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Ideologie und Wertfreiheit: Von Max Weber zum Kritischen Rationalismus


Der Werturteilsstreit, der fünfzehnte deutsche Soziologentag, der sogenannte Positivismusstreit der späten sechziger Jahre sowie die zahlreichen Auseinandersetzungen um den Szientismus haben gez

eigt, daß Max Webers Postulat der Werturteilsfreiheit als Grundvoraussetzung von Wissenschaftlichkeit von den einen leidenschaftlich verteidigt wird, während die anderen, die Vertreter normativer Theorien, es ebenso leidenschaftlich bekämpfen. In den folgenden Kommentaren möchte ich mich weder den einen noch den anderen anschließen, sondern mich von einer paradoxen Überlegung leiten lassen, die eher Pascal- oder Musillesern als Sozialwissenschaftlern gefallen dürfte: Werturteilsfreiheit in den Sozialwissenscbaften ist ein bewundernswertes Ideal, das der Theorie häufig schadet. Man könnte dieses Paradoxon durch eine - für den Soziologen eher akzeptable - Um-formulierung auflösen: Die Distanz zwischen Ideologie und Theorie ist in den Sozialwissenschaften zwar notwendig, sie ist aber nicht mit Hilfe des Weberschen Wertfreiheitspostulats zu erreichen. Der Sozialwissenschaftler, der auf diese Distanz Wert legt, muß folglich nach anderen Verfahren der Distanzierung Ausschau halten. Wie das Wertfreiheitspostulat sollen auch diese Verfahren die Autonomie des theoretischen Diskurses gewährleisten: allerdings mit anderen Mitteln. Wer nuancierte Theorien bevorzugt und nicht will, daß diese von kruder Propaganda kontaminiert werden, wird Wolfgang Schluchter recht geben, wenn er schreibt: "Die Erfahrungswissenschaft soll gegen den unlösbaren Kampf der Wertordnungen abgeschirmt werden, weil eine in diesem Sinne selbständige Wissenschaft erst einen Wen besitzt."1 Freilich handelt es sich in diesem Fall, wie Hans Albert immer wieder betont hat, um ein reflektiertes Werturteil, das dem Weberschen Postulat in keiner Weise widerspricht: Politisches Engagement für Wertfreiheit wird von Anhängern der Weberschen Methode als unabdingbare Voraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten befürwortet.


Werturteilsfreiheit bei Max Weber: Theorie und Praxis
Das Wort "Wertfreiheit" ist, wie so mancher andere Schlüsselbegriff der Soziologie, häufig mißverstanden worden. Obwohl Max Weber selbst und Autoren wie Hans Alben, Ernst Topitsch und Wolfgang Schluchter sich in der Vergangenheit große Mühe gaben, diese Mißverständnisse, die einem fruchtbaren theore [ ... ]
Von Max Weber zum Kritischen Rationalismus: Hans Albert, Karl R. Popper, Ernst Topitsch
Bei Max Weber war die Forderung nach Werturteilsfreiheit nicht der Gleichgültigkeit allen Wertsetzungen und Werturteilen gegenüber entsprungen, sondern einem Engagement für Neutralität und Wissenschaftlichkeit. Dieses Engagement setzt er selbst mit der Unmöglichkeit in Beziehung, sich als Wissenscha [ ... ]



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