beschritten Frank Wedekind und später Bertolt Brecht, die der Ballade sozialkriti- sehe Aspekte verliehen. Heutzutage stehen Bänkelsänger wie Franz Josef Degenhardt oder Dieter Süverkrüp noch in der Tradition des Balladendichters.
     


Die ballade

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Index » DIE DEUTSCHE LITERATUR » GRUNDSITUATION DER LYRIK

Volkslied und volksballade

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Gedichte und balladen

Goethes lyrisches Schaffen ist so umfangreich und so vielseitig, daß es nur bedingt um Schwerpunkte gruppiert oder nach Entwicklungsstufen geordnet werden kann. Am ehesten lassen sich die Gedichte noch thematisch mit anderen Werken, mit den Dramen und Romanen, vergleichen, die jeweils im gleichen Ze .....
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Gedichte und balladen

Die großen Erzähler und Dramatiker des poetischen Realismus waren auch die bedeutendsten Lyriker, deren Gedichte und Balladen vor dem Urteil späterer Generationen bestanden. Die Bestrebungen des Münchner Dichterkreises am Hofe Maximilians IL - unter seinem Wortführer Emanuel Geibel -, das klassisc .....
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Volksballade: die bernauerin - tod der schönen mitbürgerin

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Wolf biermann (geb. i936): ballade vom preußischen ikarus

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Das poetische 'ur-ei - die anfänge der kunstballade

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Hugo von hofmannsthal - ballade des Äußeren lebens

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Hans richter - die ballade in der sozialistischen dichtung

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