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Grundfragen der textrezeption

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Kritik der »Ã"quivalenz«-Konzepte: die »Skopostheorie«



Eine entschiedene Abwendung vom Ã"quivalenzkonzept und der damit verbundenen Invarianzforderung findet schließlich in der funktionalen Translationstheorie statt, die von der pragmatischsituativen Eingebundenheit von Texten ausgeht. Ãobersetzen könne demzufolge nicht als bloßer Umcodierungsprozeß zwischen zwei Sprachen beschrieben werden, Sprache sei vielmehr aufzufassen »als Text in einer Situation, als Teil einer Kultur mit einer bestimmten Funktion« und Ãobersetzung demnach als ein »kultureller Transfer«, der mit einem auf Symmetrie zielenden Begriff wie dem der Ã"quivalenz nicht hinreichend beschrieben werden könne .

      Am konsequentesten ausformuliert ist der funktionale Ansatz in der »Skopostheorie« von Katharina Reiß und Hans J. Vermeer. Sie gehen in ihrer »Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie« nicht nur von einem sehr weit gefaßten Ãobersetzungsbegriff aus, der »auch die Möglichkeit des Umsetzens von sprachlichem in aktionales Handeln und umgekehrt« einschließen soll , sondern schränken gleichzeitig die Bedeutung des Ã"quivalenzbegriffs ein und propagieren die »Entthronisierung des Originals«. Ausgehend von rezeptionstheoretischen und handlungstheoretischen Prämissen legen Reiß/Vermeer zum einen einen adressatenbezogenen Textbegriff zugrunde: Texte werden als Informationsangebote begriffen, deren Textsinn situativ, d. h. erst in der Rezeption realisiert wird. Zum anderen wird Ãobersetzen als ein Sonderfall intentionalen Handelns und somit als zweck- oder zielgerichtet aufgefaßt. So können Reiß/ Vermeer schließlich zu ihrer zentralen These gelangen: »Die Dominante aller Translation ist deren Zweck« . Dem Ãobersetzer - oder in dieser Terminologie: dem »Translator« -obliegt es, den Zweck bzw. die Funktion seiner Ãobersetzung im Hinblick auf die intendierten Zieltextrezipienten zu wählen und so beispielsweise darüber zu entscheiden, ob er »>Don Quijote< alsliterarisches Kunstwerk der Weltliteratur, als Kinder- und Jugendbuch usw.« übersetzt. Maßstab für eine gelungene Ãobersetzung ist ihre Adäquatheit, worunter die Ãobereinstimmung des »Translats« mit dem gesetzten Zweck verstanden wird. An diesem Punkt wird die radikale Zieltextorientiertheit dieses Ansatzes deutlich, in dem die Beziehung der Ãobersetzung zum Ausgangstext als nachrangig aufgefaßt wird: Ã"quivalenz bezeichnet demzufolge die »Gleichwertigkeit« auf der Ebene von Sprachzeichen einerseits und die »Funktionskonstanz zwischen Ausgangs- und Zieltext« andererseits , die als Sonderfall von Adäquatheit aufgefaßt wird.
      Auf Kritik von Seiten der empirisch-induktiven Ãobersetzungswissenschaft ist die Skopostheorie vor allem wegen ihrer Normativität gestoßen , von sehen der literaturwissenschaftlich orientierten Ãobersetzungsforschung wegen ihres eingeschränkten Geltungsbereichs . Denn selbst wenn die Translationstheorie den Anspruch erhebt, für alle Texte gültig zu sein, so besitzt sie doch einige Ãoberzeugungskraft nur für den Bereich der »operativen« Texte im Sinne Reiß' und nicht für den der literarischen.
     

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