Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Grundbegriffe der Texterschließung
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Grundbegriffe der Texterschließung



Die semiotische Grenze: Instrumenteile vs. kommunikative Funktion
Über einer innerstädtischen Straßenkreuzung hängen an quer gespannten Drähten eine elektrische Laterne und eine Verkehrsampel: Könnte ein gerade aus dem Weltall angekommener E. T. sie wahrnehmen, so würde er sie vermutlich für eng verwandte Objekte halten. Dennoch dominieren bei beiden (gesellschaft
Saussures binäres Zeichenmodell
Das Geschenk von Wein kann also (je nach Kultur und Situation) als Zeichen der Freundschaft fungieren, das Geschenk eines Fächers als Zeichen der Liebe. Ferdinand de Saussure, einer der Begründer moderner Semiotik, unterschied an den Zeichen zwei fundamentale Elemente: auf der einen Seite die auffal
Homonyme und Synonyme
Offenbar Geheimnis Sie haben dich, heiliger Hafis, Die mystische Zunge genannt, Und haben, die Wortgelehrten, Den Wert des Worts nicht erkannt. Mystisch heißest du ihnen, Weil sie Närrisches bei dir denken Und ihren unlautern Wein In deinem Namen verschenken. Du aber bist mystisch rein, Weil
Denotation und Konnotation, Isotopie
Der mittelalterliche persische Dichter Hafis (1320/25-1390), dessen Lyriksammlung («Divan») Goethe in der deutschen Version des Wiener Orientreisenden Hammer-Purgstall las, legt seinen Liedern meistens die typische Situation eines Trinkgelages in einer « Schenke » zugrunde. Zu dieser Situation gehör
Zeichensysteme und Sprachen
Stellen wir uns nun eine Szene zwischen Goethe und seiner Geliebten Marianne von Willemer auf der «Gerbermühle» im Jahre 1815 vor: Der Dichter schenkt der Tänzerin rote Rosen, sie blinzelt ihn durch Zwischenräume eines Fächers verliebt an. Sie trinken Wein, abwechselnd aus einem Glas, das sie sich h
Paradigmatische vs. syntagmatische Bezüge, Texte
Alle durch Konstanthaltung bestimmter Elemente und kombinatorische Variation gebildeten Serien stehen in paradigmatischen Bezügen. Dazu gehören nicht bloß die erwähnten Wortserien wie Reime oder semantische Serien (Polysemien oder Glieder einer Isotopie), sondern auch umfangreiche Komplexe wie alle
Literarische bzw. poetische Texte
Lange Zeit hat die Literatursemiotik versucht, eindeutige Kriterien für die sog. Literarizität bzw. Poetizität von Texten herauszufinden. Man wollte also immanent, aus dem Text selbst heraus feststellen können, ob es sich um einen < literarischen > oder < nichtliterarischen > Text handle. Dieser Ans
Hermeneutik und Semiotik
Unter Hermeneutik verstehen wir die Lehre vom Verstehen (Dilthey) der Texte, es ließe sich auch sagen: die «Kunst der Interpretation» (Staiger). Die verschiedenen erwähnten Möglichkeiten, Hafis zu lesen (die der islamischen Kommentatoren und die Hammers bzw. Goethes), aber auch unsere eigene Entschl
Der Stoff: Forschungsgeschichte und heutige Praxis
Die literaturwissenschaftliche Untersuchung von Stoffen und Motiven in der Dichtung wurde ursprünglich durch die germanistische Märchenforschung angeregt. Den umfangreichen Katalogisierungen der Quellen und Einflüsse im Bereich der Märchen- und VolksdichtungI haben Kurt Bauerhorst und Franz Anselm S
Das Motiv: methodische Klärungen und Nebenbegriffe
Einen klärenden Beitrag zum Motiv-Begriff leistet die Dissertation von Joachim Rickes über die handlungsbestimmende Situation zwischen «Führerin und Geführtem» in Wielands «Musarion».8 Rickes will die «fehlende Verbindung von Theorie und Praxis (...), ein Grundproblem der Stoff- und Motivforschung»,
Motive und Themen: deutsche und amerikanische Forschungen
Ein die Bildelemente und den metaphorischen Gebrauch, die stoffliche, die situative und die strukturelle Funktion sowie die Verknüpfung von Figuren und Themen organisierendes Motivkonzept legen Horst S. und Ingrid Daemmrich ihrer lexikalischen Erschließung der «Themen und Motive in der Literatur» zu
Themes et mythes: französische Forschungen und Begriffe
