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Antike



Das Wort Antike bezeichnet im heutigen Verständnis die mehr als tausendjährige Epoche des griechischen und römischen Altertums, die sich, bezogen auf die Literatur, als relativ geschlossene Einheit darstellt. Hier werden die meisten literarischen Ausdrucksformen herausgebildet, die bis in unsere Tage gepflegt werden, hier finden sich die ersten Meisterwerke der Weltliteratur, die noch heute gelesen werden. Auffallend ist das hohe sprachliche Niveau, mit der diese Literatur von Anfang an und bis zum Ende der —»Epoche auftritt.

      Der Rhythmus der Sprache, der kunstvolle Ausdruck scheinen für das dichterische Kunstwerk besonders der Griechen unabdingbar zu sein. «Die rhythmische und sprachliche Schöpferkraft fühlte sich durch die Schwierigkeit offenbar nicht wesentlich behindert, sondern eher herausgefordert und gesteigert», schreibt der Literaturwissenschaftler W.-H. Friedrich. Die betont kunstvolle Sprache sagt auch etwas darüber aus, für wen gedichtet wurde, nämlich für die Gebildeten, d. h. für Aristokraten und reiche Patrizier, was auch inhaltlich dadurch bestätigt wird, daß in der Dichtung mit Aus-nahme der —> Komödie nur Personen gehobenen Standes vorkommen.
      Am Anfang steht das Heldenepos mit der «Ilias» und der «Odyssee», die beide Homer zugeschrieben werden. Ãœber die Person des Homer läßt sich nichts Sicheres aussagen, es ist noch nicht einmal geklärt, ob die ihm zugeschriebenen Werke von ein und derselben Person sind. Als sicher gilt, daß die beiden Epen im 8. Jahrhundert vor Chr. im nördlichen Kleinasien entstanden sind. Sie beziehen sich auf Ereignisse, die ca. 400 Jahre vorher in Troja stattgefunden haben. Die Werke Homers haben einen gewaltigen Einfluß gehabt, sowohl was den Stoff betrifft, der in unzähligen Variationen neu verarbeitet wurde, als auch was die sprachliche Gestalt angeht, die schon in der Antike als musterhaft galt. Obwohl es in der folgenden Zeit mehrere Versuche gegeben hat, das Epos neu zu beleben und dem homerischen Gleichrangiges zur Seite zu stellen, hat nur ein einziges seine Zeit überlebt: die «Aeneis» des Ver-gil, die ebenfalls dem trojanischen Sagenkreis entstammend die Entwicklung Roms und das Zeitalter des Au-gustus als deren Krönung feiert. Kein Epos im strengen Sinne ist Ovids mythologisches Werk «Metamorphosen» , in dem in lockerer Reihung das Motiv der Verwandlung in rund 250 Sagen variiert wird.
      Genauso wie das Epos zeichnet sich das Lehrgedicht durch sein hohes künstlerisches und sprachliches Niveau aus. Sein Stammvater ist He-siod, der mit seiner «Theogonia» ein umfangreiches Kompendium der griechischen Göt-


