Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Jugendlexikon literatur

Index
» Jugendlexikon literatur
» Abenteuerliteratur

Abenteuerliteratur



Abenteuerliteratur ist keine klar um-rissene Gattungsbezeichnung. Man zählt vor allem Romane dazu, die in der Absicht geschrieben wurden, das Lesepublikum durch spannende Handlung und Taten eines -» Helden zu unterhalten. Abenteuer, in die der Held gewollt oder ungewollt gerät, müssen von ihm bestanden werden. Meist gilt es, in der Ferne, in der Wildnis, auf dem Meer, unter fremden Völkern möglichst erschreckend ausgemalte Gefahren zu meistern. Der Abenteuerroman weist daher Gemeinsamkeiten mit dem Schauerroman, der-> Gespenstergeschichte, dem Wildwestroman , dem Räuberroman , dem Reiseroman und auch mit dem -»Schelmenroman auf. In all diesen Romansorten steht ein Held oder ein -»Antiheld im Mittelpunkt, der die Welt als Kette von gefährlichen, schauerlichen oder auch komischen Episoden erfährt.

      Die Wirkung der Abenteuerliteratur beruht auf der Identifikation der Leser mit dem Helden. Das heißt auch, daß die zu bestehenden Abenteuer von den Phantasien und Vorstellungen der Leser niemals vollkommen entfernt sein dürfen; immer knüpft die Abenteuerliteratur daher, wenn auch in oft verschlüsselten und verfremdeten Formen, an die Träume und Wünsche der Leser an. Zu den Vorläufern der Abenteuer-literatur zählt man das höfische -»Epos , die Spielmannsdichtung und die -»Volksbücher des 16. Jahrhunderts . Im Barock häufen sich Abenteuerromane, die z. T an den hellenistischen Roman «Aithiopika» von Heliodoros anknüpfen. Hervorzuheben ist Hans Jakob Christoffel von Grimmeishausens «Der abentheurliche Simplicissimus Teutsch» , in dem der Dreißigjährige Krieg Schauplatz der Verwicklungen und Abenteuer des Helden ist.
      Abenteuerliche Episoden finden sich auch in den folgenden Werken der -»Weltliteratur: «Der scharfsinnige Edle Herr Don Quijote de la Man-cha» von Miguel de Cervantes Saavedra. Schon Cervantes wandte sich im «Don Quijote» seinerseits gegen eine Fülle von phantastischen Ritterromanen, denen in der Realität seiner Zeit nichts mehr entsprach. Weitere berühmte Werke sind Alain Re-n Lesages «Geschichte des Gil Blas von Santillana» oder Daniel Defoes «Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe» . Der «Robinson Crusoe» wurde zum Muster für eine Fülle von -»Robinsonaden, einer Reihe mehr oder weniger vom Vor-bild abweichender Bearbeitungen, die später für pädagogische Zwecke eingerichtet wurden. Auch abenteuerliche Lebensbeschreibungen wie «Die Geschichte des Tom Jones, eines Findlings» von Henry Fielding sind hier zu nennen. Besonders verbreitet waren Abenteuerromane im 19. Jahrhundert. Lange Zeit wurden die Romane von Karl May, Friedrich Gerstäcker oder Charles Sealsfield kaum beachtet oder als -»Trivialliteratur, wenn nicht sogar als -»Schundliteratur abgetan. Der Philosoph Ernst Bloch stellte die Theorie auf, daß man in der Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts den Traum der unterdrückten Kreatur finden kann. Er sah zum Beispiel im Werk von Karl May Tagträume, in denen - in vielfach verzerrter Form -der Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit mit den Abenteuern des Helden verwoben ist. Bloch spricht von Kolportageliteratur ohne negativen Beiklang und begreift sie als Ausdruck rebellischer, weltverbessernder Phantasien.
      Das große Vorbild für die genannten Verfasser von Abenteuerromanen im 19. Jahrhundert war James Fenimore Cooper, dessen Romane wie «Die Ansiedler oder Die Quellen des Sus-quehanna» und die weiteren Bände der «Lederstrumpf»-Ge-schichten in Deutschland seit den zwanziger Jahren massenhaft gelesen wurden. Cooper stand für ein Amerika, das unter dem Eindruck der von Kle-mens Wenzel Fürst von Metternich repräsentierten Restauration in Deutschland als ein Land unbegrenz-ter Freiheit galt. Die kritisch-sozialpolitischen Aussagen Coopers, die in seinen späteren Büchern immer stärker hervortraten, wurden bei der Lektüre übersehen; es zählte einzig, daß er Wunschräume eröffnete, das Wunschland Amerika in die Wohnstuben der deutschen Leser transportierte. Deutlich bürgerlich-republikanische Tendenzen weist die Darstellung der amerikanischen Wildnis in den Werken von Sealsfield auf . Das von Cooper und Sealsfield gezeichnete abenteuerliche Leben der Trapper, Squatter, Vermesser und Indianer spielte sich in der unberührten Wildnis Amerikas ab. Die hier entwickelten Ideen von Freiheit und Gerechtigkeit wirkten so stark auf die deutschen Leser, daß die spätere-» Arbeiterliteratur daran anknüpfte. Nach der Revolution von 1848, deren Scheitern politische Hoffnungen für lange Zeit begrub, wird die Abenteuerliteratur mehr und mehr zu einer Art Ersatzbefriedigung für in der Gesellschaft nicht zu realisierende Bedürfnisse. In den Abenteuerromanen werden die vom Leben Benachteiligten zu Siegern, die häufig vorkommenden Rettungs- und Erlösungsphantasien knüpfen an alte Wünsche an, wie sie zum Beispiel in der -»Bibel, in -»Utopien oder Robinsonaden formuliert worden waren. Das gelobte Land von Gerechtigkeit, Freiheit und Wohlstand wird in die Weiten der Prärie oder anderer entlegener Weltgegenden verlegt. Die Abenteuerschriftsteller bemühen sich nach Kräften, mögliche Zweifel an der Authentizität der Ro-manhandlung zu zerstreuen: «Dieser Abdel Dschelil also ist keine Romanfigur, ebensowenig wie es der andere Araber war, den Snatcher als Monsieur du Couret angeredet hatte», heißt es in Robert Krafts Roman «Lo-ke Klingsor. Der Mann mit den Teufelsaugen» . Sicher kann man die Menschen, die sich nachhaltig etwa mit Karl Mays Idealbild Old Shatterhand identifizieren, als Persönlichkeiten bezeichnen. Doch bedingt letztlich eine leidvoll erfahrene Wirklichkeit die in Wünschen und Träumen stattfindende Auswanderung zu den Indianern Amerikas, die ihrerseits vom Autor am Schreibtisch er-sonnene Phantasiegestalten darstellen.
      Im 20. Jahrhundert gibt es Abenteuerliteratur in unübersehbarer Fülle und Vielfalt, die in Heftchen oder billigen Taschenbuchserien millionenfach verbreitet werden. Die neuen Helden treten jetzt zwar in anderer Umgebung auf und bedienen sich bei der Abwehr von Gefahren anderer Mittel , die Strukturen der Abenteuerliteratur aber bleiben erhalten, wenn sich auch die in ihr ausgedrückten Wünsche und Phantasien verändern.
      Ein Sonderfall in der Abenteuerliteratur des 20. Jahrhunderts ist B. Tra-ven. In seinen Romanen verknüpft er auf spannende Weise die Beschreibung der Arbeit mit der Schilderung von Abenteuern. Deutlicher als in der Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts verbinden sich radikale, auf Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zielende Bestrebungender Helden, die den untersten Schichten angehören, mit ihren Abenteuern auf See, im mexikanischen Busch oder in undurchdringlichen Mahagoniwäldern.
     


