Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Harold bloom: inßuence und misreading

Index
» Harold bloom: inßuence und misreading
» Harold Bloom: inßuence und misreading

Harold Bloom: inßuence und misreading



Obwohl Harold Blooms Werk in einem ähnlichen, romantisch-nietzscheanischen Kontext entstanden ist wie die Arbeiten Hartmans und Millers, kann es nicht ohne weiteres dem Begriff der »Dekonstruktion« subsumiert werden. Bloom selbst hob immer wieder die Gegensätze hervor, die ihn von den Dekonstruktivisten der Universität Yale trennen, und das Mißtrauen, mit dem er diese Autorengruppe betrachtete, nahm zu, als die nationalistischen und antisemitischen Schriften des jungen Paul de Man entdeckt wurden.
      Er distanzierte sich jedoch mit Humor, und seine Ablehnung ging nie in Verbitterung oder Aggression über. So erklärt er beispielsweise in einem Gespräch mit Imre Salusinszky, wie es zu seiner Teilnahme an dem bekannten Sammelband Deconstruction and Criticism kam, in dem Artikel von Derrida, Miller, Hartman, de Man und Bloom erschienen sind: »Der Titel war mein persönlicher Scherz, den sonst niemand versteht: Ich wollte damit sagen, daß die vier anderen die Dekonstruktion verkörperten und ich die Kritik.« Er fügt hinzu: »Ich habe mit der Dekonstruktion nichts zu tun.«
Es wird sich zwar zeigen, daß wir es hier mit einer von jenen Übertreibungen zu tun haben, an denen Bloom besonderen Gefallen zu finden scheint; aber es ist zweifellos richtig, daß dieser critic ganz andere Absichten verfolgt als Derrida, de Man oder Miller. Ihm geht es trotz aller romantischen und nietzscheanischen Affinitäten zu den Theorien von Yale um das literaturgeschichtliche und psychische Verhältnis einzelner Autoren zueinander und nicht um die Widersprüche des Textes.
      Dies ist der Hauptgrund, weshalb Blooms Theorie hier als Intermezzo oder Übergangserscheinung behandelt wird, die die kritischen Debatten ankündigt. Es gilt einerseits zu zeigen, daß es trotz der kategorischen Dementis des Autors eine gewisse Verwandtschaft zwischen seinem Ansatz und den Theorien von Yalegibt, andererseits zu erkennen, daß die Differenzen, die seinen rhetorisch-psychoanalytischen Entwurf von diesen Theorien trennen, mit den Grenzen der Dekonstruktion zusammenfallen. Sie werden sichtbar, sooft die Dekonstruktivisten es ablehnen, sich auf psychologische oder soziologische Fragen einzulassen.

 Tags:
Harold  Bloom:  inßuence  misreading    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com