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Philosophische Voraussetzungen des NeoStrukturalismus



Die stolze Sicherheit objektivierbaren Wissens und unbegrenzter Bemächtigung der Sprache wird durch den »Poststrukturalismus« oder »Neostrukturalismus«, durch grundsätzliche Negation philosophischer und sprachwissenschaftlicher Begriffe erschüttert. Es ist dies eine Kritik an den Begriffen einer geschlossenen Struktur, an der Einheit des Textes, an der Feststellung einheitlicher Bedeutung, an der Generierung eines Sinns. Im engsten Zusammenhang damit steht eine grundsätzliche Kritik der philosophischen Begriffe des Subjekts und der abendländischen Metaphysik. Zwar entwickelt keiner der poststrukturalistischen Autoren und Autorinnen eine neue Semiotik. Ihre Kritik betrifft aber Faktoren der Semiose und führt zur Negation oder Veränderung der Begriffe von Autor, Text, Leser und Gesellschaft. Mit Manfred Frank können wir den »Post-« als »Neostrukturalismus« bezeichnen: in ihm wird Saussures These, die Sprache sei eine Form differentieller Relationen, radikalisiert. Dadurch werden Begriffe wie »Text« oder »Kunstwerk«, sofern sie als objektiv rekonstruierbare Substanzen gedacht werden, unmöglich. Die Analyse und Interpretation von Texten wird durch die Beschreibung »diskursiver Praktiken« ersetzt . So verschiedene Autoren wie Jacques Derrida, Jacques Lacan, Julia Kristeva, Michel Foucault sowie Paul de Mans -> Dekonstruktion stimmen in der Opposition gegen die abendländische Metaphysik und Identitätsphilosophie, gegen den Repräsentationscharakter der Sprache, gegen die semantische Identität von Sprachzeichen und gegen die Präsenz des Sinns und die Autonomie eines selbstbewußten Subjekts überein.
      Das hat Konsequenzen für das Verständnis von Philosophie und Wissenschaft. Eine rational begründete Durchsichtigkeit des Seins und Wissenschaft als ein Medium der objektiven Erkenntnis sind aufgrund dieser Voraussetzungen nicht denkbar. Die Traditionen und Ideale der Aufklärung sind in Frage gestellt. Damit wird Heideggers Kritik der Metaphysik radikalisiert, ohne daß ein »Seinsgeschick« die Stelle des negierten Gottes einnähme. Die Sprachkritik orientiert sich an Nietzsches »Ãober Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn«. Mit Nietzsche wird auch die Frage aktuell, ob das Ich nicht eine Fiktion, nur ein bloßes Epi-phänomen des Willens zur Macht sei. Mit Freud wird gefragt, inwiefern das Ich nicht Herr im eigenen Hause, sondern Figurationdes Unbewußten sei.

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Philosophische  Voraussetzungen  NeoStrukturalismus    


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