terwelt und Mythologie hinterlassen hat. Das Erbe ist in dieser Gattung reich, ganz besonders bei den Römern. Lehrgedichte zu allen mög-j liehen Bereichen der Wissenschaf-! ten und des alltäglichen Lebens werden verfaßt, zur Wetterkunde und ; zu Jagd und Fischerei ebenso wie zur Landwirtschaft und zur Astronomie . Philosophische Lehrmeinungen werden genauso in Versen vorgetragen wie pädagogische Ratschläge. Poesie und Wissenschaft schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich auf fruchtbare Weise. Das Vorgetragene soll so den Charakter einer gültigen und bleibenden Aussage erhalten. Ein in sich geschlossenes Bild der Naturwissenschaft gibt Lukrez in «De rerum natura» , das formal für die weitere Entwicklung des Lehrgedichts von Bedeutung ist, aber auch inhaltlich große Wirkung hat. Ein anderes wichtiges Lehrgedicht ist Vergils «Georgica», das das Landleben zum Thema hat, das aber einen philosophisch-weltanschaulichen Charakter durch die Betrachtungen zur Vergänglichkeit des Lebens gewinnt.
      Das antike Griechenland ist die Geburtsstätte des europäischen —»Dramas. Für die —»Tragödie gilt, daß ebenso wie im Epos ausschließlich Stoffe aus der Mythologie gestaltet werden, und zwar auch in höchst kunstvoller Sprache. Aus dem religiösen Chorgesang entwickelt sich durch das Herausstellen erst eines, dann mehrerer Darsteller ein —> Dialog und eine dramatische Handlung.
      Im fünften vorchristlichen Jahrhundert schaffen Aischylos, Sophokles und Euripides den Maßstab, der für die Tragödie der gesamten Antike und bis in die Neuzeit hinein gültig ist.
      Die —»Komödie, von ihrer ganzen Anlage her vielfältiger und ungeregelter, ist häufig sprachlich und stofflich derber. Äußerst phantasievoll und voll bissiger —»Satire sind die Komödien des Aristophanes, die noch heute gespielt werden. Von dem rund 100 Jahre später lebenden Menander ist leider nicht viel erhalten. Die Bearbeitungen seiner Stük-ke durch die großen römischen Komödienautoren Plautus und Terenz zeigen ihn als Begründer der Charakterkomödie, als der Menander weitreichenden Einfluß auf die weitere Entwicklung der Komödie hat. Die —»Lyrik wurde in der Antike nicht als eigene Literaturgattung aufgefaßt und etwa, wie heute üblich, der —»Epik und dem Drama gegenübergestellt. Lyrik war das gesungene Wort schlechthin und kam sowohl im Epos und im Drama als auch eigenständig als -»Lied vor. Aristoteles bezeichnet sie als Dichtung mit Musik und Rhythmus, bei der der Dichter in eigener Person spricht. Meist wurden die Lieder zu bestimmten Anlässen vorgetragen, und zwar entweder chorisch oder durch einen einzelnen Sänger. Von den griechischen Lyrikern sind Sappho, Ana-kreon und Pindar bekannt geblieben. Vielseitiger ist die römische Lyrik, die eine Reihe bedeutender Dichter hervorgebracht hat. Catull und Horaz werden als größte Lyriker Roms angesehen. Catull ist der Meister der einfachen Form; kunstvoll gestaltet er sowohl alltägliche Bege-benheiten als auch die inbrünstige Liebesklage. Horaz wendet sich in seinem lyrischen Werk den Problemen seiner Zeit zu, die er als Satiriker scharfzüngig geißelt oder sie zum Anlaß für philosophische Betrachtungen nimmt. Die Prosa tritt in der Antike zunächst nur im wissenschaftlichen Bericht und in der philosophischen Abhandlung auf und wird auch dort kunstvoll, d. h. rhythmisiert gestaltet. Erzählungen und Romane in unserem Sinne sind in nennenswertem Umfang erst aus der römischen Zeit überliefert, obwohl sie auch dort im Vergleich zu den anderen Gattungen eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Als Prosaiker bedeutend sind Petronius, der in seinem fragmentartig erhaltenen Roman «Satyricon» das Rom des Kaisers Nero schildert und dabei Elemente des -»Schelmenromans und des -* Zeitromans vorprägt .Der erste vollständig erhaltene antike Roman ist die «Metamorphoses» des Apuleius, ein satirischer Roman, der in einzelne novellenartige Episoden aufgegliedert ist und damit ebenfalls auf den Schelmenroman und die Novellenliteratur vorausweist. Der Liebesroman «Aithiopi-ka» des Heliodoros von Emesa aus dem 4. Jahrhundert, der griechisch verfaßt wurde, nimmt in seiner enormen Stoffülle Elemente des —»Abenteuerromans und der —> Reiseliteratur vorweg und hat besonders im —»Barock zu zahlreichen Nachdichtungen angeregt.
     


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