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Grundlagen der textgestaltung

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Zum Begriff des »Dramas«



Es ist eine »konstituierende Eigenschaft des Dramas, aufführbar zu sein« . So ist das Drama stets als »aufzuführender Text zu betrachten, als ein im Hinblick auf seine Inszenierung konzipiertes literarisches Artefakt« . Das ist die Grundlage für die Gattungscharakteristik szenischer Texte: Der dramatische Text muß stets in einem Verhältnis zur Bühne und ihrer Praxis gedacht werden. Konsequent setzt Greiner seine Bestimmung der Komödie daher unter das Vorzeichen der Aufführung, für die der darstellende menschliche Körper konstitutiv wird; die Komödie muß »als Theatergeschehen gefaßt werden, von dem der Text nur ein Teil ist« . Eine solche theoretische Doppelsicht läßt sich selbstverständlich auch auf der Seite der Dramatiker feststellen, selbst wenn diese, wie im Lesedrama des 18. Jahrhunderts , das Drama ausdrücklich als untauglich für die Bühne bezeichnen. Sobald allerdings die theoretische Perspektive auf die Theatralität der Texte schwenkt, steht man vor der entscheidenden Interpretationsschwierigkeit, ein »Gelenkstück« zwischen »Theatersemio-tik und Poetik des Dramas« auszumachen . Schon aus der produktionsästhetischen Polarisierung des Dramenbegriffs wurde erkennbar, warum die wissenschaftliche Rezeption - unabhängig davon, ob sie nun Dramen- oder Inszenierungsanalyse betreiben will - vorab ihre eigene Position und ihren Dramenbegriff bestimmen muß. Nun kommt ein weiteres erkenntnistheoretisches Problem hinzu: Theorien setzen in einem metaphysischen Fluchtpunkt eine Art von >Wesen< des dramatischen Textes als überzeitlichen Begriff an, von dem aus Gattungsgeschichte wie -typologie erst entworfen werden können. So begreift Bernhard Asmuth das Drama als »ahistorische oder besser überhistorische Gattung«: »Im Sinne des Allgemeinbegriffs als Summe seiner wesentlichen Merkmale« sei es »zeitlos« . Aus diesem Grundproblem aller -» Gattungsfragen ergibt sich für dieses Kapitel, daß Methoden jeweils nur für einen spezifischen Fragehorizont zur Verfügung stehen. Nicht alle Fragen zu szenischen Texten sind für alle Theorien von Interesse, nicht alle können von ihnen beantwortet werden. Die Ergebnisse der Dramenforschung, die Bauformen szenischer Texte erst erkennen läßt, können deshalb nur so pluralistisch beschrieben werden, wie diese
Forschung pluralistisch betrieben wird. Theorieübergreifend kann gesagt werden, daß sich in der wissenschaftlichen Diskussion zwei Hauptstränge ausdifferenziert haben: ein im weitesten Sinne historisch-kritisch hermeneutischer und ein strukturalistischer . Dazwischen gibt es eine Reihe von Mischformen, so in den Arbeiten von Peter Szondi, Volker Klotz und Horst Turk, die versuchen, Strukturformen historisch zu interpretieren.
     

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