Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Grundlagen der textgestaltung

Index
» Grundlagen der textgestaltung
» Grundlagen narrativer Texte
» Intertextualität und Leserrolle

Intertextualität und Leserrolle



Es bleiben zwei literaturtheoretische Konzepte zu erwähnen, die zwar nicht auf narrative Texte beschränkt sind, dort aber - vor allem im Roman - besonders deutlich und produktiv werden. Beide sehen den Erzähltext nicht als geschlossene Struktur, sondern betonen seine >Offenheit Dia-logizität im Westen wurde dies Konzept der Intertextualität u. a. von Julia Kristeva verallgemeinert; für sie ist jeder Text »eine Permutation von Texten, eine Inter-Textualität: in dem Raum eines Textes überlagern sich mehrere Aussagen, die aus anderen Texten stammen und interferieren« . Damit werden nicht nur vielfältige Figurenstimmen, Zitate und Anspielungen faßbar, sondern auch die Kombination oder Ãoberlagerung verschiedener Erzählmuster und Diskurse im erzählerischen Werk - etwa die experimentellen Formen der Diskursmontage im Roman der klassischen Moderne und der Postmoderne .
      Im methodischen Rahmen von -> Wirkungsästhetik bzw. Se-miotik werden zweitens die in der Textstruktur verankerte Leserrolle und ihr Beitrag zur Sinnkonstitution im Lektürevorgang in den Blick gerückt. »Das Konzept des impliziten Lesers« - von Wolfgang Iser in einer Reihe von Studien ausgearbeitet - beschreibt den »Ãobertragungsvorgang, durch den sich die Textstrukturen über die Vorstellungsakte in den Erfahrungshaushalt des Lesers übersetzen« . Isers Zugriff läßt sich mit schon diskutierten Analysekategorien verbinden - insbesondere sein zentrales Theorem von den narrativen »Leerstellen«, die als »ausgesparte Anschließbarkeit« gewissermaßen die »Gelenke des Textes« ausmachen . Während Iser von phänomenologisch-hermeneu-tischen Fragestellungen ausgeht, entwirft Umberto Eco unter dem sprechenden Titel »Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten« ein textpragmatisches Modell auf semiotischer Grundlage; auch ihm geht es grundsätzlich um die

»Mitarbeit, durch die der Empfänger dazu veranlaßt wird, einem Text das zu entnehmen, was dieser nicht sagt , und dabei Leerräume aufzufüllen und das, was sich im Text befindet, mit dem intertextuellen Gewebe zu verknüpfen, aus dem der Text entstanden ist und mit dem er sich wieder verbinden wird« .
      Was hier anklingt, läßt sich abschließend verallgemeinern. Nach wie vor besitzen wir keine einheitliche Theorie narrativer Texte oder auch nur eine allgemein akzeptierte Terminologie zu ihrer Beschreibung. Unterschiedliche Forschungstraditionen waren lange Zeit sowohl durch nationale wie durch methodologische Grenzen voneinander getrennt und haben sich oft genug gegenseitig ignoriert. Dennoch scheint es nicht unmöglich, ja geradezu nötig und produktiv, unterschiedliche Ansätze, die je verschiedene Schichten oder Aspekte erzählender Prosa untersuchen, miteinander zu kombinieren und auf ihre Tauglichkeit - auch im Blick auf Textanalyse - zu überprüfen. Seit Ende der siebziger Jahre wird immer deutlicher, daß es sehr wohl Verbindungen, Anschlußstellen, sachliche Gemeinsamkeiten zwischen differierenden und konkurrierenden Konzepten gibt, seien sie nun >morphologisch

 Tags:
Intertextualität  Leserrolle    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com