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Horst ehbauer unterrichtsversuch an einer kleinstadtschule

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Die Schüler



Der Unterricht an der Großstadtschule hat erkennen lassen, daß bei Desinteresse an religiösen Problemstellungen eine wichtige Basis für gründliche Auseinandersetzung mit der Novelle fehlt. Die Voraussetzungen an der Kleinstadtschule waren diesbezüglich besser. Zwar wurde auch hier ein Grundkurs statt eines Leistungskurses gewählt, so daß besonderes Engagement für Literatur nicht zu erwarten war, aber die Schüler hatten mit nur einer Ausnahme eine religiöse Bindung. Einer einzigen Kollegiatin, die religiös indifferent war, standen in der Klasse religiös interessierte und z. T. kirchlich besonders tätige Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gegenüber. Bezeichnend für diese Situation ist, daß zu Beginn des Unterrichts eine Schülerin, die das Morgengebet im Grundkurs eingeführt hatte, daran erinnerte, daß "wir" noch nicht gebetet hätten. Daß die Teilnehmer mit der Novelle gerade auch im Hinblick auf ihr religiöses Leben etwas anfangen konnten, zeigte sich verschiedentlich. So, als das Urteil von Gisbert
.Kranz zur Debatte stand: "Die geistig wie künstlerisch schwächste Stelle ist die Rede Padre Damianos, durch dessen Mund der Dichter
; sein eigenes, etwas verworrenes Credo spricht." Dieses Zitat wurde zunächst ungläubig bestaunt, dann großenteils kri-
: tisiert. Allerdings gaben die Schüler gewisse anfängliche Verständnisschwierigkeiten zu. Einzelne streng katholisch orientierte Kollegiaten lehnten aber auch umgekehrt manche Novellenpassagen ab, z. B. das Fatalismus-Diktum "was sein muß, geschieht" oder den aporetischen Satz "Gott braucht die Sünde". Partielle Ablehnung brachte aber keine Abkehr von der Novelle mit sich, vermutlich, weil der Text insgesamt offenbar eine zu gute christliche Grundlage hat. Skeptisch aufgenommen wurde von verschiedenen auch Pacos Reflexion ". . . wir fühlen unseren Wert. . ., weil wir eingefangen und unters Joch gebracht wurden" . Totale ideologische Ablehnung war nur in einem Falle zu verzeichnen, und zwar bei der religiös indifferenten Schülerin. Aber selbst für sie hielt der Text immer noch viele Ersatzkonstitutionsmöglichkeiten bereit, auch auf ideologischer Ebene - z. B. bezüglich des Konflikts Realität versus Utopie -, so daß kein Leerraum an Sinngebung insgesamt entstand. Partielle Sinngebungslücken lassen sich also von den Lesern aufgrund der Gesamtdarstellung verkraften.
     

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