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Ideologie und Wissenschaft: Von Louis Althusser zu Michel Pecheux


So mancher wird überrascht sein, daß ein Kapitel, in dem Louis Althussers Ideologiekritik im Mittelpunkt steht, nicht dem zweiten Kapitel dieses Buches angeschlossen oder einverleibt wurde, das sich mit den id


eologiekritischen Positionen einiger Marxisten befaßt. Abgesehen von der versteckten Polemik gegen Pauschalbezeichnungen wie „Marxismus", „Neomarxismus" oder „Strukturalismus" erklärt sich diese etwas ungewöhnliche Reihenfolge aus der Überlegung, daß Althussers Marx-Interpretation sowie seine Versuche, Ideologie und Wissenschaft gegeneinander abzugrenzen, aus einer rationalistischen Tradition hervorgegangen sind, die recht wenig mit dem Hegelianismus Lukacs', Korschs oder Goldmanns zu tun hat. An dieser Tatsache ändert auch der gemeinsame Bezugspunkt, das Werk von Karl Marx, nichts. Ahnlich wie die Vertreter des Kritischen Rationalismus, deren Theorien im vorigen Kapitel zur Sprache kamen, bemühen sich auch Althusser und seine Schüler (Lecourt, Pecheux), sauber zwischen Wissenschaft und Metaphysik, zwischen Wissenschaft und Ideologie zu unterscheiden. Auch Althusser sind wertbefrachtete Begriffe wie „Mensch", „Entfremdung" oder „Menschlichkeit" suspekt; auch er gibt — ohne allerdings Weber zu erwähnen — einem wertfreien oder scheinbar wenfreien Sprachgebrauch den Vorzug und stützt sich dabei auf wissenschaftliche Begriffe wie „Produktivkräfte", „Produktionsverhältnisse", „Mehrwert" etc. Wie Otto Neurath setzt er (leider nur implizit) eine Einheitswissenschaft voraus, indem er die gemeinsamen Anliegen Marxens und Galileos, des historischen Materialismus (der „marxistischen Wissenschaft") und der Physik hervorhebt, ohne allerdings wie Neurath auf das Problem der Einheitssprache einzugehen. (Auf Ähnlichkeiten zwischen Neuraths und Althussers Marx-Deutungen will ich im folgenden noch näher eingehen.) Wie im Wiener Kreis ist bei Althusser ein Szientismus am Werk, der die Sozialwissenschaften sub speae physicae betrachtet und sie mit naturwissenschaftlichen Maßstäben mißt.


Epistemologischer Schnitt I: Rationalismus
Althussers Marx-Interpretation ist oft und ausführlich kritisiert worden, und die Kritiker scheinen sich — von Raymond Aron bis Alfred Schmidt — in einem Punkt einig zu sein: Althusser vernachlässige die Kontinuität zugunsten der Differenz, der Dichotomie. Es wird sich hier allerdings zeigen, daß di [ ... ]
Epistemologischer Schnitt II: Marx-Exegese: von Althusser zu Neurath
Es mag sein, daß ich mich inzwischen selbst von der rationalistischen Metapher des 'Mechanismus" habe anstecken lassen, aber ich meine, daß man anhand der hier erönenen Schlüsselbegriffe und Gegensatzpaare (Trennung/Vermittlung; Bruch/Evolution; Geometrie/Geschichte; Wissenschaft /Meinung; Wissensch [ ... ]
Epistemologischer Schnitt III: Ideologie und Wissenschaft
Althussers Hauptproblem ist — wie sich gezeigt hat — die Möglichkeit, Ideologie und Wissenschaft gegeneinander abzugrenzen. Im vorigen Abschnitt ging es mir nicht so sehr darum, seine oder Neuraths Marx-Interpretation zu widerlegen: Ein solches Vorhaben würde den Rahmen dieses Kapitels sprengen. [ ... ]
Von Althusser zu Pecheux: Ideologie als Diskurs
Althusser hat Ende der sechziger Jahre im Anschluß an Gramscis Theorie der Hegemonie das Ideologieproblem neu formuliert, indem er nicht mehr die Struktur der Ideologie und ihren Gegensatz zur Wissenschaft in den Mittelpunkt rückte, sondern ihre Herrschaftsfunktion in den Institutionen, in den staat [ ... ]



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