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Ideologie und theorie
Angesichts der rasch fortschreitenden Arbeitsteilung wird es in den Sozialwissenschaften immer schwieriger, Theorien und ihre Bereiche gegeneinander abzugrenzen, da es trotz wachsender Differenzierung
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Das soziosemiotische Projekt: Methode



Die Abgrenzungen der Textsoziologie gegen Soziolinguistik, Textlinguistik und Semiotik haben u. a. die Bedeutung der französischen, italienischen und sowjetischen Semiotik für den textsoziologischen Ansatz hervortreten lassen. Diese Semiotik bildet jedoch ein widersprüchliches und heterogenes Ganzes, dessen Begriffe nicht als solche, unvermittelt einer soziologischen Theorie einverleibt werden können. Der Eklektizismus, der in der Vergangenheit immer wieder als Mittel zur Bewältigung 'interdisziplinärer" Probleme empfohlen wurde, wird zum Handikap zeitgenössischer Theorien, deren Begriffe häufig zu disparat sind, um ein zusammenhängendes Ganzes zu bilden. So leidet beispielsweise die von Philippe Hamon in Texte et Ideologie und anderen Schriften entworfene Ideologiekritik an ihrer Abkoppelung von soziologischen Theorien und von der soziologischen Diskussion. Der Autor versäumt es, auf die bestehenden Ideologiebegriffe einzugehen, und weicht der Frage aus, wie Ideologien in der modernen Gesellschaft entstehen und welche Funktionen sie erfüllen.
      Um diese An von begrifflicher Isolierung zu vermeiden, möchte ich die im ersten Teil und im vorigen Abschnitt skizzierte gesellschaftliche und soziologische Position der Textsoziologie zum Ausgangspunkt der hier anvisierten soziosemiotischen Synthese nehmen. Im Rahmen dieser Synthese werden semiotische Schlüsselbegriffe wie 'semantische Iso-topie", 'Kode", 'narrative Struktur" und 'Soziolekt" neu definiert, so daß sie im 'sekundären modellierenden System" der Textsoziologie neue Bedeutungen annehmen, die sich zwar mit den alten Bedeutungen überschneiden, zugleich aber von ihnen abweichen.
      Diese Begriffe werden hier vorerst nicht auf ideologische Diskurse angewandt , sondern im Hinblick auf alle in diesem Kapitel erwähnten sekundären modellierenden Systeme umgedeutet. Sie sollen — zumindest prinzipiell — auf theoretische, ideologische, fiktionale, philosophische und andere Textsorten anwendbar sein, die zwar in der modernen Gesellschaft verschiedene Funktionen erfüllen und verschieden institutionalisiert sind, in allen Fällen jedoch in bezug auf die natürliche Sprache einen sekundären, abgeleiteten Charakter haben.
      Da in einem Buch über das Verhältnis von Ideologie und Theorie die textsoziologische Methode nicht zum Selbstzweck werden darf, will ich mich in den folgenden Ausführungen auf eine detaillierte Zusammenfassung bestehender Arbeiten und Ergebnisse beschränken. Dabei soll immer wieder die Tatsache berücksichtigt werden, daß diesmal nicht der fiktionale, sondern der theoretische oder ideologische Text im Mittelpunkt steht. Obwohl der textsoziologische Ansatz auch auf gesprochene Texte anwendbar sein soll, ist hier mit 'Text" fast immer der geschriebene oder der vorgetragene und später gedruckte Text gemeint.
     

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