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Der Stoff: Forschungsgeschichte und heutige Praxis



Die literaturwissenschaftliche Untersuchung von Stoffen und Motiven in der Dichtung wurde ursprünglich durch die germanistische Märchenforschung angeregt. Den umfangreichen Katalogisierungen der Quellen und Einflüsse im Bereich der Märchen- und VolksdichtungI haben Kurt Bauerhorst und Franz Anselm Schmitt die Spezialbiblio-graphie zur «Stoff- und Motivgeschichte der deutschen Literatur» an die Seite gestellt. Die Forschungen und theoretischen Ansätze der Germanisten hat Elisabeth Frenzel in ihren Lexika dichtungsgeschichtlicher Längsschnitte der «Stoffe» und «Motive» um weltliterarische Perspektiven erweitert. Heute handelt es sich um eines der bevorzugten Arbeitsgebiete der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft, deren Handbücher jeweils ein entsprechendes Methodenkapitel aufweisen/ Die Kritik an der ehemaligen Stoffgeschichte 3 darf seit H. Levins Rehabilitierung der wissenschaftlichen Untersuchung von Inhalten und Gegenständen der Literatur als überwunden gelten. Seit den 70er Jahren bezeichnet die Thematologie den «Methodenbereich derjenigen komparatistischen Forschungen, die die traditionsbildenden thematischen Aspekte und formalen Elemente in der Literatur untersuchen». Dabei werden sowohl die traditionelle Behandlung von Stoffen, Motiven und Symbolen, das Nachleben der klassischen Götterfabeln und der biblischen Gestalten und die Ideengeschichte berücksichtigt als auch strukturalistische Untersuchungen von Archetypen, Sujets und dramatischen Situationen sowie die Anleihen bei der kunstgeschichtlichen Ikonologie und Motivforschung, ferner Arbeiten über Embleme, Allegorien, poetische Bilder und Gleichnisse, schließlich die in der antiken Rhetorik wie in der Jurisprudenz heimische und von da auf die Geschichts- und Sozialwissenschaften ausstrahlende Toposforschung einbezogen. Die bibliographischen Hilfsmittel hat Theodore Ziolkowski in einem aus reicherdidaktischer Erfahrung schöpfenden und in vielseitigen eigenen Studien bewährten « Practical Guide to Literary Thematics » anschaulich erläutert.

      Die Fragen nach dem Stoff als Inhalt und Gegenstand literarischer Texte stellen zunächst weniger ästhetische Ansprüche als etwa die Kategorien der Form, der Sprache und des Stils. Wohl aber konditioniert die Wahl des Stoffes die Darstellungsweise in der Dichtung. Nach Elisabeth Frenzeis Definition ist Stoff «eine schon außerhalb der Dichtung vorgeprägte Fabel, ein , der als persönliches Erlebnis , als Bericht über ein zeitgenössisches Ereignis, als historische, mythische, religiöse Fabel, als ein bereits durch einen anderen Dichter gestaltetes Kunstwerk oder auch als selbsterfundene Handlung dichterisch gestaltet wird.» Neben ihren historischen und methodologischen Einführungen in die « Stoff-, Motiv- und Symbolforschung » hat Frenzel auch die europäischen Verzweigungen einiger beispielhafter Motive und von besonders in der deutschen Literatur hervorgetretenen Stoffen und Themen didaktisch vorgeführt.
     

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