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Fragen der Epochenabgrenzung
Neu erörtert wurde in den letzten beiden Jahrzehnten auch das Problem der Abgrenzung der Aufklärung von vorangehenden bzw. folgenden Epochen. Im Fall des Bezugs zur frühen Neuzeit betonte die ältere Forschung zumal die Kontinuität einer normativen Dichtungstheorie, deren Gesetze von Opitz bis Gottsched nach allgemeiner Ansicht relativ unverändert in Kraft blieben, ohne daß man dabei die mit der Aufklärung sich durchsetzende neue rationalistische Begründung des poetologischen Regelsystems berücksichtigen mochte . Andererseits galt die Entfaltung einer klassizistischen Stiltheorie als wesentliche Innovation der frühaufklärerischen Poetik, wobei unterschlagen wurde, daß sich bereits die Dichtungslehren des Barock in theoretischer und praktischer Hinsicht an antiken Musterautoren orientierten. Inzwischen scheint die Forschung in diesem Punkt zu veränderten Einschätzungen gelangt zu sein, die der Erkenntnis Rechnung tragen, daß Kontinuität und Diskontinuität zwischen früher Neuzeit und Aufklärung wesentlich durch den Fortbestand der Normpoetik bei gleichzeitigem Umbruch des theoretischen Bezugssystems im Horizont des Rationalismus bestimmt werden.
Ein einschneidenderer Beurteilungswandel vollzog sich in den letzten beiden Dekaden im Fall der Einschätzung der Relationen zwischen Aufklärung und Sturm und Drang bzw. Empfindsamkeit. Es bleibt das Verdienst Gerhard Sauders, die genetische Verknüpfung der empfindsamen Affektkultur mit den emotionalistischen Unterströmungen bereits der frühen Aufklärung herausgearbeitet zu haben . Sauders Befunde wurden durch nachfolgende Studien bestätigt, die von der inneren Zusammengehörigkeit der früher zumeist als einander entgegengesetzt aufgefaßten Bewegungen ausgingen und damit zur Neubegründung eines pluralistischen Bildes der aufgeklärten Epoche beitrugen . Auf der anderen Seite betont man neuerdings auch wieder differenzierende Aspekte, die insbesondere dort zutage treten, wo man auf die Techniken des poetologischen Diskurses, auf Sprachstrategien und Rezeptionsmodelle blickt. Empfindsamkeit und Sturm und Drang lassen sich derart als radikalisierte Spielarten der Aufklärung, als Formen der Überbietung ihrer diskursiven Analysetechniken zum Zweck der Ermächtigung des Affekts, als leidenschaftlicher Ausdruck einer Potenzierung der Vernunft im Dienste ihrer kritischen Selbstreflexion auffassen .
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