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Ideologie und Wissenschaft bei Marx und im Marxismus


Es geht hier nicht um eine systematische Darstellung der Wechselbeziehung zwischen Ideologie und Wissenschaft in der Geschichte des Marxismus. Eine solche Übersicht, die zumindest teilweise in den Werken von Peter Christian Ludz1, Martin Seliger-

und Jorge Larrain3 anvisiert wird, ist in einem einzelnen Kapitel nicht zu bewältigen. Mir kommt es in erster Linie darauf an, diese Beziehung in einer bestimmten Variante des Marxismus zu untersuchen und zu zeigen, wie nach Marx und Engels die drei Autoren Georg Lukacs, Karl Korsch und Lucien Goldmann den wissenschaftlichen Diskurs im Bewußtsein des Proletariats verankern, das als Bürge für "richtiges", d. h. nichtideologisches (Marx) und nicht-verdinglichtes (Lukacs) Denken dargestellt wird. Die Suche nach dem archimedischen Punkt nimmt hier eine besondere Form an: Es geht nicht darum, ein wertfreies oder wertneutrales Wissen ausfindig zu machen, das sich an den Naturwissenschaften orientiert oder in einer Art phänomenologischer epo-cbe aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang herausgehoben wird. Im Gegenteil: den marxistischen Autoren, die für die Einheit von Theorie und Praxis plädieren, ist es um eine praktische Begründung der Wahrheit und der Wissenschaftlichkeit zu tun. Sie suchen nach dem Standort, von dem aus es gelingen könnte, nicht nur die bürgerliche Wissenschaft, sondern auch die bürgerliche Welt aus den Angeln zu heben. Während Marx, Lukacs und Korsch überzeugt sind, diesen Standpunkt gefunden zu haben und an der Identität von Theorie und Praxis, von Subjekt und Objekt festhalten, zeigt Lucien Goldmanns Entwicklung, wie der archimedische Punkt dem Marxismus allmählich verlorengeht: einerseits, weil das Proletariat aufhört, eine revolutionäre Kraft zu sein und in die bestehende Gesellschaftsordnung integriert wird; andererseits, weil der Marxismus als Partei- und Staatsideologie ("Marxismus-Leninismus") vollends seinen theoretischen Charakter einbüßt.


Karl Marx oder Theorie als Praxis
Schon in seiner Schrift Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie zeigt sich, daß der Wahrheitsgehalt der Gedanken nicht mit deren formaler (etwa formallogischer) Konstruktion identifiziert wird, sondern mit der praktischen Relevanz: "Es genügt nicht, daß der Gedanke zur Verwirklichung drängt, die [ ... ]
Georg Lukacs: Totalität und Proletariat
Sowohl Vertreter der Orthodoxie als auch Befürworter eines sozialdemokratischen Reformismus haben von 1923 (als Geschichte und Klassenbewußtsein erschien) bis zum heutigen Tag Lukacs vorgeworfen, die Marxsche Lehre 'hegelianisiert", im Sinne des Hegel-schen Idealismus verzerrt zu haben. Bis zu einem [ ... ]
Karl Korsch: Ideologie, Wissenschaft und Philosophie
Klarer als in Geschichte und Klassenbewußtsein tritt in Karl Korschs Marxismus und Philosophie (1923) das Problem der Zurechnung zutage. Denn Korschs Kontrahenten, Vertreter eines reformistischen Marxismus, werfen Fragen auf, die den ganzen Begründungszusammenhang der "proletarischen Wissenschaft" f [ ... ]
Lucien Goldmann oder der Verlust des archimedischen Punktes
Es kann nicht die Aufgabe einer Theorie sein, Illusionen zu rechtfertigen, auch dort nicht, wo sie am schönsten sind. Eine Theorie aber, die nicht von der Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft getragen wird, büßt zusammen mit ihrem kritischen Impuls ihren theoretischen Wert ein. Die Entwicklung von [ ... ]



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