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Absurdes Theater




Spricht man vom Absurden Theater, so ist damit eine Form des —> Dramas gemeint, die in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts aufkam und mit Erfolg auf den Bühnen der westeuropäischen und nordamerikanischen Länder gespielt wurde. Das ist um so erstaunlicher, als das Absurde Theater die Regeln der herkömmlichen Dramatik gründlich mißachtet. Die Stücke entbehren jeglicher Spannung, floskelhaftes Gerede macht den Dialog aus, bisweilen findet in zumeist spärlicher Kulisse ein Minimum an Aktion statt. Das Absurde Theater will die Fremdheit des Menschen in der Welt und die Sinnlosigkeit des menschlichen Seins und Handelns unmittelbar auf die Bühne umsetzen.

      Das Phänomen des Absurden kennzeichnet Albert Camus in seinem Essay «Der Mythos von Sisyphos» : «... in einem Universum, das plötzlich der Illusionen und des Lichts beraubt ist, fühlt der Mensch sich fremd. Aus diesem Verstoßen-Sein gibt es für ihn kein Entrinnen, weil er der Erinnerungen an eine verlorene Heimat oder der Hoffnung auf ein gelobtes Land beraubt ist. Dieser Zwiespalt zwischen dem Menschen und seinem Leben, zwischen dem Schauspieler und seinem Hintergrund ist eigentlich das Gefühl der Absurdität.» Dieses Gefühl wird von den Dichterndes Absurden Theaters nicht als philosophisches Problem auf der Bühne erörtert, wie es die Autoren des —»Existentialismus in ihren Stücken tun , sondern szenisch dargestellt. Meist herrscht in den Stücken eine Atmosphäre, in der Tragisches und Groteskes miteinander vermischt sind. Die Personen sind Figuren, die nicht psychologisch gestaltet sind und die motivlos leeres Handeln und Sprechen vorführen. Dabei spielen bisweilen —»Pantomime und Slapstick-Komik eine wichtige Rolle. Ebenso unvermittelt wie das Geschehen beginnt, endet es wieder; Fragen bleiben unbeantwortet, nach einem Sinn wird gar nicht erst gesucht. «Das Absurde entsteht aus der Gegenüberstellung des Menschen, der fragt, mit der Welt, die vernunftwidrig schweigt» . Die Sprache ist kein Verständigungsmittel, die Personen reden aneinander vorbei, das Sprechen dreht sich im Kreis.
      Die Autoren dieses Anti-Theaters verstehen sich nicht als Gruppe, sie sind Einzelgänger, und die Gemeinsamkeit rührt daher, «daß ihre Werke mit großer Feinfühligkeit Sorgen und Ängste, Gefühle und Gedanken widerspiegeln, die gegenwärtig viele Menschen in der westlichen Welt bewegen» . Der in Frankreich lebende und französisch schreibende Ire Samuel Beckett legt mit seinem 1948 entstandenen Stück «Warten auf Godot» den ersten des Absurden Theaters vor. Zwei Landstreicher warten an einer Landstraße neben einem blattlosen Baum auf jemanden, den sie Godot nennen. Sie vertreiben sich die Zeit, in-dem sie sich Geschichten erzählen und indem sie zwei Menschen beobachten, die sich vorübergehend zu ihnen gesellen und die als Herr und Knecht ein anscheinend schicksalhaft aufeinander bezogenes Paar abgeben. Endlich beschließen sie, das Warten auf Godot aufzugeben und zu gehen. Sie bleiben jedoch. Das vergebliche Warten wird fortgesetzt. In seinen weiteren Stücken treibt Beckett die Reduzierung von Handlung und Sprache noch weiter. Neben Beckett ist der ebenfalls in Frankreich lebende und französisch schreibende Rumäne Eugene lones-co der wichtigste Vertreter des Absurden Theaters. Der Dramatiker, der sowohl das psychologische als auch das politisch-engagierte Theater ablehnt, parodiert in seinen Stük-ken, die oft den Charakter einer -♦Farce haben, die Sinnlosigkeit des zwischenmenschlichen Verhaltens, indem er die Klischees des Sprechens, des Denkens und des Verhaltens offenlegt. Sein wohl bekanntestes Stück «Die Nashörner» , das er selbst auch als politisches Stück bezeichnet, zeigt die Einsamkeit des einzelnen gegenüber der Masse. In einer Provinzstadt verwandeln sich nach und nach alle Einwohner in Nashörner, bis schließlich nur noch ein einziger Mensch übrigbleibt, der mit seiner nun entstandenen Außenseiterrolle hadert: «Die sind s, die schön sind. Ich hatte unrecht! Oh, wie gerne wäre ich wie die! Ich habe kein Hörn, leider! Wie häßlich ist das doch, so eine glatte Stirn.» Ionesco verfremdet Gewohntes, um dessen Absurdität anschaulich zu machen.
     
Neben den beiden Genannten gibt es eine Reihe von Autoren, die zeitweise auch bedeutende Beiträge zum Absurden Theater geleistet haben, wie Arthur Adamov , Jean Ge-net , Jean Tardieu, Boris Vian , Fernando Arrabal und Harold Pinter . In der deutschsprachigen Literatur blieb das Absurde Drama eher die Ausnahme, obwohl die Stücke Becketts, Iones-cosusw. in Deutschland auf lebhaftes Interesse stießen. Einzelne Dramen von Wolfgang Hildesheimer, Günter Grass und in gewissem Sinne von Peter Handke können dem Absurden Theater zugerechnet werden.
     


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