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Ideologie als Diskurs: Von Adorno zu Derrida


Auch in diesem Kapitel wird vielleicht so mancher Leser über die unorthodoxe Mischung der theoretischen Karten verwunden sein: Adorno erscheint hier nicht so sehr als Vorläufer von Habermas' Kritik der instrumenteilen, zweckrationalen Vernunft, sondern als geistiger Nachb

ar Derridas. Diese Nachbarschaft wird nicht im Rahmen der "Postmodernismus"-Debatte plausibel gemacht, sondern durch die Überlegung, daß die beiden Autoren in viel stärkerem Maße noch als Michel Foucault die diskursive, trans-pbrastiscbe Struktur als ganze zum Gegenstand einer radikalen Kritik machen. Darin sehe ich auch die anhaltende Aktualität von Adornos Dialektik: in der ihr zugrundeliegenden These, daß der Diskurs als ganzer, als systematischer Zwangsmechanismus und kausaler Ablauf, Ideologeme vermittelt. Obwohl ich meine, daß Habermas' Einwände gegen Adornos und Horkheimers Dialektik der Aufklärung z. T. berechtigt sind', weil dieses Buch das in der zeitgenössischen Gesellschaft vorhandene kritische Potential nicht berücksichtigt, gehe ich hier von dem Gedanken aus, daß Adornos und Derridas Diskurskritik über die von Habermas hinausgeht. Im Gegensatz zu Habermas, den kritischen Rationalisten und auch Althusser setzt sich Adorno nicht mit semantisch oder pragmatisch konzipierten Satzeinheiten auseinander, sondern visiert - wie später Jacques Derrida und Julia Kristeva - den gesamten Diskurs: als transphrastische Struktur an. Mit diesen Überlegungen, die zum Ausgangspunkt der Textsoziologie werden, knüpfe ich an einige frühere Arbeiten2 sowie an meinen kursorischen Vergleich von Adorno, Derrida und Foucault aus dem Jahre 1977 an.J Schon damals ging es um die Frage, ob und unter welchen Bedingungen Adornos, Derridas und Foucaults Diskurstheorien für eine semiotische Ideologiekritik fruchtbar gemacht werden könnten, die Ideologie und Theorie als verschiedene Möglichkeiten diskursiver Anordnung auffaßt. Im Mittelpunkt standen dort - wie auch hier- Begriffe wie Essay, Modell, Parataxis und differance, mit deren Hilfe Adorno und Derrida das systematisierende Identitätsdenken ideologischer Diskurse aufzubrechen suchen.


Zerfallene Sprache
Die Kritik der Sprache, die Nietzsches Polemik gegen die Metaphysik und deren ewige Wahrheiten entfachte, wird in den zwanziger und dreißiger Jahren zu einem der Hauptprobleme kritischer Philosophien. Nach Nietzsche, der die unaufhebbare Ambivalenz der Wörter entdeckt, die keine Synthese, keine "bes [ ... ]
Essay, Modell, Parataxis
In mancher Hinsicht erfüllt der ästhetische Bereich als 'archimedischer Punkt" bei Adorno eine ähnliche Funktion wie die Ontologie bei Heidegger, die Wissenschaft bei Alt-husser, die ideale Sprechsituation bei Habermas, die Wertfreiheit im Kritischen Rationalismus und das Proletariat bei Lukäcs. Die [ ... ]
Von Adorno zu Derrida
Eine ästhetische Lösung des Ideologie- und Theorieproblems scheint sich dann anzubieten, wenn die Krise der Sprache zu einer Zersplitterung der Begriffe, der Signifikate (Saussure) führt und wenn Signifikanten wie Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, Wissenschaft und Kunst verschiedene widersprüchli [ ... ]



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