eben der deutschen und der korrespondierenden anglo-amerikani-schen Motiv- und Themenforschung hat sich in der französischsprachigen Literaturwissenschaft ein eigener Zweig der Erforschung von «themes » und « mythes » herausgebildet. Pierre Albouy versteht unter Mythen die jeweils mit neuem Sinngeha
Perspektiven in Literaturwissenschaft und Rezeptionsforschung
Zahlreiche Untersuchungen literarischer Typen und Motive berücksichtigen zwar die sozial- und kulturgeschichtlichen Aspekte der jeweiligen Themenstellung, geben sich aber kaum Rechenschaft über die literarischen Kriterien und methodischen Grundlagen. So liefern sie Materialien und Bausteine zur hist
Figur und Handlung
Die Forschungslage ist paradox: In Erzählungen und Dramen lernen wir vor allem interessante Menschen kennen, und gleichwohl weiß die Forschung zur historisch-systematischen Erschließung literarischer Figuren wenig zu sagen. Der Artikel zum Stichwort «Figur» in Gero von Wilperts « Sachwörterbuch der
Allgemeine Merkmale literarischer Figuren
Literarische Figuren bestehen aus Wörtern und Sätzen. Sie referieren nicht auf konkrete Personen aus Fleisch und Blut.3 Wer, wie Christian Friedrich Daniel Schubart, über Werthers Schicksal Tränen vergießt -«Da sitz ich mit zerfloßnem Herzen, mit klopfender Brust, und mit Augen, aus welchen wollüsti
gerhard rühm: die Werbung
«ein junger mann wollte um die hand eines mädchens werben, doch trennte ihn ein großer see von ihr, und darum mußte er warten, bis es winter geworden und der see zugefroren war. an einem frostigen morgen ging er aus und setzte schritt vor schritt. fast hatte er den see überquert, als eine schar wil
Die Ereignishaftigkeit figurenperspektivischer Erfahrungen
Um eine in Worten gestaltete literarische Figur wie den «jungen Mann » methodisch zu beschreiben, sei gefragt, ob die Autoren ihren Figuren das Merkmal zuschreiben, in der textinternen Welt Erfahrungen zu machen. Die Antwort ergibt: Offenbar ist es ein zentrales Anliegen epischer und dramatischer Au
Die erste Ereigniskette: Die Figur begehrt etwas
Innerhalb der Kette der ereignishaften Erfahrungen einer Figur ist zwischen Anfang, Mitte und Ende bzw. handlungseröffnenden, -begleitenden und -beschließenden Erfahrungen zu unterscheiden. Eine häufig dargestellte Ereigniskette wird durch die figurenperspektivische Erfahrung eingeleitet, daß die Fi
Weitere Ereignisketten: Die Figur siebt sich bedroht, sie erfährt eine Schädigung, sie fühlt sich schuldig
Eine zweite ereignishafte Ausgangserfahrung liegt vor, wenn die Figur sich in dem, was sie als Gut besitzt und genießt, bedroht fühlt. Die handlungseröffnende Erfahrung ist also semantisch und psychologisch anders aufgebaut als die des Begehrens. Gesetzt, der junge Mann hätte in Ruhms Geschichte das
Ausblick
Die Strukturanalyse sollte die Möglichkeit eröffnen, so komplexe sprachliche Gebilde wie die literarischen Figuren zu beschreiben und historisch-systematisch zu typisieren, wobei der methodische Kunstgriff darin bestand, von den ereignishaften Erfahrungen auszugehen, welche die Autoren den Figuren -
Erzählen
Vornehmster Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Erzählforschung ist gegenwärtig die artifizielle, offene und rätselhafte Prosa der literarischen Moderne von Joyce bis zu Pynchon, die zur Erprobung unterschiedlichster Verfahren - psychoanalytischer, semiotischer, dekonstruktivistischer etc. -
Alltägliches Erzählen
Eine Party-Erzählung von Herrn B. Frau B hat eine lustige Anekdote erzählt, alle lachen; dann trinken Herr A und Herr D einen Schluck Bier, Frau B ißt einen Happen; Herr B blickt wieder in die Gruppe und beginnt in die allgemeine Unruhe hinein zu reden. Herr B (sitzt zurückgelehnt, Beine übereinan
Aspekte des Dramas
Drama ist Spiel vor Zuschauern; es ist Spiel mit Wirklichkeiten und wirkliches Spiel. «The theatrical Situation, reduced to a minimum, is that A impersonates B while C looks on.»1 « Give me the map there», sagt zu Beginn des 1. Akts der Schauspieler Paul Scofield (A) als König Lear (B): «Know that w
Ebenen der Kommunikation
