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Fiktionale und faktuale Erzählungen



Das betrifft auch Theorieentwürfe, die von grundlegenden Bestimmungen wie der Fiktionalität des dichterischen Erzähltexts ausgehen . Fiktion . Damit widerspricht er Piatons Abwertung der Dichtung als »Lüge« und sichert ihr einen Eigenwert, der den abendländischen Literaturbegriff bis heute prägt. »Literatur ist immer Erfindung. [...] Wer eine Erzählung >wahr< nennt, beleidigt Kunst und Wahrheit zugleich.«
Die angemessene Rezeption fiktionaler Texte setzt voraus, daß aufgrund einer »Ãobereinkunft zwischen Autor und Leser« der Anspruch auf Verif izierbarkeit, den dieser an informative Texte richtet, »suspendiert« wird. Die »Suspension of disbelief«, von der bereits der Romantiker Samuel Taylor Coleridge sprach, realisiert sich in einer spezifischen Situation oder Institution , oder sie wird, bei der Lektüre von narrativen Texten, durch para-textuelle Angaben hervorgerufen , vor allem durch die gattungspoetische Deklaration als »Roman«, »Erzählung« u. ä. Dies gilt auch für die häufigen Fälle, wo Orte, Daten, Personen, Geschehnisse einer Erzählung der historischen Realität entlehnt sind. Zuschauer oder Leser beziehen einen Dramenhelden namens Wallenstein oder den Romanschauplatz Lübeck nicht -oder doch nur in einem indirekten Sinn - auf die historisch-empirische Realität. Sie akzeptieren, daß sich fiktive Personen namens Buddenbrook an historisch authentischen Orten bewegen. Bestimmend bleibt auch in solchen Fällen die rezeptionslenkende Deklaration als fiktionaler Text: »So wie der Löwe, nach Valery, kaum mehr als verdautes Lamm ist, so besteht die Fiktion fast ausschließlich aus einem fiktionalisierten Realen.«
Eine vieldiskutierte Theorie des f iktionalen Erzähltextes hat Käte Hamburger vorgelegt: »Die Logik der Dichtung« . Auch sie unterscheidet grundlegend Wirklichkeitsaussage und dichterische, insbesondere erzählerische Fiktion. Diese sieht sie nicht nur durch Kontextangaben, sondern auch durch textinterne Fiktionalitätssignale gekennzeichnet. Das Raum-Zeit-Gefüge des erzählten Geschehens ist, anders als im Wirklichkeitsbericht, nicht auf die Position des Berichterstatters bezogen, sondern auf die Figuren der Erzählung. Zugleich akzeptieren wir als Leser im fiktionalen narrativen Text die Mitteilung der Gedanken und Empfindungen von >drit-ten< Personen durch die Erzählinstanz. Hieraus ergeben sich grammatisch-stilistische Indizien für die Fiktionalität eines narrativen Textes: Erstens die Verbindung des üblichen Erzähltempus Präteritum mit in die Gegenwart oder gar Zukunft verweisenden , prägt in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts besonders die angloamerikanische, französische und italienische Erzählliteratur. Metafiction wird zu einem Sammelbegriff »für fiktionale Erzähltexte, die selbstreflexiv und systematisch die Aufmerksamkeit auf ihren Status als Artefakte lenken, um damit die Beziehung zwischen Fiktion und Wirklichkeit zu pro-blematisieren« . Damit reagiert Gegenwartsliteratur zweifellos auch auf die zunehmende Schwierigkeit, innerhalb der Lebenswelt zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu unterscheiden. Was wir - insbesondere in der Vermittlung durch die modernen Massenmedien - als >Wirklichkeit< erleben, ist bereits medial produzierte Pseudowirklichkeit - also nicht mehr kenntliche Fiktion, sondern undurchschaubare, tendenziell allumfassende Simulation .
     

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