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Homonyme und Synonyme



Offenbar Geheimnis
Sie haben dich, heiliger Hafis, Die mystische Zunge genannt, Und haben, die Wortgelehrten, Den Wert des Worts nicht erkannt.
      Mystisch heißest du ihnen,

Weil sie Närrisches bei dir denken
Und ihren unlautern Wein

In deinem Namen verschenken.

      Du aber bist mystisch rein,

Weil sie dich nicht verstehn,
Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!

Das wollen sie dir nicht zugestehn.
      Wink
Und doch haben sie recht, die ich schelte: Denn, daß ein Wort nicht einfach gelte, Das müßte sich wohl von selbst verstehn. Das Wort ist ein Fächer! Zwischen den Stäben Blicken ein Paar schöne Augen hervor. Der Fächer ist nur ein lieblicher Flor, Er verdeckt mir zwar das Gesicht, Aber das Mädchen verbirgt er nicht, Weil das Schönste was sie besitzt, Das Auge, mir ins Auge blitzt.
      Eine Vielzahl auffälliger Zeichenstrukturen vermag das binäre Modell überzeugend darzustellen. Was bedeutet das Geschenk von Wein? Vielleicht Freundschaft, vielleicht sogar Liebe, vielleicht nur Höflichkeit. Der Signifikant bleibt der gleiche, das Signifikat wechselt. Anders gesagt: Einem Signifikanten entsprechen mehrere Signifikate. Man bezeichnet diese Struktur als Mehrdeutigkeit . Goethe betont in seinem zweiten Gedicht diese Eigenschaft als Grundeigenschaft aller Wörter: «Denn, daß ein Wort nicht einfach gelte / Das müßte sich wohl von selbst verstehn.» Im ersten Gedicht gibt er ein Beispiel: die Polysemie von «mystisch», worunter die «Wortgelehrten» etwas anderes verstehen als Goethe. Je weiter die Signifikate einer Polysemie voneinander entfernt sind, desto mehr nähert sie sicheiner Homonymie im strikten Sinn an. Ein Beispiel dafür wäre das deutsche Wort . Homonymie heißt also die Koexistenz zweier verschiedener Signifikate, die , innerhalb eines identischen Signifikanten.
      Synonymie soll umgekehrt die Existenz mehrerer Signifikanten für das gleiche Signifikat heißen, etwa < Pfarrer > und < Pastor >.
     

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