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Ideologie und theorie
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Ambivalenz und Dialektik


Im Anschluß an die beiden vorangehenden Kapitel, in denen ideologische Diskurse im Gegensatz zur marktbedingten Indifferenz dargestellt wurden, wird im folgenden die Theorie im Spannungsfeld zwischen ideologischem Dualismus und der Indifferenz des Tauschwerts betrachtet. Zugleich gilt es, Versäumtes nachzuholen und zu zeigen, daß


auch der Gegensatz zwischen Markt und Ideologie nicht absolut ist, sondern dialektischen Charakter hat: ähnlich dem zwischen Ideologie und Theorie. Die Wechselbeziehung zwischen Indifferenz und Ideologie tritt in einer sprachlichen Situation zutage, in der Ideologen einander mit manichäischen Dogmen bekämpfen und dabei das semantische Potential der Sprache ausschlachten. Ihre Auseinandersetzungen, in denen das Won auf skrupellose Art manipuliert und für taktische Zwecke eingesetzt wird, bewirken schließlich eine Entwertung der Wort-Werte, die in der Propagandaschlacht eingesetzt werden. Wörter wie „Demokratie", „Freiheit", „Gerechtigkeit" oder „Ehre" werden zu leeren, vertauschbaren Worthülsen, die den Wortleichen der marktorientierten und profitmotivierten Werbung gar nicht unähnlich sind. Auf sie reagieren die Adressaten mit Gleichgültigkeit, zumal die anhaltenden Wortgefechte häufig die Gegensätze zwischen den verschiedenen ideologischen Positionen verwischen: So stellte beispielsweise die Wortverbindung „Sozialfaschismus", die in den dreißiger Jahren von kommunistischen Parteien geprägt wurde und die Sozialdemokratie diskreditieren sollte, den semantischen Grundgegensatz zwischen Sozialisten und Faschisten in Frage. Auch auf funktionaler Ebene ist die Differenz von Markt und Ideologie nicht als absoluter Gegensatz zu denken, da in einer Gesellschaft, deren Öffentlichkeit von kommerzialisierten Massenmedien beherrscht wird, auch Ideologien verkauft werden. Dies erkannte Josef Joffe, als er in der Zeit (14.11.80) über die kommerzielle und politische Tätigkeit Ronald Reagans schrieb: „Nach dem Niedergang seiner Filmkarriere war er jahrelang durch das Land gezogen und hatte neben Elektrogeräten (General Electric) und Waschpulver (Borax) das konservative Evangelium verkauft: wider den wuchernden Wohlfahrtsstaat, gegen hohe Steuern und den gottlosen Kommunismus."1 Die Ideologie erscheint hier als eine Ware unter anderen und die Ideologeme als ebenso vertauschbar wie die Waren, deren Vertrieb in erster Linie der Steigerung des Gewinns dient. Auch marktfeindliche Ideologien wie Marxismus, Maoismus, Feminismus und Ökologie werden vermarktet: Davon zeugt nicht nur die Entstehung von neuen Spezialgeschäften, sondern auch die Tatsache, daß maoistische Buchhandlungen von ökologischen oder feministischen verdrängt wurden.


Kritik an Hegel: Ambivalenz, Dialektik, Dialog
Im zweiten Teil dieses Buches wurde der ideologische Diskurs auf semantischer Ebene als dualistische Struktur dargestellt, deren Aussagesubjekt auf die marktbedingten Ambivalenzen des gesellschaftlichen Alltags, auf dessen „Karnevalisierung", würde Bachtin sagen, mit manichäischen Mythen reagiert, d [ ... ]
Ambivalenz und Kritik
Die absolute Ablehnung der Marktgesellschaft ist ebenso fragwürdig wie deren Bestätigung in der Indifferenz. Der Gegensatz zwischen Tauschwert und Gebrauchswert, der einer der Ausgangspunkte meiner Argumentation ist, ist ebensowenig absolut wie der zwischen dem 'auratischen" und dem technisch 'repro [ ... ]
Kritik der Indifferenz
Trotz der radikalen Kritik an der ideologischen Dichotomie schließt Benjamins, Adornos und Horkheimers Dialektik die in der Marktgesellschaft, in der Kulturindustrie herrschende Indifferenz der Werte aus. Die Extreme berühren sich: jedoch ohne vertauschbar oder gar identisch, 'wesensgleich" zu sein. [ ... ]
Ambivalenz, Ironie und Reflexion: Von Broch zu Musil
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Hermann Broch
Der Romancier Hermann Broch fügt sich nicht nur deshalb in den hier konstruierten Kontext ein, weil in seinem Werk ideologischer Manichäismus, Ambivalenz und Indifferenz zu Schlüsselbegriffen werden, sondern auch deshalb, weil er vor allem in seiner Tri-logie Die Schlafwandler (1931) den 'Zerfall de [ ... ]
Robert Musil
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