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Anekdote




Die «Anekdota» des Prokopios waren das Vorbild dieses Genres. Prokopios trug kritisches Material gegen Kaiser Justinian zusammen, das er erst nach dessen Tod dem Publikum vorlegen konnte. In seiner offiziellen Geschichte der Regierung Justinians hatte er die hier zusammengestellten Enthüllungsgeschichten ausgespart. Heute versteht man unter Anekdote eine witzige kleine Geschichte, die sich meist um eine prominente Person oder eine denkwürdige Begebenheit rankt. Parallelen zum —»Witz, —> Aphorismus, —> Epigramm, zur —> Fabel, —» Kalendergeschichte, —»Kurzgeschichte, zum —»Schwank liegen nah.
     
In geschichtlichen Werken wird sie zur Illustration der beschriebenen Persönlichkeiten benutzt, ebenso zur Auflockerung in geistigen Schriften oder aber in Schwanksammlungen. In der—»Aufklärung wird die Anekdote durch den «Wandsbecker Bo-then» von Matthias Claudius einem breiten Lesepublikum vorgestellt. Schöne Beispiele bieten u. a. das «Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes» von Johann Peter Hebel und die «Berliner Abendblätter» des Heinrich von Kleist, Bertolt Brechts «Kalendergeschichten» .
      «Ein Kapuziner begleitete einen Schwaben bei sehr regnichtem Wetter zum Galgen. Der Verurteilte klagte unterwegs mehrmals zu Gott, daß er, bei so schlechtem und unfreundlichem Wetter, einen so sauren Gang tun müsse. Der Kapuziner wollte ihn christlich trösten und sagte: - Wer es empfunden hat, wie öde einem, auch selbst an einem schönen Tage, der Rückweg vom Richtplatz wird, der wird den Ausspruch des Kapuziners nicht so dumm finden.»


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