Die Vermittlung von Bedeutung vollzieht sich im Theater auf drei sich überlagernden Kommunikationsebenen, deren gemeinsamer Bezugspunkt die dargestellte Geschichte (histoire) ist2: einer dramatischen (die Interaktion der Figuren auf der Bühne), einer theatralischen (die Kommunikation zwischen Schaus
Konventionen der Inhaltsebene
Die Inhaltsebene hat Konstruktcharakter; sie stellt eine fiktive Wirklichkeit dar, die in sich vollständig ist und keinerlei zusätzliche Se-mantisierung zuläßt: Die Frage nach der Anzahl der Kinder Lady Macbeths beantwortet nur der Text, und tut er das nicht, so ist diese Information nicht Teil des
Konventionen der Vermittlung: das Textsubstrat
Rein typographisch besteht das Textsubstrat aus dem Haupttext, der die zu sprechenden Repliken der Figuren umfaßt, und dem Nebentext, in dem sich unter anderem vor allem Hinweise zu Ort, Zeit, Figurencharakteristik, Tonalität, Gestik, nichtverbalen Handlungen finden. Das Syntagma des Textes ist zude
Konventionen der Vermittlung: die Aufführung
Die Einsicht, daß man « nicht nicht kommunizieren kann » 2I, gilt in besonderem Maße für die Theatersituation: «All that is on the stage is a sign.»22 Der Schauspieler des Richard III kann also nicht zufällig einen Hitler-Bart tragen, genausowenig wie das Bühnenbild zum « Lear » nicht aus Versehen e
Lyrik als «Ausdruck von Stimmungen>?
In einer über längere Zeiträume durchgeführten Umfrage unter Studierenden des Grundstudiums an der Universität Bochum zeigte sich eine erstaunliche Kontinuität bei folgenden Vorstellungen über Lyrik: «Ausdruck von Gefühlen>, , von sprachlichen Strukturen analytisch einsichtig gemacht werden. Dabei
Sangbarkeit, Tanzbarkeit
Für eine struktural-funktionale Analyse kultureller Kategorien ist ein Ansetzen bei der Etymologie im allgemeinen wenig aufschlußreich, häufig sogar irreführend. Die selber bildet da eine Ausnahme: Lyra hieß ein altgriechisches Saiteninstrument, zu dessen Begleitung jene Lieder gesungen wurden, die
Poesie vs Prosa
Sangbarkeit und/oder Tanzbarkeit fordern von der Sprache metrische, rhythmische und allgemein rekurrente Strukturen. Nun wäre es aber ein Irrtum, diese Bedingungen auf lyrische Texte zu beschränken. Auch alte Epen (wie die von Homer oder Wolfram von Eschenbach) wurden, auf Sangbarkeit angelegt, in e
Lyrik vs. Narrativik
Im Laufe unserer Annäherung an lyrische Strukturen ist bisher eine komplexe, im weiteren noch genauer zu analysierende Eigenschaft () mit einer scheinbar sehr banalen () kombiniert worden. In aller Regel sind Lieder/Gedichte kurz, Erzählungen/ Dramen/Filmszenarien usw. jedoch erheblich länger. Diese
Absoluter Gebrauch fundamentaler Kategorien
Wenn das lyrische Ich keine Figur ist, weil es nicht als Element zu einer Konfiguration gehört, wie wäre es dann strukturell zu kennzeichnen ? Greifen wir noch einmal auf unsere erdachte Fortsetzung des Meyer-schen Gedichts zurück: «aber ich so allein!» Semantisch (nicht stilistisch und ästhetisch)
Zur Analyse überstrukturierter Texte: Abbildung des Paradigmas auf das Syntagma
Der Strukturalist Roman Jakobson hat ein einfaches, doch grundlegendes Gesetz aller von ihm so genannten poetischen Texte formuliert: «Die poetische Funktion überträgt das Prinzip der Ã"quivalenz von der Achse der Selektion auf die Achse der Kombination.»3 Der Achse der Selektion entspricht die para
und als Effekte überstrukturierter Texte
Ein überstrukturierter Text, so zeigt sich, besitzt mehrere Ebenen, auf die Paradigmen abgebildet werden können (vor allem lautliche, rhythmische und semantische). Man kann einen solchen Text also auch ohne Vertonung mit einem mehrstimmigen musikalischen Satz vergleichen. Ein des Deutschen nicht
Denotation und Konnotation, Desemantisierung und Resemantisierung
In der neueren Kunstlyrik läßt sich eine Tendenz zur Vermehrung der semantischen Ebenen beobachten, die begründet werden muß. So können wir in dem Gedicht « Zwei Segel» zunächst eine Bedeutungsebene isolieren, die man im allgemeinen die der wörtlichen Bedeutungen nennt. Dabei handelt es sich um eine
Lyrische Symbolik