Abenteuerliteratur - grundzüge, zur etymologie des wortes "abenteuer

Grundzüge Bei dem, was wir Abenteuerliteratur nennen, handelt es sich um eine der ältesten Erscheinungsformen der Literatur, die von ihrem ersten Auftreten an bis heute lebendig, das heißt, wandlungsfähig geblieben ist. Während ihrer langen Geschichte hat sie alle Veränderungen mitgemacht, denen di .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Strukturen der abenteuerliteratur

Eines der Hauptmerkmale des Genres liegt in der für jeden Text abenteuerlichen Inhalts charakteristischen, auf Spannung angelegten Erzählstruktur. Dies zeigt ganz deutlich eines ihrer klassischen Beispiele. Ein fünfzehnjähriger Junge, der bei seinen Eltern in einem einsamen Wirtshaus an der schotti .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Abenteuerliteratur - herkunft und geschichte

Heinrich Pleticha hat von der Abenteuerliteratur zu Recht geschrieben, dass 'bei keiner Jugendbuchgattung die Wurzeln so weit zurückreichen wie gerade hier". Was Pleticha über die Abenteuerliteratur für die Jugend aussagt, gilt jedoch für die Abenteuerliteratur schlechthin. Momente des Abenteuerlic .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Abenteuerliteratur in deutschland

Auch bei der Abenteuerliteratur deutscher Autoren kann es nur um eine exemplarische Auswahl gehen. Zunächst sind drei Schriftsteller zu nennen, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zu schreiben begannen und dabei eigene Erfahrungen verwerten konnten. Der erste ist der auch heute noc .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Abenteuerliteratur für junge leser

Eine Abgrenzung der Jugendliteratur von der Literatur für Erwachsene - ohnedies nicht unproblematisch - ist im Bereich des Abenteuerbuchs besonders schwer zu vollziehen. Das zeigen Prospekte von Jugendbuchverlagen mit einschlägiger Produktion: Defoes 'Bob Singleton", Melvilles 'Taipi" oder Londons ' .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

Zur rezeption der abenteuerliteratur

Wie Erhebungen gezeigt haben, nimmt Abenteuerliteratur in der Lektüre der Heranwachsenden eine deutliche Spitzenstellung ein, wobei der Höhepunkt des Interesses bei den Zehn- bis Zwölfjährigen liegt; aber auch in der Altersgruppe der Dreizehn- bis Siebzehnjährigen ist die Neigung zu abenteuerlicher .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » ALFRED CLEMENS BAUMGÄRTNER / CHRISTOPH LAUNER

 Tags:
Abenteuerliteratur    




Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com