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Ideologie und theorie
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Ideologie: Versuch einer Begriffsbestimmung


Es dürfte einem Sozialwissenschaftler nicht leichtfallen, aus einem Schimpfwort wieder einen brauchbaren theoretischen Begriff zu machen. Dem Wort Ideologie haften nicht nur pejorative Bedeutungen an: seine Verwendung in der arbeitsteiligen und heterogenen Welt der Gesellsch

aftswissenschaften hat es zu einem schillernden Begriff gemacht, den einige besonders gewissenhafte Soziologen, Anthropologen oder Wirtschaftswissenschaftler nur ungern in den Mund nehmen. Wer ihn weiterhin verwendet, stößt in manchen Kreisen bestenfalls auf stille Ablehnung. Diese nicht eben ermutigende sprachliche Situation hängt nicht nur mit dem parteipolitischen Mißbrauch des Terminus zusammen, sondern leider auch mit dessen Entwertung im Bereich der Sozialwissenschaften, wo er häufig als Synonym von "Bewußtsein", "Kultur", "Weltanschauung", "Mythos", "falschem Denken" oder gar "Idee" verwendet wird. In seinem Buch Ideologia, das eine Einführung in die Problematik sein soll, unterscheidet Ferruccio Rossi-Landi elf Definitionen der Ideologie als "Mythologie und Folklore, (. . .) Illusion und Selbsttäuschung, (. . .) gesunder Menschenverstand, (. . .) Lüge, Verstellung, Obskurantismus, (. . .) falsches Denken ganz allgemein, (. . .) Philosophie, (. . .) Weltanschauung" etc.1 Diese unvollständige Aufzählung läßt bereits vermuten, daß die Konfusion nicht auf Anhieb zu lösen ist. Sie ist schon deshalb schwer zu überwinden, weil einige der von Rossi-Landi angeführten Bezeichnungen wie "Weltanschauung", "gesunder Menschenverstand" und "Philosophie", die sich in manchen Kreisen höchster Dignität erfreuen, der "Ideologie" zugeschlagen werden. Daß die Philosophie nicht über jeden Verdacht erhaben ist, zeigt nicht nur Marxens Untersuchung über Die Deutsche Ideologie, sondern auch Adornos kritisch-polemischer Kommentar zum Jargon der Eigentlichkeit, dessen Untertitel Zur deutschen Ideologie die Marxschen und marxistischen Vorarbeiten evozieren soll. Psychologische und soziologische Versuche, Weltanschauungen idealtypisch zu definieren, haben weder Nationalsozialisten noch "Marxisten-Leninisten" daran gehindert, den Begriff der Weltanschauung für sich zu reklamieren2, und der common sense ist immer wieder - und nicht zu Unrecht - als ein Ergebnis der im Laufe der Jahrhunderte angehäuften Klischees kritisiert worden.3


Historischer Rückblick
Wer sich mit der Entstehung und Entwicklung des Ideologiebegriffs ausführlicher befaßt, wird feststellen, daß die Vorstellung von einem verzerrten oder falschen Denken, das individuelle oder kollektive Interessen verdecken oder rechtfertigen soll, von der Idee der wahren Erkenntnis oder der Wissensc [ ... ]
Ideologie soziologisch - Kultur
Als Leser soziologischer Schriften wird man immer wieder mit Versuchen konfrontiert, den Ideologiebegriff auf das gesamte Kultursystem auszudehnen. In dem ansonsten sehr informativen Buch über Ideologie und Gesellschaft von Eugen Lemberg werden 'Kultur" und 'Ideologie" an entscheidenden Stellen zu S [ ... ]
Religion
Ahnlich wie die Kultur wird die Religion immer wieder mit der Ideologie verglichen, verknüpft, verwechselt. Für die häufigen Verwechslungen ist auch Karl Marx verantwortlich, der in der Deutschen Ideologie zwar mit Recht einen Nexus zwischen dem Denken und den materiellen Interessen postuliert, zugl [ ... ]
Mythos
Der historisch-genetischen Betrachtung widerspricht auch eine undifferenzierte Verwendung des Wortes Mythos, das in manchen Texten zu einem Synonym für Ideologie wird. Mir geht es hier in erster Linie darum zu zeigen, daß die Ideologie eine moderne Erscheinung ist, während der Mythos eher archaische [ ... ]
Weltanschauung
Ã"hnlich wie zwischen Ideologie, Religion, Kultur und Mythos, können zwischen Weltanschauung und Ideologie häufig Interferenzen aufgezeigt werden. Einerseits ist oft von religiösen, metaphysischen oder philosophischen Weltanschauungen (Weltbildern) die Rede; andererseits wird der von Wilhelm Dilthey [ ... ]
Ideologie semiotisch - Sprache
Die Beziehung zwischen Sprache und Ideologie entspricht der zwischen Kultur und Ideologie. In der Praxis ist die Trennung von Kultur und Sprache ebenso künstlich wie die Abgrenzung einer soziologischen von einer semiotischen Betrachtungsweise: Während die Kultursemiotik (etwa Lotmans) zeigt, daß die [ ... ]
Werbung
'Im Grunde ja ist jeder Satz Reklame", schreibt Jürgen Becker in Umgebungen.1"' Diese Behauptung ist wahrscheinlich eine Ãobertreibung, sie zeigt aber, daß in der zeitgenössischen Gesellschaft nicht nur Ideologien auf das Sprachsystem einwirken, sondern auch die kommerzialisierte Rhetorik der Werbun [ ... ]
Propaganda
Wichtig ist in diesem Kontext die Ãoberlegung, daß die Ideologie als Diskurs (siehe: d und Teil II) sowohl semantisch als auch funktional auf die Dichotomie angewiesen ist, weil sie Gruppen zum Handeln motivieren soll. Dies bedeutet freilich nicht, daß Ideologen wie Philosophen oder Vertreter der fo [ ... ]
Theorie/Ideologie
Mag sein, daß diejenigen, die an der Theoriediskussion eher in einem analytischen Kontext (Imre Lakatos, Alan Musgrave) oder im Zusammenhang mit T. S. Kuhns 'normal science" teilgenommen haben, an dieser Stelle schockiert sein werden, weil sie sich nichts von einem Ansatz versprechen, der durch Kont [ ... ]

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