Wir hatten das Bild, das die Ebene der Denotation in beiden Gedichten jeweils entfaltet, in einem früheren Zusammenhang als imaginäre Evokation bezeichnet. Solche Evokationen sind für große Teile der Lyrik charakteristisch, ob es sich nun um intensiv aufgefaßte Landschaften handelt («Der Wald steht
Vorbemerkung
In den Jahren 1937 und 1938 schrieb Bertolt Brecht Gedichte, mit denen er aus dem dänischen Exil über den «Deutschen Freiheitssender» politisch aufklärend und agitierend in das nationalsozialistische Deutschland hineinwirken wollte. Die Reflexion auf die Bedingungen der Produktion und Rezeption dies
Grundbegriffe des Verses
Metrische Verse unterscheiden sich von Prosa formal dadurch, daß in ihnen Wert und/oder Zahl der Silben nach jeweils festem und wiederkehrendem Schema geregelt ist. Deshalb bezeichnet man den metrischen Vers, das heißt die Verszeile als Einheit, als gebundene Rede im Unterschied zur ungebundenen Red
Opitzens prosodisch-metrische Lehre und ihr literarhistorischer Kontext
Bedeutet < gebundene Rede>, daß die Anordnung der Silben im Rahmen der Verszeile schematisch geregelt ist, dann ist es für die Verstheorie wie für die Praxis der Versproduktion ein zentrales Problem, ob bzw. in welchem Maße das sprachliche Material - die Wörter also und die Silben als deren kleinste
Opposition gegen die Alternation
Die strenge Befolgung der Opitzischen Regel, daß «jeder verß entweder ein iambicus oder trochaicus » sei, hatte zur Folge, daß ein Teil des Wortschatzes (z. B. «Tulipen», «Sterbliche») und geläufige Wortkombinationen (z.B. «Wiesen und Felder», «blühende Sommerlust») nicht verwendet werden konnte. A
Tendenzen der Versentwicklung im I8. Jahrhundert
Für die Entwicklung der Verspraxis, soweit sie von Opitz wegführte, war Friedrich Gottlieb Klopstock (17Z4 bis 1803) von größter Bedeutung. Er veränderte nicht nur die Ausdrucksfähigkeit der deutschen Sprache, sondern auch das Formbewußtsein seiner Zeitgenossen und ihre Auffassung vom Wesen der Dic
Auseinandersetzung um den Reim
Klopstock verzichtete in seinen Dichtungen fast gänzlich auf ein Element, das bis dahin für deutsche Verse konstitutiv war: auf den Reim. Dieser Verzicht bedeutete eine Irritation für einen Teil des Publikums, der «den Reim für poetische Werke unerläßlich » hielt und dem die neuen Verse « keine Vers
Perspektiven der Versentwicklung im I9. und 20. Jahrhundert
Das Ergebnis der skizzierten Entwicklungen ist, daß beim Ãobergang vom 18. ins 19. Jahrhundert der deutschen Dichtung eine bis dahin nicht vorhandene Fülle von Versformen zur Verfügung stand. Diese Formenvielfalt umfaßte - die vormals als vulgär geltenden gereimten Verse germanisch-deutscher Tradi
Rhetorik zwischen Diffamierung und Rehabilitierung
Ãober zweitausend Jahre als Bildungsmacht in Europa und bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts hinein als Unterrichtsfach in den Schulen etabliert, erlebte die « ars bene dicendi» insbesondere in Deutschland im 20. Jahrhundert ihren vorläufigen Niedergang. Erst in den 70er Jahren kam es zu einer bis he
Zur Geschichte der «ars rhetorica»
Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. ist Rhetorik Gegenstand wissenschaftlicher und didaktischer Ãoberlegungen. Im öffentlichen Leben des Altertums entfaltete sie ihre eminente soziokulturelle Potenz insbesondere als politische Rede vor Versammlungen und Gremien («genus de-liberativum»), als Gerichtsrede
Grundbegriffe der Rhetorik
Das klassische rhetorische Texterstellungsmodell gliedert sich in fünf Bearbeitungsstadien der Rede. Die «inventio» enthält Regeln über das standardisierte Suchen und Finden von geeigneten Gedanken, Argumenten, Tatsachen, Exempeln etc. zur Bewältigung eines zu erörternden Themas hinsichtlich der ang
Rhetorik als Basis eines ideologiekritischen Diskurses
Die Rhetorik hat einen Doppelcharakter: Sie ist einerseits eine Anleitung zur Produktion von Rede, andererseits stellt sie ein taugliches Begriffsinventar zur strukturellen und gehaltlichen Erschließung von Texten aller Art bereit. So offeriert sie auch im Rahmen einer pragmatischen Texttheorie ein

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