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Ideologie und theorie
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Ideologie in der Theorie: Soziologische Modelle


Im vorigen Kapitel sollte vor allem gezeigt werden, daß Ideologie im restriktiven Sinn als diskursive Anordnung definierbar und beschreibbar ist. Bisher wurde "falsches Bewußtsein" häufig im Zusammenhang mit einem bestimmten gesellschaftlichen Standort: dem des B

ürgertums, des Adels, der Intellektuellen etc. verknüpft und in vielen Fällen im Gegensatz zum archimedischen Punkt der "wahren Erkenntnis" definiert. Die Analyse ideologischer Diskurse läßt jedoch vermuten, daß keine gesellschaftliche Gruppe die Wahrheit als Theorie oder Wissenschaft gepachtet hat, weil kein Soziolekt als lexikalisches Repertoire und Kode gegen die diskursiven Mechanismen der Ideologie immun ist. Spezifisch ausgedrückt: Ein psychoanalytischer, marxistischer, kritisch-rationalistischer oder kritisch-theoretischer Soziolekt (d. h. Gruppenstandpunkt) bietet noch keine Gewähr für die theoretische Qualität des Diskurses. Am Ende des Kapitels hat sich allerdings herausgestellt, daß Soziolekte als Ideologien im allgemeinen Sinne nicht gleichwenig sind: Es ist nicht gleichgültig, ob ich als Theoretiker von einer liberalen, einer marxistischen oder einer nationalsozialistischen Gruppensprache ausgehe; denn die Axiomatik des Soziolekts kann die theoretischen Verfahren auf allen sprachlichen Ebenen fördern oder behindern. Es ist daher ratsam, die Wechselbeziehung zwischen den beiden Aspekten der Ideologie - zwischen der Ideologie im allgemeinen und der Ideologie im restriktiven Sinn - nicht aus den Augen zu verlieren. Verallgemeinerungsfähige Werte scheinen zwar eine Grundvoraussetzung für den theoretischen Charakter eines Diskurses zu sein; sie sind jedoch nicht als Garantien aufzufassen. Der verallgemeinerungsfähige Gedanke, daß alle Menschen ein Recht auf Leben haben, schließt - wie Francis Ponge, Maurice Merleau-Ponty und Jean-Paul Sartre wußten - ein Abgleiten des Diskurses in humanistische Ideologie und Propaganda nicht aus.1 Im lexikalischen Repertoire des Nationalsozialismus und des Marxismus-Leninismus, das Won-Werte wie "Rassenseele" und "Klassenfeind" enthält, sind jedoch ideologische Verfahren wie Dualismus und mythische Aktanten in nuce angelegt.


Soziologie in der Marktgesellschaft: Kulturwert und Tauschwert
Analog zur Struktur des vorigen Kapitels soll in diesem und im nächsten Abschnitt gezeigt werden, daß die Soziologie als Modell der Sozialwissenschaft ideologisch im allgemeinen Sinne ist: erstens, weil sie - wie die ideologischen Diskurse - auf die Indifferenz des Tauschwerts reagiert; zweitens, we [ ... ]
Ideologie und soziologische Kommunikation: Liberalismus und Soziologie
Soziologen sind sehr weit davon entfernt, die Ideologieproblematik innerhalb der Soziologie stringent zu formulieren, geschweige denn zu lösen. Davon zeugt die folgende Textpassage aus Peter L. Bergers Buch Einladung zur Soziologie (1963, dt. 1977), das einerseits für eine 'humanistische" Soziologie [ ... ]
Liberalismus und Sozialdarwinismus
Eines der bekanntesten Beispiele aus der Geschichte der Soziologie ist wohl die polemischkritische Auseinandersetzung von Leonard T. Hobhouse mit Herbert Spencers Ansatz und mit dem britischen Sozialdarwinismus insgesamt. Der Hinweis auf gerade diese Kontroverse ist in dem hier konstruierten Kontext [ ... ]
Der 'Positivismusstreit
Ein grundsätzliches Problem, das den meisten Diskussionen im Bereich der Sozialwissenschaften zugrunde liegt, ist das der expliziten Darstellung von Standpunkten, Wertsetzungen und diskursiven Verfahren. Es ist sowohl im allgemeinen als auch im restriktiven Sinne als ideologisch zu bezeichnen, da es [ ... ]
Die Luhmann-Habermas-Debatte
In mancher Hinsicht könnte die Luhmann-Habermas Debatte der frühen siebziger Jahre als eine Fortsetzung des 'Positivismusstreits" gelesen werden: nicht nur weil Habermas seinem Kontrahenten eine Einschränkung der Rationalität auf technisch verwertbares, instrumentelles Wissen vorwirft6" und somit Ar [ ... ]
Ideologische Verfahren in der Soziologie: Textanalysen
Die abschließenden Bemerkungen zu Luhmanns systematischem Diskurs führen mitten in die Problematik des restriktiven Ideologiebegriffs, der im folgenden auf einige soziologische Texte angewandt werden soll, die ihrem Selbstverständnis nach 'wissenschaftlich", 'wertfrei" oder 'ideologiekritisch" sind. [ ... ]
Ideologie und marxistische Wissenschaft: Louis Althusser
Althusser ist von vielen Kritikern unfair behandelt worden: Die Marxisten unter ihnen (Goldmann, Lefebvre) nahmen ihm seine szientistische Interpretation von Marxens Spätwerk übel: die Liberalen (Aron) sahen ihre Vermutung, der Marxismus sei in allen seinen Erscheinungsformen eine dogmatische Lehre, [ ... ]
Ideologie und Ideologiekritik: Jürgen Habermas
Im Unterschied zum Soziolekt der Althusser-Gruppe, der Diskurse hervorbringt, in denen politisches Engagement (Typ 1) und die Forderung nach strenger Wissenschaftlichkeit im Sinne der Physik (Typ 2) zu einer immer prekären Synthese gebracht werden, spricht Habermas, vor allem in der Zeit des 'Positi [ ... ]



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